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Traumhaus in Kanada: Wenn alles passt, merken die Miteigentümer:innen nichts voneinander.
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Traumhaus in Kanada: Wenn alles passt, merken die Miteigentümer:innen nichts voneinander.

Ferienimmobilien

Ein kleines Stück vom Ferienhaus-Glück

  • Antje Mathez
    VonAntje Mathez
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Das Berliner Start-up „Myne-Homes“ will ausgesuchte Urlaubsdomizile erschwinglicher machen. Es bringt dafür Menschen zusammen, die sich den Besitz teilen.

Stellen Sie sich das mal vor: Ein Ferienhaus vom Allerfeinsten. Vielleicht an der deutschen Ostsee-Küste? Ein uriges Haus mit Reet gedeckt, innen voll modernisiert und hochwertig ausgestattet, alles geschmackvoll, alles picobello. Natürlich direkt am Strand! Oder vielleicht lieber ein schickes Appartement mit Südterrasse sowie Blick und Zugang zum Strand im Norden Mallorcas?

Und jetzt stellen Sie sich vor: Es könnte Ihres sein. Nicht gemietet zu völlig horrenden Preisen, die in der Ferienzeit noch mal deutlich in die Höhe schießen, sondern gekauft – zumindest einen Teil davon. Und das Ganze einfach und unkompliziert, wie man es gern hat.

So die Idee von Fabian Löhmer und Nikolaus Thomale, zwei Wahlberlinern, die in diesem Frühjahr das Start-up „Myne-Homes“ gegründet haben. „Viele Menschen wünschen sich mit Mitte Dreißig eine eigene Ferienimmobilie, können es sich aber – wenn überhaupt – erst zwanzig Jahre später leisten. Das wollen wir ändern!“, sagt Löhmer. „Myne-Homes will mehr Menschen die Möglichkeit geben, sich ihren Traum vom eigenen Ferienhaus zu erfüllen – und zwar ein Ferienhaus, das sonst nur die oberen Zehntausend bezahlen können.“

Aber weil man dafür eine Menge Geld braucht, das ja bekanntlich nicht auf Bäumen wächst, verkauft das Start-up keine ganzen Häuser, sondern achtel, viertel, halbe – ganz wie es die Kundschaft wünscht. Erworben wird ein echter Miteigentums-Anteil an einer Immobilie. Und zwar mittels eines sogenannten Share-Deals. Pro Objekt wird eine Objektgesellschaft gegründet, an der sich die Miteigentümer beteiligen. Am Ende ist man ein im Handelsregister eingetragener Gesellschafter einer Gesellschaft, der diese Immobilie gehört. Mit mindestens 100 000 Euro – die Hälfte davon muss Eigenkapital sein – ist man dabei.

Persönlich oder online kaufen

Interessierte können sich seit Anfang Juni auf der Homepage von Myne-Homes anmelden und Exposés schicken lassen. „Wir geben uns größte Mühe, die Objekte digital so vorzustellen, dass man sie theoretisch komplett online kaufen kann“, erklärt Thomale. Persönliche Besichtigungen vor Ort seien aber auch möglich und gerne gesehen.

Zum anteiligen Erwerb stünden aktuell erst einmal rund 20 „hochwertige“ Ferienimmobilien an Urlaubszielen im In- und Ausland: von Rügen und Sylt über die Alpen, Mallorca und Portugal, bis nach Kapstadt oder Tulum. Darüber hinaus können Kaufinteressent:innen auch eigene Ferienimmobilien vorschlagen. „Wer also bereits seine Traum-Ferienimmobilie gefunden hat, der findet bei uns Miteigentümer:innen für den Erwerb“, so Thomale.

Löhmer und Thomale, die den Immobilienexperten Nikolai Jäger an Bord geholt haben, kaufen geeignete Häuser an und stellen den von Myne-Homes gewünschten Qualitätsstandard her. „Das sind Immobilien an absoluten Prime-Locations“, so Jäger. Entsprechend müsse auch deren Ausstattung sein. „Das sind ja Immobilien, die primär auf Eigennutzung und nicht auf Vermietung ausgerichtet sind. Da will man keine Einrichtung von Ikea“, ergänzt Thomale. Wenn Bausachverständige, das Handwerk und die Innenausstatter:innen abgezogen sind und die Häuser „schlüsselfertig bis zum letzten Teelöffel“ sind, bietet Myne-Homes das „aufgewertete“ Urlaubsdomizil dann zum Scheibchenverkauf an. Pro achtel Anteil erwerben die Interessent:innen das Recht, 44 Tage in ihrem Ferienhaus zu verbringen.

