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Die alte Rede von der Exportmaschine China ist nicht mehr korrekt. 

Analyse

Chinas neues Geschäftsmodell

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Statt Dollar und andere Devisen einzusammeln hält sich Peking inzwischen für stark genug, die eigene Währung weltweit zu etablieren. Die Analyse.

Deutschland ist zwar nicht mehr Exportweltmeister – aber es ist noch immer Kapitalexportweltmeister. Sein Überschuss im Geschäftsverkehr mit der Welt – der Leistungsbilanzüberschuss – stieg im vergangenen Jahr auf 266 Milliarden Euro und ließ damit andere Weltmarktchampions wie China und Japan weit hinter sich. Insbesondere der chinesische Überschuss ist inzwischen stark geschrumpft. Die alte Rede von der Exportmaschine China ist nicht mehr korrekt. Das Land hat sein Geschäftsmodell geändert. Das hat Folgen für die ganze Welt.

Viele Jahre verfolgte China eine merkantilistische Strategie. Durch seine niedrigen Kosten zog es Kapital aus aller Welt an, das dort billig produzieren konnte. Investitionen und Industrie machten den Löwenanteil des Wachstums aus. Die Industrie produziert Güter vor allem für die Ausfuhr, was dem Land einen wachsenden Außenhandelsüberschuss bescherte. Die eingenommenen Gelder – vor allem US-Dollar – hortete Peking als Schatz. Durch den Ankauf von Milliarden an US-Staatsanleihen finanzierte es die Defizite der Vereinigten Staaten.

Doch seit einigen Jahren ist der Strategiewechsel Pekings sichtbar, das Land macht sich unabhängiger vom Weltmarkt. Der Anteil der Industrie an der Wirtschaftsleistung liegt zwar mit über 30 Prozent noch hoch, aber er schrumpft seit 2012. Umgekehrt nimmt der Anteil der Dienstleistungen zu. Sie treiben mittlerweile das Wachstum Chinas an, da sie stärker zulegen als die Industrieproduktion. China wandelt sich zu einer Ökonomie, die sich stärker nach innen, auf den Heimatmarkt konzentriert.

Zu Beginn des Jahrtausends diente der Export China noch als Konjunkturmotor, zwischen 2002 und 2007 wuchsen die Ausfuhren mit jährlichen Raten zwischen 20 und 30 Prozent. Inzwischen jedoch tendiert der Zuwachs gegen null. Im Jahr 2000 machte die Ausfuhr noch etwa vier Prozent der Wirtschaftsleistung aus, 2015 waren es sogar über 15 Prozent. Seitdem geht es jedoch deutlich abwärts. Das zeigt sich auch am Leistungsbilanzüberschuss: Während er in Deutschland im vergangenen Jahr wieder auf 7,7 Prozent der Wirtschaftsleistung gestiegen ist, beträgt er für China nur noch etwas über ein Prozent.

In der Folge treibt China aber auch nicht mehr das Wachstum in anderen Regionen an. Seine Importe schrumpfen inzwischen. Dies bekommen insbesondere die Schwellenländer zu spüren. Erschwerend kommt für sie hinzu, dass die USA jetzt durch das Phase-1-Handelsabkommen mit Peking größere Teile des chinesischen Imports für sich reserviert haben.

Da Peking nicht länger auf Exportüberschüsse zielt, wachsen auch seine Devisenreserven nicht mehr, sondern nehmen ab. 2014 betrugen sie noch knapp vier Billionen Dollar, inzwischen geht die Tendenz Richtung drei Billionen Dollar. Auch die Menge an US-Dollar im chinesischen Staatsschatz ist um etwa ein Viertel geschrumpft. Das bedeutet, dass China nicht länger die Defizite der USA und anderer Länder finanziert.

Statt Dollar und andere Devisen einzusammeln und darüber an Kreditwürdigkeit zu gewinnen, hält sich China inzwischen für stark genug, um seine eigene Währung weltweit zu etablieren: Peking forciert die internationale Verwendung des Renminbi und steigt so in die Weltwährungskonkurrenz mit Dollar und Euro ein.

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