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Comeback der Kohle

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Von: Joachim Wille

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Bis 2030 will die Ampel-Koalition „idealerweise“ aus der Kohleverstromung aussteigen.
Bis 2030 will die Ampel-Koalition „idealerweise“ aus der Kohleverstromung aussteigen. © AFP

Die Gaskrise bringt Europas Kohleausstieg zum Stillstand. Ein Thinktank sieht deswegen die Klimaziele gefährdet und fordert die Politik zum Handeln auf.

Deutschland und die Europäische Union müssen aus der Kohleverstromung aussteigen, um ihre Klimaziele zu erreichen. Die Bundesrepublik will den Ausstieg laut Ampel-Koalitionsvertrag „idealerweise“ bereits bis 2030 geschafft haben. Der rasante Anstieg der Erdgas-Preise seit Mitte 2021 erschwert dies allerdings, wie eine Analyse der Strommarktdaten zeigt, die die britische Denkfabrik Ember vorlegt hat.

In den letzten Jahren ist die Kohlenutzung EU-weit deutlich gesunken. In der Stromproduktion wurde der CO2-intensive Energierohstoff vor allem durch erneuerbare Energien und Erdgas ersetzt. Wegen der steigenden Gaspreise hätten die neu installierten Ökostrom-Anlagen jedoch zuletzt vor allem das fossile Gas verdrängt, so Ember. Die Kohleverstromung sei infolgedessen in der EU 2020 und 2021 nur um drei Prozent zurückgegangen, verglichen mit 29 Prozent in den beiden Jahren zuvor. 2020 und 2021 sank die Kohlenutzung in einigen Ländern danach zwar stark, etwa in Spanien um 42 Prozent und in Griechenland um 43 Prozent. Das wurde durch Steigerungen in anderen Ländern wie Irland und Polen aber ausgeglichen.

Der Thinktank schrieb: „Die Gaspreise stiegen 2021 um 585 Prozent, was zu einem der größten Energiepreisschocks seit dem OPEC-Öl-Embargo von 1973 führte.“ Die Preise für die Stromerzeugung aus Gaskraftwerken hat sich laut Ember daher versiebenfacht, und dadurch zogen die Strompreise für die Verbraucher:innen insgesamt an.

Die Gaskrise sei „ein Paradigmenwechsel für die Energiewende in der EU“, kommentierte Ember-Experte Charles Moore. Er forderte von den Regierungen Instrumente, die sicherstellten, dass der Kohleausstieg weitergehe. „Gesetzgebung ist der einzige Weg, um zu gewährleisten, dass Kohlekraftwerke bis 2030 stillgelegt werden.“ Die gestiegenen Gaspreise hätten deutlich gemacht, dass man sich nicht allein auf die Marktkräfte verlassen könne.

Laut dem Report lag der Anteil der fossilen Brennstoffe bei der EU-Stromerzeugung im Jahr 2021 bei 37 Prozent und damit fast auf derselben Höhe wie 2019 (39 Prozent). Die erneuerbaren Energien lieferten ebenfalls 37 Prozent, die Atomkraft 26 Prozent. Der Ausbau der Ökoenergien ging derweil voran. So erreichten Wind- und Solarenergie 2021 nach der Analyse mit 547 Terawattstunden (TWh) einen neuen Rekord und erzeugten zum ersten Mal mehr Strom als Gas (524 TWh), obwohl die Windkraft wegen schlechter Windverhältnisse nur wenig zulegte. Einen Boom habe es bei Solarenergie sowohl im Norden wie im Süden Europas gegeben, sie habe 2021 insgesamt 27 Prozent mehr Strom als 2019 produziert.

In Deutschland wurde im letzten Jahr vor allem wegen des Windmangels im Frühjahr weniger Ökostrom als 2020 produziert. Gleichzeitig erlebte die Kohle einen Aufschwung, weil Kohlekraftwerke in diesem Zeitraum hochgefahren werden mussten. Ein erneuter Boom kam dann ab Mitte des Jahres wegen der steigenden Gaspreise. Kohlemeiler wurden dadurch trotz hoher Preise für CO2-Zertifikate im EU-Emissionshandel wieder rentabler.

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