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1996 waren die zukünftigen Aktionäre noch voller Erwartungen.

Telekom

Das Comeback der T-Aktie

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Mit der Telekom-Aktie verloren tausende Anleger um die Jahrtausendwende ihr Erspartes. Nach 20 Jahren notiert die T-Aktie auf dem Niveau des Ausgabepreises - und wird wieder interessant.

Von Aktien lassen die meisten Bundesbürger traditionell ja lieber die Finger. Viel zu riskant, lautet das pauschale Urteil. Doch im November 1996, also vor nun exakt 20 Jahren, haben viele Menschen in Deutschland ihren Grundsatz kurzzeitig über Bord geworfen: Dem kürzlich verstorbenen Schauspieler Manfred Krug ist es damals dank einer geschickten und aufwendigen Werbekampagne gelungen, vielen Menschen einen regelrechten Heißhunger auf Aktien zu machen – genauer gesagt, auf eine ganz bestimmte Aktie: die Telekom-Aktie – im Volksmund einfach nur T-Aktie genannt.

„Die Telekom geht an die Börse, und ich gehe mit“, sagte der beliebte Schauspieler in Fernsehspots zur besten Sendezeit. Millionen Kleinanleger taten es ihm nach. Für 28,50 D-Mark (14,57 Euro) zeichneten sie T-Aktien. Wer besonders früh orderte, erhielt noch einen Rabatt von 50 Pfennigen pro Aktie. Für diese Frühzeichner betrug der Ausgabepreis somit 28 D-Mark oder 14,32 Euro. Alle 712 Millionen angebotenen Aktien waren im Nu im Anlegervolk verteilt. Satte zehn Milliarden Euro brachte das dem Unternehmen – genauer gesagt seinem damaligen Eigentümer, dem Bund, ein.

Und tatsächlich erwiesen sich die Privatisierung der Telekom und die T-Aktie in den ersten Jahren als ein Riesenerfolg für Anleger. In der allgemeinen Börseneuphorie der Zeit um die Jahrtausendwende kletterte ihr Kurs im März 2000 bis auf 103 Euro. Damit hatten die Anleger der ersten Stunde ihren Einsatz versiebenfacht. „T-Aktie im Rausch“, lautete eine Schlagzeile damals. Der Bund wiederum nutzte die Gunst der Stunde und brachte 1999 eine weitere Tranche Telekom-Aktien an die Börse – etwa zum dreifachen des ursprünglichen Ausgabepreises. Das spülte ihm erneut rund zehn Milliarden Euro in die Kassen. Trotz des deutlich höheren Preises als noch 1996 war der Andrang der Anleger wieder gewaltig.

Doch dann platzte im März 2000 die Internet-Blase und riss auch die T-Aktie mit in den Abgrund. Der Wert der Anteilsscheine hatte bereits deutlich nachgegeben, als der Bund ein weiteres Aktienpaket auf den Markt brachte. Noch einmal flossen rund 13 Milliarden Euro in die Staatskasse. Noch heute streiten Anleger mit der Telekom vor Gericht wegen möglicher falscher Angaben im damaligen Verkaufsprospekt um eine Entschädigung. Die T-Aktie verlor geradezu dramatisch an Wert. Im September 2002, also gerade einmal zweieinhalb Jahre nach ihrem Rekordhoch von mehr als 100 Euro kostete sie nur noch acht Euro an der Börse.

Für das Debakel der T-Aktie wurden viele verantwortlich gemacht. Der Bund, der Aufsichtsrat, das allgemeine Börsenklima – vor allem aber der Mann, der wie kein anderer für den Börsengang getrommelt und Anlegern das Blaue vom Himmel versprochen hatte: der damalige Telekom-Chef Ron Sommer.

Die T-Aktie koste so viel wie ein Kinobesuch mit der Familie, betonte Sommer und entfachte damit das Börsenfieber. Doch am Ende wurde der Manager als „Buhmann der Nation“ und „Totengräber der Aktienkultur“ bezeichnet.

Dabei hatte Sommer wesentlich dazu beigetragen, den einst behäbigen Staatsbetrieb aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. Um ihn fit zu machen für den Wettbewerb, verordnete er dem Konzern eine Rosskur nach innen und nach außen: Internationalisierung, Neuausrichtung der Geschäfte und Stellenabbau wurden vorangetrieben. Das kostete viel Geld, die Verschuldung stieg. Anderen ehemaligen staatseigenen Unternehmen in der Telekom-Branche erging es nicht anders.

Nachdem die Blase an den Aktienmärkten im März 2000 geplatzt war, verloren die meisten deutschen Anleger schnell wieder ihr Interesse an der Börse. Jetzt galten Aktien wieder als Teufelszeug – und ganz besonders die Aktien der Deutschen Telekom. Auch Manfred Krug zeigte Reue. Er bedaure die Werbespots, die er für die T-Aktie gemacht habe, sagte er vor einigen Jahren.

Keine Einnahmen in 20 Jahren

Heute notiert die T-Aktie wieder ziemlich genau auf dem Niveau des damaligen Ausgabepreises, also bei rund 14,50. Es sieht also so aus, als hätten die Anleger der ersten Stunde in 20 Jahren keinen Cent mit der Aktie verdient. Doch das stimmt so nicht ganz. Denn die Telekom zahlt traditionell eine hohe Dividende. Zuletzt schüttete das Unternehmen im vergangenen Mai eine Dividende von 0,55 Euro pro Aktie an ihre Anteilseigner aus. Das entspricht immerhin einer jährlichen Dividendenrendite von rund 3,3 Prozent. Die Dividendenrendite ist das Verhältnis der Dividende zum Aktienkurs. Zum Vergleich: Tages- oder Festgeld bringt Anlegern derzeit allenfalls ein Prozent pro Jahr ein – wenn überhaupt.

Wenn die Telekom-Frühzeichner von 1996 nicht nur Kurse, sondern auch den reduzierten Ausgabepreis (14,32 Euro), gezahlte Dividenden und Treueaktien mit einbezögen, stehe über 20 Jahre unter dem Strich immerhin eine Gesamtrendite von 155 Prozent, rechnet der aktuelle Telekom-Chef Tim Höttges vor. Das ist zweifellos richtig. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Anteilseigner, die beim zweiten und vor allem erst beim dritten Börsengang zugeschlagen haben, bis heute noch dick im Minus sind.

Mittlerweile ist die Telekom, an der der Bund über die KfW Bankengruppe immer noch mit 32 Prozent beteiligt ist, ein anderes Unternehmen geworden. Die Schulden wurden reduziert und der Konzern umgebaut. „Die Telekom ist auf einem sehr guten Weg“, sagt Höttges.

Analysten sehen das im Prinzip genauso. Die meisten empfehlen die Aktie derzeit zum Kauf. So hat etwa die Deutsche Bank ein Kursziel von 19 Euro für die T-Aktie ausgerufen. Das Mobilfunkgeschäft in Deutschland laufe sehr gut, so die Begründung. Ähnlich lautet das Urteil von Goldman Sachs, die ein Kursziel von 18,30 Euro für die T-Aktie nennt. Mit der US-Mobilfunktochter T-Mobile US habe der Konzern einen wertvollen Vermögenswert. (mit dpa)

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