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Club of Rome: Überlebenshilfe für den Planeten

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Von: Joachim Wille

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Blick auf Kohlekraftwerk. Versicherer tragen selbst zum Klimawandel bei -  unter anderem durch die in fossilen Energien angelegten Prämien.
Blick auf ein Kohlekraftwerk: Noch kann die Weltgemeinschaft die Klimaerwärmung auf unter zwei Grad begrenzen. © Patrick Pleul/dpa

Ein neuer Report des Club of Rome zeigt: Ohne Umverteilung des Reichtums ist die Klimakrise nicht lösbar.

Es ist noch nicht zu spät – behauptet der Thinktank „Club of Rome“, der vor 50 Jahren mit der Studie „Die Grenzen des Wachstums“ die moderne Umweltdebatte anstieß. In seinem neuen Buch heißt es: Die Weltgemeinschaft kann die globale Erwärmung noch unterhalb der Zwei-Grad-Marke stabilisieren und sich bis 2050 einem Ende der Armut annähern. Allerdings müssen dafür fünf „außergewöhnliche Kehrtwenden“ vollzogen werden, die die derzeitigen Trends unter anderem im Energie- und Finanzsektor umkehren. Vor allem müsse es auch zur einer „Umverteilung des Reichtums“ kommen.

Der neue Report heißt „Earth for All: Ein Survivalguide für unseren Planeten“. Darin werden zwei Szenarien untersucht, die beide 1980 beginnen und 2100 enden. Sie tragen die Titel „Too Little Too Late“ (Zu wenig, zu spät) sowie „Giant Leap“ (Riesensprung) und untersuchen, wie sich die Bevölkerung, Wirtschaft, Ressourcennutzung, Umweltverschmutzung und sozialen Spannungen im 21. Jahrhundert aufgrund der im aktuellen Jahrzehnt getroffenen Entscheidungen verändern könnten.

Club of Rome: Fünf Kehrtwenden

Im ersten Szenario werden die Entwicklungen der letzten 40 Jahre fortgeschrieben. Ergebnis: Das BIP wächst vorerst weiter, die Reichen werden reicher, die Armen ärmer – mit extremer Ungleichheit und zunehmenden sozialen Spannungen als Folge. Aufgrund politischer Spaltung gelingt es nicht, Klima- und Umweltrisiken zu minimieren. Das Zwei-Grad-Limit aus dem Paris-Klimavertrag wird gerissen, 2100 sind rund 2,5 Grad erreicht. Rund zwei Milliarden Menschen leben dann in Gebieten, die kaum bewohnbar sind. Alle Gesellschaften werden unter den Auswirkungen von extremer Hitze, Dürre, Ernteausfällen und Überschwemmungen zu leiden haben. Der Wohlstand wird abnehmen, bis 2060 um durchschnittlich 40 Prozent gegenüber den 2020er-Jahren, auch in den reichen Ländern.

Das zweite Szenario „Giant Leap“ ist das Gegenmodell. Merkmale: Das Zwei-Grad-Ziel wird erreicht, die Weltbevölkerung deutlich unter neun Milliarden Menschen stabilisiert, der Materialverbrauch reduziert. Größere Einkommensgleichheit stärkt das Soziale, das Ende extremer Armut ist bis 2050 nahezu erreicht. Das Club-of-Rome-Buch beschreibt dann die fünf Kehrtwenden, die dazu notwendig sind, und verbindet sie mit 15 politische Empfehlungen mit dem größten Potenzial, um sie zu beschleunigen.

Club of Rome: Es geht nur mit Umverteilung

Die fünf Kehrtwenden sind: Erstens die Überwindung der Armut durch eine Reform des internationalen Finanzsystems, um so drei bis vier Milliarden Menschen aus der Armut zu holen. Zweitens die Verringerung der Ungleichheit, indem sichergestellt wird, dass die reichsten zehn Prozent maximal nicht mehr als 40 Prozent des Nationaleinkommens erhalten. Drittens die Umstellung von fossiler auf saubere Energie, um bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Viertens die Stärkung der Stellung der Frauen, um bis 2050 volle Gleichstellung der Geschlechter zu erreichen. Und fünftens die Umgestaltung der Nahrungsmittelproduktion für einen nachhaltigen Anbau und eine gesunde Ernährung.

Co-Autor Jørgen Randers, der auch schon an der „Grenzen“-Studie mitgearbeitet hat, kommentierte: „Wir stehen am Scheideweg.“ Das derzeitige Wirtschaftssystem werde binnen der nächsten 50 Jahre soziale Spannungen verstärken und Wohlstand verringern. „Es zeigt sich bereits heute, wie Ungleichheit nicht nur die Existenz der Menschheit, sondern auch die unseres Planeten aufs Spiel setzt.“ Sandrine Dixson-Declève, Co-Präsidentin des Club of Rome, ergänzte: „Unsere Wirtschafts- und Finanzsysteme sind kaputt und wir erreichen ein gefährliches Maß an Ungleichheit. Wollen wir den ersten Billionär erschaffen oder funktionierende, faire demokratische Gesellschaften?“ Letztlich gehe es bei Earth for All-Projekt darum, gerechtere Gesellschaften hervorzubringen. Dies komme „allen zugute, auch den Superreichen“.

Die Ideen des neuen Reports sollen dieses und nächstes Jahr in einer öffentliche Kampagne popularisiert werden. Die Gruppe „Earth4All“, in der sich unter anderem Club of Rome- Mitglieder zusammengeschlossen haben, will dazu in Veranstaltungen und Bürgerversammlungen „Menschen aller Couleur zusammenbringen, damit sie den Regierungen Empfehlungen geben können, wie der Weg zu mehr Gleichheit und weniger Polarisierung in der Gesellschaft aussehen könnte“. Eine Earth4All-Umfrage habe ergeben, dass in den G20-Ländern 74 Prozent der Menschen einen Wandel der Wirtschaftssysteme befürworten würden, wenn dieser anstatt des alleinigen Fokus auf Profit und Wachstum auch die Belange der Gesundheit und Umwelt mit einbeziehen würde.

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