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Chinesen fahren mit Qoros GQ3 vor

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Von: Frank-Thomas Wenzel

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Der chinesische Hersteller Qoros stellt in Genf seine Limousine GQ3 vor.
Der chinesische Hersteller Qoros stellt in Genf seine Limousine GQ3 vor. © dpa

Zwei Mal sind chinesische Autobauer mit ihren eigenen Modellen auf dem europäischen Markt gescheitert - wegen Sicherheitsmängel. Nun könnte ein kleiner Wagen aus Fernost zum Star auf dem Genfer Autosalon werden. Westlich Manager mischen bei Qoros GQ3.

Auf dem Genfer Autosalon schraubt sich dieses Jahr die PS-Protzerei auf einen nie gekannten Höhepunkt. Es gibt Supersportwagen in rauen Mengen zu sehen. Doch ein eher unauffälliges Kompaktfahrzeug hat das Zeug dazu, diese Woche zum Star der Messe zu werden. Qoros GQ3 heißt das Gefährt. Branchenkenner sprechen bereits von einem historischen Moment. Der Qoros könnte den Einstieg Chinas in den europäischen Markt markieren.

Zweimal sind die Autobauer aus Fernost schon kläglich gescheitert. 2005 mit dem Geländewagen Landmark, der zu einer Lachnummer wurde, weil sich schnell herausstellte, dass der Wagen noch nicht einmal grundlegende Anforderungen an die Sicherheit der Insassen bei einem Unfall erfüllt. 2008 scheiterte die Firma Brilliance ebenfalls, weil Crashtests katastrophale Ergebnisse zeitigten.

Mit dem Qoros soll das nicht mehr passieren. Neueste Erkenntnisse in der Unfallsicherheit seien bei der Konstruktion berücksichtigt worden, teilt das Unternehmen mit, das jeweils zur Hälfte dem chinesischen Autobauer Chery und dem israelischen Mischkonzern Israel Corporation gehört. Technisch soll der GQ3 auf dem neuesten Stand sein. Die Chinesen arbeiten mit Zulieferern wie Bosch, Continental oder Magna zusammen.

Bald auf Europas Straßen?

Was auf die etablierten Autobauer aber furchteinflößend wirkt, ist das Management-Team: Gleich drei renommierte Ex-BMW-Manager machen mit, darunter Gert Hildebrand als Chef-Designer, der für die Bayern einst den Mini gestaltet hat. Volker Steinwascher, früher zweiter Mann bei VW in den USA, ist nun der Vize-Chef des Qoros-Verwaltungsrats. Von Saab, Opel und Jaguar kommen weitere Führungskräfte.

Der GQ3 soll in der zweiten Jahreshälfte auf den europäischen Markt kommen. Die Preise dürften sich in der Nähe von Opel Astra, Ford Focus und Hyundai I30 bewegen. Dem Kompaktwagen mit Stufenheck sollen ein Geländewagen und ein Kombi folgen.

Trotz der gescheiterten ersten beiden Versuche wird seit geraumer Zeit mit einem ernstzunehmenden Einstieg der Chinesen ins Europa-Geschäft erwartet. Doch warum ausgerechnet jetzt? Der Absatz in der EU ist voriges Jahr auf den niedrigsten Wert seit 1995 eingebrochen. Tendenz fallend.

Doch die Chinesen folgen offensichtlich dem Vorbild ihrer Nachbarn aus Südkorea. Die Marken Hyundai und Kia haben 2012 trotz Krise ihren Absatz deutlich gesteigert. Geschafft haben sie dies mit Kampfpreisen und hoher Qualität. Für die Qualität der in China gefertigten Fahrzeuge sollen unter anderem deutsche Ingenieure sorgen. Zu den günstigen Preisen könnten Chinas Staatsbanken beitragen, die auch andere heimische Autobauer mit billigem Geld versorgen.

Gerade die Krise könnte daher für den asiatischen Neueinsteiger eine Chance sein. Denn etablierte Autobauer sind ziemlich klamm. Zuallererst sind hier Ford, Fiat und Peugeot-Citroën (PSA) zu nennen. Teils heftige Verluste haben die Finanzkraft geschwächt. Das schränkt Handlungsfähigkeit massiv sein – vor allem bei Rabatten und günstigen Finanzierungen.

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