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USA

Chrysler geht in die Insolvenz

Der US-Autobauer Chrysler geht in die Insolvenz. Das gab das Weiße Haus am Donnerstag. Das Unternehmen sucht Gläubigerschutz, um Zeit für eine Sanierung zu gewinnen. Von Christine Skowronowski

Von CHRISTINE SKOWRONOWSKI

Der Gang vor Gericht steht für den angeschlagenen US-Autobauer Chrysler fest. Das Unternehmen sucht Gläubigerschutz unter Chapter Eleven, um auf diese Weise Zeit für eine Sanierung zu gewinnen.

Dieses Verfahren ist äußerst flexibel und erlaubt es dem Unternehmen, seine Schulden zu verringern und das operative Geschäft zu stärken. Chapter Eleven ist sehr umfassend: Es enthält 2075 Paragraphen und 1103 Regeln. Aber auch, was darin nicht steht, kann erlaubt sein, wenn ein Unternehmen sich darüber mit dem Richter einigt, der den gesamten Restrukturierungsprozess überwacht.

Mit europäischen Sanierungsverfahren ist Chapter Eleven nicht vergleichbar. Es bedeutet auch nicht, dass das betroffene Unternehmen pleite ist und der Betrieb eingestellt wird. Und, was für Opel von großer Bedeutung sein wird, falls die Muttergesellschaft General Motors ebenfalls Gläubigerschutz beantragen sollte: Chapter Eleven hat keine direkten Auswirkungen auf ausländische Tochterunternehmen.

Das Verfahren bringt mehrere Vorteile: Das Unternehmen erhält eine Atempause. Die Gläubiger können in dieser Zeit ihre Forderungen nicht eintreiben, da das Gericht eine Vollstreckungsperre verhängt. Die Gläubiger können vom Gericht sogar zum Verzicht auf ihre Forderungen gezwungen werden.

Transparenz heißt das oberste Gebot

Das Unternehmen hat nach Paragraph 363 die Möglichkeit, Teile des Unternehmens abzutrennen und zu verkaufen. Damit kann die Gesellschaft in einen guten und einen schlechten Teil aufgespalten werden. Diese Variante war auch bei General Motors schon im Gespräch.

Transparenz heißt das oberste Gebot bei einem Chapter-Eleven-Verfahren. Vom Zeitpunkt der Antragstellung an muss das Unternehmen alles offenlegen: Übersicht über die Vermögensgegenstände, besicherte und sonstige Forderungen, unerfüllte Verträge, Leasingkontrakte und ähnliches. Umfangreiche Informationen sind über die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung zu erstellen - einschließlich der in den 90 Tagen vor dem Antrag geleisteten Zahlungen. Sollten in dieser Zeit Unternehmensteile verkauft worden sein, kann der Richter dies rückgängig machen, falls es unter Wert geschah.

Chapter Eleven entlastet die Unternehmen, allerdings dürften sie kaum Interesse haben, ewig in diesem Zustand weiterzuwirtschaften. Denn das Verfahren ist aufwendig und bindet viele Managementkapazitäten. Jeden Monat muss dem Gericht ein umfangreicher Bericht vorgelegt werden, in dem alle Zahlungsvorgänge, Forderungen und Verbindlichkeiten, konzerninterne Transaktionen, Kontoauszüge, Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen aufgeführt sind. Außerdem muss das Unternehmen alle Fragen des Gläubigerausschusses beantworten. Gegen ein längeres Verweilen unter Chapter Eleven spricht auch das Stigma. Geschäftspartner und Kunden könnten sich von dem Unternehmen abwenden.

Während des Verfahrens ist stets dafür gesorgt, dass die Firma mit ausreichend Liquidität versorgt ist. Die Befriedigung der Gläubiger hängt von der wirtschaftlichen Lage ab.

Allerdings zeigen die Erfahrungen, dass bei Chapter Eleven die Gläubiger letztlich Forderungen in einem zweistelligen Prozentsatz zurückerhalten, während die Befriedigungsquote in Deutschland bei Insolvenzplanverfahren im Schnitt nicht höher als acht Prozent liegt.

Größere Fälle von Anschlusskonkursen nach Chapter-Eleven-Verfahren sind nicht bekannt.

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