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Erwartet einen steigenden Gewinn: Commerzbank-Chef Zielke.

Bankenhochzeit

Keine Lust auf Abenteuer

Der Betriebsrat der Commerzbank fordert den Vorstand auf, die Fusionsgespräche mit der Deutschen Bank zu beenden.

In der Commerzbank wächst der Widerstand gegen eine mögliche Fusion mit der Deutschen Bank. Der Gesamtbetriebsrat des Instituts forderte vom Vorstand den Abbruch der Gespräche. „Es ist an der Zeit, den Schaden jetzt zu begrenzen“, heißt es in einer am Mittwoch verschickten „Protestnote“ des Gremiums an den Vorstand. „Ihr Vorhaben hat im Management, bei den Mitarbeitern, in den Gremien, bei den Kunden unserer Bank wie auch in der Gesellschaft keinen Rückhalt.“

„Wir sind der Auffassung, dass Sie sich ohne einen erkennbaren Plan, ohne Vision und ohne den Rückhalt in ein unbeherrschbares Abenteuer stürzen“, schreiben die Arbeitnehmervertreter und mahnen den Vorstand um Konzernchef Martin Zielke: „Treffen Sie verantwortungsvolle Entscheidungen für die Zukunft unserer Commerzbank und nehmen Sie Abstand von diesem Vorhaben.“ Kritiker befürchten beispielsweise, dass eine Fusion der beiden Geldhäuser mindestens 30 000 Jobs kosten würde.

Die beiden größten deutschen Privatbanken hatten am 17. März erklärt, dass sie über einen möglichen Zusammenschluss der beiden Kreditinstitute beraten. Diese Beratungen sind auch aufgrund des Drucks aus dem Bundesfinanzministerium aufgenommen worden. Nach Einschätzung des Betriebsrats zeitigen die Fusionserwägungen bereits jetzt negative Auswirkungen für die Commerzbank: „Schon jetzt ist festzustellen, dass bereits in dieser Phase der Gespräche Kunden besorgt und erbost der Bank den Rücken kehren wollen.“

Im jüngsten Geschäftsbericht, der am Mittwoch veröffentlicht wurde, blickt Commerzbank-Chef Zielke zuversichtlich nach vorne: „Für das laufende Geschäftsjahr erwarten wir unter dem Strich ein leicht höheres Konzernergebnis als im Vorjahr.“ 2018 hatte das seit Herbst im MDax notierte Institut 865 Millionen Euro Gewinn gemacht und damit fast sieben Mal so viel wie ein Jahr zuvor (128 Millionen Euro).

Größter Anteilseigner der Commerzbank ist mit gut 15 Prozent der Bund. Seit Sommer 2018 betonen Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und sein Staatssekretär, der ehemalige Goldman-Sachs-Deutschlandchef Jörg Kukies, Deutschland brauche starke Banken. Die Bundesregierung stehe „wirtschaftlich sinnvollen Optionen offen gegenüber“.

Im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ betonte Scholz, er sitze bei den Verhandlungen über eine mögliche Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank nicht auf dem „Fahrersitz“.

Auf die Frage, warum er die beiden Unternehmen zu einem Zusammengehen dränge, antwortete Scholz: „Die Vorstände der beiden Banken haben entschieden, dass sie die Möglichkeit einer Fusion ergebnisoffen untersuchen wollen.“ Er könne sich nicht vorstellen, „dass Vorstände großer Banken eine Fusion erwägen, die sie nicht wollen, nur weil sie dazu gedrängt worden sind“, sagte der SPD-Politiker.

Es sei gleichwohl richtig, „dass wir mit allen Banken sprechen“, sagte Scholz. „Das gehört zu den Aufgaben des Finanzministeriums.“ Das Ressort habe Interesse an einem starken Bankensektor. „Deswegen müssen wir auch Industriepolitik machen“, sagte der Finanzminister.

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