Myne-Homes kümmert sich um alle bürokratische Hürden

Dabei gestalten es die findigen Gründer potenziellen Käuferinnen und Käufern so leicht wie möglich, sich für ihre Traumimmobilie zu entscheiden. Das Start-up räumt, so versichern der 34-jährige Thomale und sein 38-jähriger Kompagnon, praktisch alle Steine aus dem Weg, die Erwerb, Pflege, Unterhalt und Finanzierung eines Ferienhauses oder -appartements mit sich bringen können. Das Unternehmen kümmere sich um alle sprachlichen, steuerlichen und rechtlichen Hürden beim Ankauf, übernehme die Immobilienverwaltung sowie -instandhaltung und biete Hilfe bei der Finanzierung wie auch bei einer möglichen Vermietung an. Gegen Gebühr natürlich.

Die Idee zu all dem kam den beiden – wie kann es anders sein – im Urlaub. „Wir haben ein kleines Ferienhaus in Schweden“, erzählt Thomale, der Jura in Hamburg studiert hat und mit Löhmer zum Gründen nach Berlin gekommen ist. „Wenn wir dort Urlaub machen wollen, sind wir bei der Ankunft immer erstmal mit Reparaturen beschäftigt. Bis die Sauna wieder geht, ist der Urlaub halb vorbei.“ Dies und die Tatsache, dass viele private Ferienimmobilien nur acht bis zehn Wochen pro Jahr genutzt werden, versprach ein gewisses Geschäftspotenzial. Zumal die Idee so ganz neu nicht ist: Das sogenannte Managed Co-Ownership wird in den USA seit mehr als 30 Jahren praktiziert und ist weit verbreitet – und das nicht nur beim Kauf von Ferienimmobilien. Auch Yachten und Jets werden dort in Miteigentums-Anteilen erworben.

Die Gründer: Fabian Löhmer (links) und Nikolaus Thomale.

Dagegen wird hierzulande bislang vor allem auf die Vermietung von Ferienhäusern und -wohnungen gesetzt. Laut Statistischem Bundesamt gibt es aktuell mehr als 43 200 klassifizierte private Mietobjekte auf dem Ferienhaus- und Wohnungsmarkt allein in Deutschland. In den vergangenen Jahren konnte sowohl bei den Übernachtungen als auch bei den Ankünften in Ferienhäusern und -wohnungen ein stetiges Wachstum verzeichnet werden. Insbesondere im Jahr 2020 gewann der Markt für Ferienimmobilien nochmals an Bedeutung, denn Ferienhäuser und -wohnungen galten und gelten während der Corona-Pandemie als eine der sichersten Urlaubsarten. „Keiner hat mehr Lust, sich am Hotelbuffet ins Müsli niesen zu lassen“, sagt Immobilienexperte Jäger. „Bei vielen Menschen gab es schon vor der Pandemie den Wunsch nach einem eigenen Ferienhaus, aber Corona wirkt noch mal als Beschleuniger. Wir bieten die Lösung für diesen Wunsch.“ Dabei denken die Myne-Homes-Gründer in großen Kategorien. „Unser Ziel ist es, den Markt für Ferienimmobilien im gemeinsamen Besitz zu entwickeln und zum führenden Anbieter in Europa zu werden“, erläutert Löhmer die unternehmerische Ambition des insgesamt fünfköpfigen Teams.

Doch wie kann so ein Geschäftsmodell funktionieren? Mehrere Parteien, die ein Ferienhaus gleichberechtigt nutzen wollen? Abgesehen von der Frage, wer wann dort Urlaub machen darf, scheiden sich die Geister üblicherweise doch schon bei banaleren Dingen, wie etwa der Wandfarbe oder der Art der Inneneinrichtung. „Natürlich will niemand Abstriche machen. Aber wenn wir einen guten Job machen, dann merken unsere Miteigentümer nichts davon, dass es noch andere Miteigentümer gibt“, sagt Thomale.

Kein Stress wegen der Wandfarbe

Sicherstellen soll das ein sogenanntes „Matching-System“, das – ganz wie bei der digitalen Partnersuche – feststellen soll, wer zusammenpasst. Allerdings wird hier nicht nach Gemeinsamkeiten gesucht, sondern nach Nutzungspräferenzen, die sich ergänzen. „Wir kombinieren also etwa Familien mit schulpflichtigen Kindern mit Familien ohne oder mit nicht schulpflichtigen Kindern, Rentnern, Alleinstehenden. Das sind Gruppen, die nie zur gleichen Zeit in den Urlaub fahren“, erklärt der Gründer. „Wenn alles passt, hat man am Ende 90 Prozent der Nutzungswünsche für 25 Prozent der Kosten oder weniger realisiert.“

Und die Wandfarbe? Kein Problem, versichert Thomale. Die Häuser würden von Myne-Homes so hochwertig ausgestattet, dass es bislang keine Diskussionen um solche Dinge gegeben hätte. „Wir dachten auch, dass unsere Kunden viel mehr mitentscheiden möchten, haben aber festgestellt, dass der Großteil sehr froh darüber ist, sich um nichts kümmern zu müssen.“

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