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Die Firmenzentrale des Beleuchtungsspezialisten bei Nacht.

Osram

Chipkonzern AMS will Osram schlucken

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Beim zweiten Anlauf soll es klappen: Der österreichische Chipkonzern AMS macht dem Lichtkonzern Osram ein attraktives Angebot – inklusive Garantien.

Diesmal ist es ernst gemeint. Der von einem ehemaligen Siemens-Manager geführte österreichische Chipkonzern AMS will Osram kaufen. Es ist der zweite Anlauf binnen vier Wochen. Mitte Juli hatte der Konzern aus Premstätten bei Graz den Finger gehoben, aber wenige Stunden später wieder einen Rückzieher gemacht. „Der Plan war noch nicht fertig und ist jetzt voll finanziert“, erklärt AMS-Chef Alexander Everke den zweiten Anlauf nun gegenüber Analysten. Die Österreicher bieten dabei in vielerlei Hinsicht mehr als das nominell mächtigere Investorenduo Bain Capital und Carlyle, dessen seit 22. Juli laufendes Übernahmeangebot für Osram zum Scheitern verurteilt scheint. AMS will nicht nur mehr zahlen sondern bietet auch Garantien für deutsche Standorte.

Die 38,50 Euro, die AMS je Osram-Aktie offeriert liegen ein Zehntel über dem Angebot von Bain und Carlyle. Im Gegensatz zum ersten Anlauf der Österreicher ist das in der Summe 4,3 Milliarden Euro teuere Kaufangebot auch mit Finanzierungszusagen unterlegt. AMS hat die Investmentbanken HBSC und UBS im Rücken. Zum anderen will AMS allen deutschen Osram-Produktionsstandorten drei Jahre lang ihre Existenz garantieren und am größten in Regensburg, sogar neue Jobs schaffen. So etwas hört man von Bain und Carlyle bislang nicht.

Andererseits würde AMS den Münchner Traditionskonzern zerschlagen, falls man zum Zuge kommt. Verkauft würde dann das Osram-Digitalgeschäft mit Kinolampen und Pflanzlicht, Fassadenbeleuchtung und Elektronik für Leuchten. Damit setzte Osram zuletzt 900 Millionen Euro um, knapp ein Viertel aller Erlöse. In der Sparte sind etwa 5000 Mitarbeiter beschäftigt mit Ausnahme von Eichstätt fast ausschließlich im Ausland. Dafür würden AMS und Osram einen weltweit führenden Konzern im Bereich Photonik (Licht aus Halbleitern) und Sensoren für Autos sowie Konsumelektronik mit addiert fünf Milliarden Euro Umsatz bilden, wirbt Everke. Gemeinsam seien gut 25 Prozent operative Rendite möglich und hohes Umsatzwachstum. Osram erwartet im laufenden Geschäftsjahr elf bis 14 Prozent Umsatzschwund bei einer operativen Marge von zuletzt knapp sieben Prozent.

AMS kalkuliert bei einer Übernahme von Osram mit 240 Millionen Euro jährlicher Kostensenkung, was vor allem Einsparungen bei einer Zusammenlegung von Werken in Asien und in den Verwaltungen bringen sollen. Bei Osram wären Verwaltungsjobs in der Münchner Zentrale bedroht und ein Werk im malayischen Kulim.

AMS hätte allerdings auch einige Hürden zu überwinden, um bei Osram zum Zug zu kommen. Erstens müsste Osram-Chef Olaf Berlien mitspielen. Der hatte im Mai AMS die Osram-Bücher geöffnet, aber dabei ein Stillhalteabkommen vereinbart. Demzufolge darf AMS, kein formelles Gegenangebot gegen das von Bain und Carlyle einreichen. Everke geht davon aus, dass Berlien die Sperre bis Donnerstag beseitigt und könnte damit richtig liegen. Denn aus München sind nun neue Töne über AMS zu hören.

Man schätze den Vorstoß der Österreicher nicht als feindlich ein und werde das Angebot ernsthaft prüfen, heißt es dort. Beim ersten Anlauf von AMS sei man nur wegen der damals noch fehlenden Finanzierung zurückhaltend gewesen, die es jetzt offenbar gebe. Der Einschätzung, dass die Österreicher sowohl finanziell als auch für die Zukunft der deutschen Standorte mehr bieten als das Investorenduo Bain und Carlyle widerspricht man in München ausdrücklich nicht.

Die zweite Hürde für AMS sind Bain und Carlyle. Die Investoren könnten ihr Angebot aufstocken und damit in einen Bieterwettstreit eintreten. „Kein Kommentar“, heißt es dazu von Bain und Carlyle. Zuletzt wurde allerdings betont, dass man nicht an ein Aufstocken der eigenen Offerte denke.

Dritte Hürde für AMS ist die IG Metall. Die Gewerkschaft hat bislang das Angebot von Bain und Carlyle bevorzugt und den ersten Vorstoß der Österreicher in die Nähe eines feindlichen Übernahmeversuchs gerückt. Mit Standortgarantien für deutsche Werke sieht das aber wohl anders aus. Man sei dabei das AMS-Angebot zur prüfen und Aufsichtsräte aus dem Urlaub zu holen, heißt es bei der IG Metall in wohlwollendem Unterton.

Damit ist das Werben von AMS alles andere als zum Scheitern verurteilt, auch wenn Experten auf eine mögliche Schwachstelle im Finanzierungsplan aufmerksam machen. Denn AMS sieht die Zusagen von HSBC und UBS nur als eine Brückenfinanzierung an, die im Umfang von 1,5 Milliarden Euro in den nächsten Wochen von einer Kapitalerhöhung abgelöst werden soll. Die müsste erst einmal platziert werden. Außerdem macht AMS wie zuvor schon Bain und Carlyle eine Übernahme von Osram davon abhängig, dass er mindestens 70 Prozent der Anteile einsammeln kann, was beileibe kein Selbstläufer ist.

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