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Wirtschaftsleistung

Nur China kehrt zum Wachstum zurück

  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
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Der Internationale Währungsfonds warnt: Eine zweite Pandemiewelle könnte die globale Konjunktur lähmen.

Schon im Frühjahr rutschte China für zahlreiche Experten in die Rolle der Lokomotive zur Überwindung der globalen Rezession. Die Volksrepublik hat die Erwartungen fürs Erste erfüllt. Die Wirtschaftsleistung kletterte im zweiten Quartal (April bis Juni) um 3,2 Prozent. Viele Volkswirte hatten weniger erwartet.

Sowohl die Industrieproduktion als auch die Dienstleistungsbranchen werden wieder hoch gefahren. Eine Sprecherin des staatlichen Statistikbüros bezeichnete die Entwicklung als „stetigen Erholungstrend“. Global sei zu erkennen, dass die ökonomische Aktivität graduell wieder an Stärke gewinne, betont auch Kristalina Georgieva, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF). Ihre Organisation gehört zu denen, die China in der Vorreiterrolle sehen. Im aktualisierten World Economic Outlook des IWF wurde schon im Juni ein deutliches Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) prognostiziert, das sich für den Rest des Jahres fortsetzen soll.

Die kommunistische Staatsregierung hat die Corona-Pandemie den offiziellen Zahlen und Verlautbarungen zufolge im Griff. Die strikten Ausgangsbeschränkungen und Schließungen vieler Unternehmen sind längst aufgehoben. Zudem hat die Regierung umfangreiche Hilfspakete für Firmen und Privatleute geschnürt. Staatlich kontrollierte Banken vergeben bereitwillig und zu günstigen Konditionen Kredite.

Der IWF traut China als einziger der großen Volkswirtschaften für das Gesamtjahr ein Wirtschaftswachstum zu – wenn auch nur ein bescheidenes von einem Prozent (2019: 6,1 Prozent). Dabei war wegen des harten Lockdowns das BIP im ersten Quartal noch um 6,8 Prozent eingebrochen.

Für das erste Halbjahr ergibt sich nun ein Schrumpfen des Werts der produzierten Güter und der erbrachten Dienstleistungen von 1,6 Prozent. Doch der Außenhandel kommt wieder in Schwung: Im Juni lagen die Ausfuhren um ein halbes Prozent höher als im Vorjahresmonat, die Einfuhren kletterten gar um 2,7 Prozent. Importiert wurden auch mehr Autos. Daimler, BMW und Co. melden wieder steigende Absatzzahlen.

Doch die chinesische Statistikbehörde warnt auch: Die externen Risikofaktoren hätten deutlich zugenommen, heißt es. Gemeint ist damit eine zweite Pandemiewelle, die die globale Konjunktur lähmen könnte, was China als Exportland heftig treffen würde. Ähnlich sieht es Georgieva: „Wir sind noch nicht über den Berg“, schrieb sie am Donnerstag im IWF-Blog. Zu einer Ausbreitung des Virus könnten politische Instabilität, wachsender wirtschaftlicher Protektionismus, stark schwankende Rohstoffpreise sowie wackelige Bewertungen von Aktien und anderen Wertpapieren kommen. Ein weiteres Hauptproblem sei die Gefahr steigender Arbeitslosigkeit, und der Finanzsektor könne durch Insolvenzen und Kreditausfälle in Schwierigkeiten geraten. Unterm Strich ist für die IWF-Chefin klar, dass nun eine neue Phase der Krise erreicht ist, die eine verstärkte politische Agilität verlange, um eine dauerhafte und breite Erholung der Wirtschaft zu erreichen.

Zumal nun noch mögliche neue Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA hinzukommen. Dabei kann sich Präsident Trump zusätzlichen Ärger gar nicht leisten. Die zweite Pandemie-Welle rollt durch die Bundesstaaten mit immer neuen Rekordzahlen bei den Neuinfektionen. Der IWF erwartet für das Gesamtjahr ein Schrumpfen der weltgrößten Volkswirtschaft um acht Prozent.

Noch finsterer sind die Prognosen für die Eurozone. Der IWF erwartet einen Rückgang um rund zehn Prozent. Wobei es Frankreich, Italien und Spanien besonders heftig treffen soll (jeweils mehr als minus zwölf Prozent). Einigermaßen glimpflich soll Deutschland davonkommen (minus 7,8 Prozent) und für das Jahr 2021 erwartet der IWF schon wieder einen starken Zuwachs. Ebenso wie für China mit einem BIP-Plus von mehr als acht Prozent.

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