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Auch in Schulen sollen in China flächendeckend Kameras eingesetzt werden.

Gastwirtschaft

China ist kein Vorbild

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Sicherheit und Überwachung – das sind die zwei Themen, die China massiv angeht.

Es vergeht beinah keine Woche ohne eine Studie, die besagt, dass wir in Sachen künstlicher Intelligenz (KI) den Anschluss an China und Nordamerika verlieren. Schön, aber was genau ist damit gemeint? Meistens werden bloß die Forschungsgelder der Nationen miteinander verglichen. Kanada stellt umgerechnet 234 Millionen Euro über fünf Jahre zur Verfügung – mehr als die Vereinigten Staaten.

Der Betrag klingt im Vergleich zu den rund vier Milliarden Euro, die Deutschland bis 2025 investieren will, zwar mickrig, nur ist dort das Geld seit Jahren schon im Einsatz. Schaut man nach Osten, wirkt auch das wie ein Klacks. Peking baut einen KI-Park für zwei Milliarden Dollar, Shanghai fördert KI Projekte mit wenigstens drei Milliarden, China legt die Investitionslatte ganz hoch.

Sicherheit und Überwachung – das sind die zwei Themen, die China massiv angeht. Das Land wird mit Kameras möglichst flächendeckend überzogen, die ersten Schulen geben per Gesichtserkennung das passende Menü an die Schüler ab und gleichzeitig den Nährwertbedarf an deren Eltern. Geht ein Kind später als erwünscht durch die Gesichtserkennung am Schultor, erhält der Lehrer automatisch eine Nachricht. Elektronische Pranger in den Straßen zeigen die Konterfeie der Menschen, die bei Rot über die Ampel gegangen sind. Und in besagtem KI-Park im Westen Pekings kann man beobachtet Joggen gehen und bekommt nach jeder Runde Tempo, Kalorienverbrauch und Laufzeit angezeigt. Chinas erklärtes Ziel: Alles und jeden messen, erkennen, optimieren und damit „auf Spur halten“. Ich frage mich, was diese Entwicklung mittel- und langfristig mit einer Gesellschaft macht. Den Menschen wird das Denken systematisch abtrainiert. Die Maschinen leiten, bewerten und regeln. So wird nicht etwa die künstliche Intelligenz schlauer, sondern der Mensch dümmer.

Da hinkt Deutschland eindeutig hinterher, Gott sei Dank. Unsere Datenschutzgesetze und, noch viel wichtiger, unsere westlichen Werte, stehen im Widerspruch zu der Idee, alle nur erdenklichen Daten zu erheben und zu analysieren. Und: Der Ruf nach einer Ethik der KI wird lauter und es wird längst, auch in der Politik, darüber diskutiert, wie man verantwortungsvoll mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz umgehen kann. Wenn Sie mich fragen, da verpasse ich sehr gerne den Anschluss.

Die Autorin ist Managementberaterin. Soeben ist ihr Buch „Die kranke Organisation“ erschienen.

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