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Amazon möchte seine Lieferwagen auf E-Modelle umstellen - aber erst bis 2040. 

Ferne CO2-Ziele

Amazon will 2040 CO2-neutral sein

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Der Onlineversandhändler Amazon schafft 100.000 E-Lieferwagen an und verpflichtet sich, bis zum Jahr 2040 CO2-neutral zu sein. 

Ohne Superlative kommt Jeff Bezos auch in diesem Fall nicht aus. Der Amazon-Chef hat den „bisher größten Auftrag überhaupt für Elektrolieferfahrzeuge“ auf den Weg gebracht. Die US-Start-up-Firma Rivian soll in den nächsten Jahren 100 000 Vans bauen, die Pakete des Onlinehändlers zu den Kunden bringen. Die Bestellung ist Teil einer Initiative, mit der der Konzern sich als Klimaschützer profilieren will. Ziel ist, dass das Unternehmen 2040 komplett CO2-neutral arbeitet. Das wäre zehn Jahre früher als der Zeitpunkt, den das Pariser Klimaschutzabkommen für eine weitgehend dekarbonisierte Wirtschaft vorgibt.

Bezos betont, Amazon wolle nicht mehr nur Mitläufer sein, sondern die Größe des Unternehmens einsetzen, „um einen wirklichen Unterschied zu machen“. Wenn der Onlinehändler mit seiner gigantischen Infrastruktur es schaffe, die selbst gesteckten Vorgaben zu erfüllen, dann könne es jedes Unternehmen. Amazon wolle mit dem Schritt auch anderen Firmen helfen, ihre eigene CO2-Reduzierung zu beschleunigen, erläuterte Christiana Figueres. Sie war früher bei den Vereinten Nationen für den Klimaschutz verantwortlich und ist Mitgründerin der Organisation Global Optimism. Diese und Amazon haben nun die Kampagne „Climate Pledge“ gestartet, eine Selbstverpflichtung zum Klimaschutz, die durch regelmäßige Nachhaltigkeitsberichte glaubhaft gemacht werden soll.

Dass gerade Amazon die Initiative ergreift und das Timing für den Kampagnenstart sind alles andere als ein Zufall. Am Freitag demonstrierten weltweit vor allem junge Leute für mehr Anstrengungen zur Begrenzung der Erderwärmung. Die Bundesregierung rang mit ihrem Klimaschutzkonzept. Und Anfang nächster Woche startet in New York eine UN-Konferenz zum Thema.

Amazon wurde in der Vergangenheit immer wieder von Umweltschützern angegriffen – wegen eines nicht gerade umweltfreundlichen Geschäftsmodells. Da sind die riesigen Mengen an Verpackungsmaterial, die das Unternehmen für seine Pakete benötigt. Hinzu kommt die gesamte Logistikkette. Bestellte Waren werden mit Schiffen und Flugzeugen nicht selten um die halbe Welt transportiert und dann auf der letzten Meile auch noch von Lieferwagen mit Dieselmotoren den Kunden bis vor die Haustür gebracht. Vor einigen Monaten haben mehrere Tausend Beschäftigte das Management aufgefordert, Konzepte für ein nachhaltigeres Wirtschaften anzugehen.

Indes verstärkt der Konzern seine Anstrengungen für eine immer schnellere Auslieferung. Für Bezos kann Letzteres allerdings aus Öko-Perspektive ein Vorteil sein. Es bedeute nämlich, dass Warenlager näher am Kunden sein müssten. Der Transport per Flugzeug werde so per se verringert. Ein anderer Faktor sind die Rechenzentren, die die Amazon-Tochter AWS weltweit betreibt, um Cloud-Dienste anzubieten – Amazon ist hier Weltmarktführer. Die Rechenzentren verschlingen riesige Mengen elektrischer Energie. Experten gehen davon aus, dass sich deren Hunger nach Strom hierzulande bis zum Jahr 2030 insgesamt mehr als verdoppeln wird.

Immerhin, die mit „Climate Pledge“ formulierten Vorhaben sind in einigen Punkten konkreter als die Konzepte mancher Staatsregierungen. Die ersten Rivian-Vans sollen 2020 durch die Straßen rollen. 2022 sollen 10 000 E-Lieferwagen und 2030 alle 100 000 unterwegs sein. Eine andere Säule des Projekts ist die Förderung erneuerbarer Energien: Diese sollen 2024 rund 80 Prozent des Energiebedarfs der globalen Amazon-Infrastruktur abdecken – AWS gehört dazu. Sechs Jahre später sollen es 100 Prozent sein. Und 2040 will Amazon den CO2-Nettoausstoß auf null senken. Wenn dabei die gesamten Wertschöpfungsketten gemeint sind, ist das nur möglich, wenn bis dahin auch Zulieferer und Partner klimaneutral arbeiten. Bislang hat Amazon nach eigenen Angaben 15 Projekte zur Erzeugung von Wind- und Solarenergie umgesetzt – mit einer Gesamtleistung von 1300 Megawatt, das entspricht in etwa einem Atomkraftwerk. Der Konzern will nun auch 100 Millionen Dollar lockermachen für die Renaturierung von Wäldern, Feuchtgebieten und Mooren. Diese sind CO2-Speicher. Deshalb könnten damit auch Kohlendioxidemissionen des Konzerns rechnerisch „ausgeglichen“ werden.

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