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Zukunft anpacken: Die Commerzbank schraubt an ihrer Strategie.

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Die Commerzbank baut um

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Stellen fallen weg, Filialen werden geschlossen, Technik erneuert – das Frankfurter Geldhaus ringt darum, profitabler zu werden.

Es soll „natürlich eine „Stand-alone-Strategie“ sein, das hat Martin Zielke extra noch einmal betont. Der Commerzbank-Chef, der am Freitag im 49. Stock des Frankfurter Hauptsitzes Journalisten die Strategie „Commerzbank 5.0“ erklärte, bemühte sich, Optimismus auszustrahlen. Klar sei, dass es in Deutschland und Europa weitere Marktbereinigungen im Bankensektor geben werde. Mit der neuen Strategie wolle man sich zwar nicht übernahmefein machen. „Aber wir können nicht in die Zukunft sehen“, sagte Zielke. „Alles, was wir tun können, ist in einem solchen Prozess ein aktiver Spieler zu sein. Und das können wir umso besser, je besser unsere Position ist.“

Dafür soll besagte Strategie sorgen, deren Kernpunkte seit vergangener Woche bekannt sind und die der Aufsichtsrat am Donnerstag abgenickt hat. Konkret sollen bis 2023 netto rund 2300 Vollzeitstellen wegfallen, 200 der aktuell rund 1000 Filialen schließen, die Tochter Comdirekt in die Commerzbank integriert, die Mehrheitsbeteiligung an der polnischen M-Bank versilbert und in Digitalisierung, IT-Infrastruktur und die Gewinnung neuer Kunden investiert werden. Der Umbau kostet das Institut insgesamt 1,6 Milliarden Euro. Die Gewerkschaft Verdi hat bereits Widerstand angekündigt.

Alles an diesem Paket zielt darauf ab, die laufenden Kosten der Bank weiter zu senken und die Digitalisierung des Geschäftsbetriebs voranzutreiben. Bis 2023 wolle man eine Kostenbasis von 5,5 Milliarden Euro jährlich erreichen, erklärte der scheidende Finanzchef Stephan Engels, der durch die bisherige Rechts- und Personalchefin Bettina Orlopp ersetzt wird. Das seien Einsparungen von netto 600 Millionen Euro.

Die Kosteneinsparungen bringen aber wenig, wenn sich auf der Einnahmenseite der Bank nicht etwas tut. „Es ist völlig klar: Unsere Profitabilität reicht nicht aus“, räumte Zielke ein – um sich dann von der bislang für 2019 angepeilten Steigerung der bereinigten Erträge zu verabschieden.

„Ertragsqualität ist eine Herausforderung. Wir werden die Ertragsqualität unserer Kundenbeziehungen daher noch stärker in den Blick nehmen“, sagte der Vorstandschef. Konkret heißt das, dass die Commerzbank-Kunden sich wohl auf höhere Gebühren einstellen müssen. Das Geldhaus werde „Preisänderungen vornehmen“. Aktuell würden Preise und Gebühren für großvolumige Einlagen geprüft. Dies sei im aktuellen Marktumfeld nötig, sagte Zielke mit Blick auf das andauernde Zinstief. Da die Europäische Zentralbank (EZB) Strafzinsen auf Geld erhebt, das die Banken bei ihr parken, entstehen für die Branche Milliarden-Kosten. Die Negativzinsen sollen in Zukunft noch stärker auf die eigenen Kunden umgelegt werden. Am kostenlosen Girokonto für Privatkunden halte der Konzern aber fest. „Das ist nicht der Einstieg in den Abschied vom kostenlosen Girokonto“, betonte Zielke. Zudem sollen weiterhin aggressiv neue Kunden geworben und alte Karteileichen, die noch aus den Zeiten der Dresdner Bank stammen und wegen regulatorischer Vorschriften teuer für die Commerzbank sind, konsequent aussortiert werden.

Trotz des teuren und für die Beschäftigten schmerzlichen Umbaus soll an deren Ende eine im internationalen Vergleich magere Rendite von nur vier Prozent im Jahr 2023 stehen. „Im günstigsten Fall wäre eine Rendite von über fünf Prozent möglich“, betonte Engels. Zum Vergleich: Große europäische Wettbewerber kommen bereits heute auf eine Rendite von mehr als acht Prozent. „Das ist nicht der große Wurf“, sagt Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies an der Goethe-Universität Frankfurt, zur Strategie 5.0. „Das reicht nicht, um die Bank nachhaltig profitabel zu machen.“

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