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Wenn das Walter Chrysler gewusst hätte.

Galgenfrist läuft ab

Chrysler schlägt die Stunde

Für den angeschlagenen US-Autobauer Chrysler endet die Galgenfrist des Staates. Entweder, der Hersteller schafft es, US-Präsident Obama mit einem finalen Sanierungsplan zu überzeugen - oder es droht die Insolvenz.

Fast 85 Jahre nach der Gründung durch den deutschstämmigen Walter Chrysler geht es für den US-Autobauer um die Existenz. Schafft es der Hersteller noch diese Woche, US-Präsident Barack Obama mit einem finalen Sanierungsplan zu überzeugen? Oder rast Chrysler in die Insolvenz? Ende März hatte Obama Chrysler und die ebenfalls ums Überleben kämpfende Opel-Mutter General Motors (GM) zum Nachsitzen geschickt.

Fast rund um die Uhr brüten sie seither über ihren schier unlösbaren Hausaufgaben. GM bekam bis Ende Mai Zeit. Chrysler errang vor seinem schon in der Nacht zum Freitag ablaufenden Ultimatum zuletzt Milliarden-Kompromisse mit den Gläubigern und der Autogewerkschaft UAW. Der erhoffte Einstieg des Fiat-Konzerns stand weiter auf der Kippe.

Was passiert bei einem Insolvenzverfahren? Für Chrysler könnte es als Weg zur Sanierung sogar eine Rettungschance sein, aber genauso auch die letzte Ausfahrt hin zur endgültigen Abwicklung. Die US-Regierung spielte mehrfach mit der Idee einer rettenden Blitz-Insolvenz im Schnelldurchgang. Auch die Fiat-Ehe ließe sich dabei noch in den Details zu Ende verhandeln, wird spekuliert. Unterdessen hieß es in New York, Fiat werde heute Dokumente unterschreiben, um eine Partnerschaft mit Chrysler zu bilden.

Aber Experten warnen: Im Insolvenzverfahren sei nichts sicher - außer dass es länger dauert als gedacht. So steckt die frühere GM- Zuliefersparte Delphi seit bald vier Jahren darin fest.

Was würde ein endgültiges Aus von Chrysler bedeuten? Ein brutaler Dominoeffekt würde die Branche laut Experten erschüttern - und selbst deutsche Hersteller in den USA wie BMW und Daimler treffen. Tausende Händler, Zulieferer und andere abhängige Firmen stünden vor dem Ende und mit ihnen womöglich Millionen von Jobs. Eine Horrorvorstellung für Obama. Er steckt in einer Zwickmühle: Denn andererseits könnte GM davon profitieren, einen Rivalen weniger zu haben.

Ist Fiat Retter oder Profiteur? Beides. Aber nur, wenn die Allianz den Alltagsfahrtest besteht. Am Straßenrand stehen zwei Warnschilder: Daimlers Ehe mit dem einstigen "Traumpartner" Chrysler scheiterte. General Motors und Fiat versuchten es auch schon gemeinsam und gaben entnervt auf.

Zudem haben die Italiener in den USA nicht den besten Ruf. Bei Amerikanern stand der Name Fiat früher für "Fix It Again Tony" (Reparier’s noch einmal, Toni). Doch ohne globalen Partner hat Chrysler auch nach Obamas Ansicht keine Chance. Für Fiat-Chef Sergio Marchionne geht es bei seinen Expansionsgelüsten ebenfalls ums Überleben. Das Unternehmen hat hohe Schulden und fährt derzeit Kurzarbeit. (dpa)

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