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Wegen China-Lockdowns: Es drohen Lieferprobleme beim iPhone für deutsche Kunden zu Weihnachten

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Von: Sven Hauberg

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Mitten im Weihnachtsgeschäft vermeldet Apple eine Hiobsbotschaft: Wegen Corona-Lockdowns in China verzögert sich die Auslieferung des iPhone 14 Pro.

München/Zhengzhou – Es sind nur ein paar Tausend Corona-Fälle am Tag, die Chinas Behörden derzeit verzeichnen. Dennoch hält das Land an seiner strengen „Null-Covid“-Politik weiter fest. Eine Entscheidung, die auch die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland immer wieder zu spüren bekommen: Jetzt trifft es zum Beispiel potenzielle Kunden des iPhone. Wie Apple in der Nacht auf Montag bekannt gab, verzögern Corona-Einschränkungen die Produktion der Modelle iPhone 14 Pro und iPhone 14 Pro Max.

Die Premium-Smartphones werden vom taiwanischen Zulieferer Foxconn in der zentralchinesischen Stadt Zhengzhou produziert. „Die Anlage arbeitet derzeit mit deutlich reduzierter Auslastung“, teilte Apple mit. Weil man derzeit „geringere Auslieferungsmengen“ erwarte, müssten Kunden „längere Wartezeiten in Kauf nehmen“. Man arbeite aber daran, „auf ein normales Produktionsniveau zurückzukehren“. Der Produktionsrückgang in der Foxconn-Fabrik kommt mitten im wichtigen Weihnachtsgeschäft. Bereits im Oktober wurden in dem Werk laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters bis zu 30 Prozent weniger iPhones produziert als geplant.

Lockdowns in China: Mitarbeiter fliehen aus iPhone-Fabrik

Die Fabrik in Zhengzhou mit ihren rund 200.000 Angestellten war bereits vor einigen Wochen in die Schlagzeilen geraten, nachdem Dutzende Mitarbeiter aus dem Betriebsgelände geflohen waren. Die iPhone-Fabrik war zuvor unter einen Lockdown gestellt worden, um zu verhindern, dass dort aufgetretene Corona-Fälle auf die restliche Stadt übergreifen. Medienberichten zufolge wurden die ersten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits Mitte Oktober daran gehindert, die Fabrik zu verlassen. später wurden angeblich rund 20.000 Angestellte in den werkseigenen Wohnheimen unter Quarantäne gestellt. In den sozialen Medien machten Videos die Runde, die fliehende Mitarbeiter zeigten; zudem gab es Berichte, dass die medizinische Versorgung auf dem abgeriegelten Gelände schlecht sei.

Chinas Gesundheitskommission meldete am Montag mehr als 5600 neue Corona-Fälle – die höchste Zahl seit einem halben Jahr. Obwohl die Fallzahlen im internationalen Vergleich extrem niedrig sind, reagieren die Behörden bereits bei kleinsten Ausbrüchen mit Quarantäne-Maßnahmen, Massentests und harten Lockdowns. Ein Ende dieser „Null-Covid“-Politik ist derzeit nicht abzusehen, obwohl die chinesische Wirtschaft unter den ständigen Fabrikschließungen und dem Stocken der weltweiten Lieferketten bereits seit Monaten deutlich leidet.

Hände halten ein iPhone 14
Das iPhone 14 pro ist das Spitzenmodell von Apple. © Justin Sullivan/AFP

Chinas Wirtschaft leidet – auch wegen Pekings Corona-Politik

Deshalb gehen Experten davon aus, dass das angepeilte Wachstumsziel von 5,5 Prozent im Vorjahresvergleich nicht mehr zu halten ist. Im zweiten Quartal wurde ein Wachstum von lediglich 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gemeldet, im dritten Quartal eine dann doch überraschend hohe Wachstumsrate von 3,9 Prozent. Am Montag teilte Chinas Zoll zudem mit, dass die Exporte des Landes erstmals seit zwei Jahren gesunken sind: Demnach gingen die Ausfuhren im Vergleich zum Oktober des Vorjahres in US-Dollar gerechnet um 0,3 Prozent zurück.

Parteichef Xi Jinping, der unlängst für eine historische dritte Amtszeit bestätigt wurde, nimmt Experten zufolge die wirtschaftlichen Einbrüche aus ideologischen Gründen in Kauf. Für Xi sei die politische Stabilität im Land wichtiger als das Wirtschaftswachstum, sagte die China-Expertin Wan-Hsin Liu vom Kiel Institut für Weltwirtschaft unlängst im Interview mit der Frankfurter Rundschau von IPPEN.MEDIA. „Eine ungebremste Ausbreitung des Coronavirus könnte dazu führen, dass viele Chinesen innerhalb kurzer Zeit erkranken oder sogar sterben. Das könnte Massenpanik und eine starke Unzufriedenheit innerhalb der Bevölkerung auslösen und letztendlich die Führungsrolle der Kommunistischen Partei gefährden“, so Liu.

China setzt auf eigene Impfstoffe – und lässt Biontech-Vakzin bislang nicht zu

Die im Westen eingesetzten mRNA-Impfstoffe sind in China bislang nicht zugelassen. Stattdessen setzt die Führung des Landes auf eigenproduzierte Impfstoffe, die mit herkömmlichen Technologien hergestellt werden und weniger wirksam sind. Bei seinem China-Besuch am vergangenen Freitag machte Bundeskanzler Olaf Scholz – zu dessen mitgereister Wirtschaftsdelegation auch Biontech-Chef Ugur Sahin gehörte – Hoffnung, dass sich das bald ändern könnte. So sollen zunächst in China lebende Ausländer Zugang zum Biotech-Vakzin erhalten. „Die kann natürlich nur ein erster Schritt sein“, sagte Scholz auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Chinas Ministerpräsident Li Keqiang in Peking. „Ich hoffe, dass der Kreis der Berechtigten bald erweitert werden kann, bis hin zu einer allgemeinen, freien Verfügbarkeit des Biontech-Impfstoffes.“ Man habe deshalb über eine allgemeine Zulassung des Biontech-Impstoffes gesprochen, so Scholz weiter.

Dass China das Biontech-Vakzin zeitnah flächendeckend einsetzen könnte, halten Experten allerdings für unwahrscheinlich, zumal chinesische Unternehmen an einem eigenen mRNA-Impfstoff arbeiten. Lockdowns könnten also auch in Zukunft den Menschen in China immer wieder das Leben schwer machen. Zuletzt machten zudem neue Regierungs-Äußerungen alle Hoffnungen zunichte, Peking könnte von seinem harten Corona-Kurs schon bald abweichen: Man werde „unerschütterlich“ an der „Null-Covid“-Politik festhalten, sagte am Samstag ein Beamter der Nationalen Gesundheitskommission in einer Pressekonferenz.

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