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Der Riese macht eine Pause: Szene in einem Shop für Luxus-Marken in Peking.

China schwächelt

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Handelskonflikte, Brexit und nun auch noch ein langsameres Wachstum im Reich der Mitte. Ist das jetzt schon eine Krise?

Die Konjunkturaussichten werden immer trüber. China verzeichnet das schwächste Wachstum seit 1990. Und der Internationale Währungsfonds stutzt die Erwartungen für Deutschland und andere europäische Länder zusammen.

Ist das jetzt schon eine Krise? Chinas Wirtschaft ist nach den Daten des dortigen Statistikamts im vergangenen Jahr nur noch um 6,6 Prozent gewachsen. Für eine der großen westlichen Industrienationen wäre das eine sensationelle Zahl. Doch im Fall von China bereitet der Wert vielen Volkswirten Bauchgrimmen. Das hat einerseits damit zu tun, dass vor noch nicht allzu langer Zeit zweistellige Zuwächse beim erwirtschafteten Wert der Güter und Dienstleistungen zusammenkamen. Und dass es eine weitere Abschwächung im Vergleich zu 2017 gab, als noch eine Plus von 6,8 Prozent erreicht wurde. Für dieses Jahr geht die kommunistische Regierung nach Medienberichten von einem nochmals geringeren Zuwachs von 6,0 bis 6,5 Prozent aus. Bemerkenswert ist überdies, dass sich die Zuwachsraten bei vielen bedeutenden Kennziffern im Laufe des vergangenen Jahres immer weiter abwärts ging. Besonders wichtig sind dabei die Konsumausgaben, die im Dezember „nur“ 8,2 Prozent über dem Vorjahresmonat lagen. 

Das kann auch deutschen Unternehmen und Arbeitnehmern nicht egal sein. Volkswagen beispielsweise: Die Wolfsburger verkauften im letzten Monat des vergangenen Jahres mit 402.000 Autos gut zwölf Prozent weniger Fahrzeuge als vor Jahresfrist. Der Vorstand spricht davon, dass sich die gesamtwirtschaftliche Stimmung in China im zweiten Halbjahr „stark eintrübte“. Auch von „Kaufzurückhaltung der Kunden“ ist die Rede. In China ist der Automarkt 2018 zum ersten Mal seit drei Jahrzehnten geschrumpft.

Wobei die Regierung das bescheidenere BIP-Plus selbst ausgelöst hat. Experten sind sich einig, dass das Wachstum auf recht tönernen Füßen steht, da es zu größeren Teilen auf Pump basiert. Die Verschuldung der privaten Haushalte ist massiv gestiegen – viele Chinesen, vor allem in der aufstrebenden Mittelschicht, haben im Vertrauen auf immer weiter steigende Löhne hohe Summen bei den Banken geliehen und damit häufig Immobilien gekauft. Das kann zu einem ernsthaften Problem werden, wenn die Löhne nicht mehr wie erwartet steigen. Und genau dafür gibt es nun einige Indikatoren. 

Die Regierung und die chinesische Notenbank haben jedenfalls schon seit Beginn des vergangenen Jahres versucht gegenzusteuern: durch stärkere Restriktionen bei der Vergabe von Darlehen und beim Verkauf von Wohnungen in den großen Städten.

Und dann kam der Handelskrieg mit Strafzöllen hinzu, der die Exporte in die USA zum Jahresende einbrechen ließ. All das hat die Verbraucher und die Unternehmen verunsichert. Nicht nur die Konsumausgaben wuchsen deutlich langsamer, sondern auch die Investitionen.

Das alles schlägt auf die globale Konjunktion durch – schließlich steht China für ein Drittel des gesamten weltweiten Wirtschaftswachstums. Deshalb hat auch der Internationale Währungsfonds (IWF) am Montag seine Prognosen für 2019 nach unten geschraubt, auf ein globales Plus von 3,5 Prozent, das ist der niedrigste Wert seit drei Jahren. Es sei nun entscheidend, die wachsenden Gefahren im Auge zu behalten, sagte Gita Gopinath, IWF-Chef-Volkswirtin.

An erster Stelle nennt sie weitere Strafzölle. US-Präsident Donald Trump hat mit einer massiven Ausweitung der Abgaben auf China-Importe zum 1. März gedroht, wenn es bis dahin keine Einigung über ein Handelsabkommen gebe. Hinzu könnten denn auch eine stärker als erwartete Konjunkturabkühlung in China kommen und ein harter Brexit, so Gopinath.

Die IWF-Ökonomen haben die Vorhersagen für eine Reihe von europäischen Ländern deutlich nach unten geschraubt. So für Frankreich wegen der Verwerfungen durch die Gelbwesten-Bewegung und für Italien wegen der höheren Kosten zur Staatsfinanzierung. Die massivste Korrektur wurde allerdings für Deutschland vorgenommen. Die Experten erwarten nur noch ein Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent, zuvor waren es noch 1,9 Prozent gewesen.

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