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Chinas große Chance

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Von: Claudia Warning

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Armut nachhaltig bekämpfen

Chinas Wirtschaftswachstum verlangsamt sich. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs zuletzt „nur“ noch um 6,9 Prozent. Die Börsen stecken in einer Krise. Das Wirtschaftswachstum hat in den vergangenen 30 Jahren dazu beigetragen, die Armut in China drastisch zu verringern. In China waren 1981 mehr als 80 Prozent der Bevölkerung extrem arm, 2005 waren es weniger als 20 Prozent. China ist es gelungen, hunderte Millionen Menschen vom Hunger zu befreien, und hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die UN-Millennium-Entwicklungsziele zum Teil erreicht wurden.

Aber der Preis für diesen Erfolg ist hoch. Sauberes Trinkwasser ist in China Mangelware, 60 Prozent des Grundwassers sind mit Rückständen aus Industrie und chemischer Düngung belastet. Der Smog, insbesondere in Großstädten, ist unerträglich. Unbelastete Lebensmittel sind ein Top-Thema. Landesweit mehrt sich der Unmut über diese Entwicklung und auch die Regierung hat erkannt, dass es so nicht weiter gehen kann.

Die Ein-Kind Politik führte zu einer alternden Gesellschaft, zu einer Generation von verwöhnten Einzelkindern und einem Überschuss an männlichen Nachkommen. Daher hat sich die Regierung Ende Oktober davon verabschiedet.

Vielleicht ist die momentane Situation aber auch eine Chance. Veränderungen in China sind möglich und gewollt. Viele unserer Partner erleben dies in ihrer täglichen Arbeit. Zusammen mit Regierungsstellen üben sie Beteiligung und Zusammenarbeit mit der Bevölkerung ein, etwa in der Wüstenbekämpfung in Nordchina, der Versorgung Behinderter in Westchina oder der Verbesserung der Situation von Wanderarbeitern in Ballungszentren. Dabei muss immer ausgelotet werden, inwieweit sich Organisationen der Zivilgesellschaft frei entfalten und bewegen können und wo der Staat ihnen ihre Grenzen aufzeigt.

In letzter Zeit aber stehen die Zeichen eher auf Kontrolle und Einschränkung. China tut sich damit keinen Gefallen. Angesichts einer robusten Zustimmung im Volk könnte sich die chinesische Regierung entspannt mit der Zivilgesellschaft auseinandersetzen und zuhören, welche Lösungswege dort entwickelt und vorgeschlagen werden. China kann und muss es schaffen, auch die verbleibenden 200 Millionen Armen mitzunehmen und den Umschwung zu einem nachhaltigen und umweltverträglichen Wirtschaftsmodell hinzubekommen.

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