Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Zum Geschäft von Didi gehört auch der Verleih von Fahrrädern per App.
+
Zum Geschäft von Didi gehört auch der Verleih von Fahrrädern per App.

Internetgigant

China: Regierung geht gegen Uber-Konkurrent Didi vor

  • VonFabian Kretschmer
    schließen

Die chinesische Regierung in Peking ordnet seine Tech-Branche neu: Nun hat es den Fahrdienst-Vermittler Didi getroffen.

Die App Didi ist aus dem chinesischen Alltag nicht mehr wegzudenken. Ein Taxi herbeizurufen, funktioniert nur noch per Smartphone. In Windeseile konnte das chinesische Äquivalent von Uber über 450 Millionen Nutzer:innen gewinnen, weil der Staat die Konkurrenz aus dem Silicon Valley verbannt hatte. Nun jedoch schiebt der Staat dem fast 70 Milliarden Dollar schweren Unternehmen unverhofft einen Riegel vor.

Am Sonntag hat die Cyber-Aufsichtsbehörde Didi aus den App-Stores verbannt, da es „persönliche Nutzerdaten illegal gesammelt“ und „schwerwiegend gegen die Gesetze verstoßen“ haben soll. Am Montag hat das Pekinger Unternehmen bekanntgegeben, dass es keine neuen Nutzer:innen mehr registrieren werde und von einbrechenden Profiten ausgehe. Nur zwei Tage zuvor hatten die Chinesen bei ihrer Börsennotierung in New York 4,4 Milliarden Dollar einsammeln können.

China: Tech-Giganten unter Druck

Es wird aber nicht nur gegen Didi ermittelt, sondern noch mindestens drei weitere Tech-Unternehmen, darunter ein Job-Portal und eine Logistikplattform. Ihnen ist allesamt gemein, vor kurzem ein Börsendebüt in den USA hingelegt zu haben. Selbst führende Tech-Experten sowie sämtliche Staatsmedien rätseln über die Hintergründe der Entscheidung. „Wir wissen immer noch nicht, wie Didi persönliche Nutzerdaten illegal gesammelt hat“, schreibt die nationalistische „Global Times“ in einem Leitartikel.

Möglich wäre etwa, dass der Staat Bedenken haben könnte, dass seine führenden Internetkonzerne durch die Börsengänge in New York sensible Daten an die USA weitergeben könnten. Und ebenso richtig ist, dass Pekings Staatsführung sehr argwöhnisch gegenüber heimischen Unternehmen ist, die allzu viel Macht akkumulieren. Doch wer die Puzzleteile zusammensetzt, der kommt zu einem anderen Fazit: Pekings Vorgehen gegen seine Internetriesen ist vorwiegend inhaltlich motiviert.

China: Alibaba-Chef legt sich mit Regierung an

Die flächendeckende Regulierung der Tech-Branche begann im letzten Oktober, als Chinas damals reichster Unternehmer Jack Ma vor sämtlichen Vertretern der Finanzaufsichtsbehörden in Shanghai eine überaus provokante Rede hielt. Darin warf der Gründer des Alibaba-Imperiums den traditionellen Banken unter anderem „Pfandleihmentalität“ vor. Wenig später wurde der geplante Börsengang von Jack Mas Fintech-Sparte „Ant Financial“ – der immerhin der größte in der Geschichte hätte werden sollen – auf Eis gelegt.

Es folgten nicht nur eine Rekordstrafe gegen Alibaba in Höhe von mehr als zwei Milliarden Euro, sondern auch Untersuchungen gegen weitere Tech-Konzerne. „Es ist nach wie vor kein Ende in Sicht“, heißt es im China-Newsletter des Beratungsunternehmens „Trivium“.

Jack Ma: Eine Rede als Auslöser

Die Rede Jack Mas war dabei ein Auslöser, nicht jedoch die Ursache des Problems. Bei der Kampagne geht es im Grunde um drei Ziele. Zum einen soll die Fintech-Branche, in der lange Zeit eine „Wildwest-Stimmung“ geherrscht hat, generell stärker reguliert werden. Das bedeutet unter anderem, dass App-Dienste nicht mehr uneingeschränkt Mikro-Kredite an ihre meist jungen Nutzenden verleihen können, ohne wie traditionelle Banken das finanzielle Risiko zu tragen.

Zudem will China seine mächtigsten Tech-Unternehmen auch wegen ihrer Oligopole beschneiden, denn sie haben zuletzt unter anderem mit Dumping-Preisen, unlauteren Absprachen und der Ausbeutung von Arbeiter:innen den Wettbewerb unmöglich gemacht.

Und der vielleicht wichtigste Punkt, der auch die Ermittlungen gegen Didi betrifft, ist die exzessive Datensammlung von Chinas Internetriesen. Immer wieder gab es schwarze Schafe, die Nutzerdaten auf dem Schwarzmarkt verkauft haben. „Der Staat wird Tech-Imperien niemals erlauben, mehr persönliche Daten zu sammeln als der chinesische Staat selbst von seinem Volk hat“, heißt es in der Global Times. Und genau das bleibt ein nicht aufzulösender Widerspruch: Während die Regierung die Menschen vor Tech-Unternehmen schützt, schützt niemand das Volk vor der allergrößten Datenkrake: dem chinesischen Staat.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare