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China heizt wieder ein

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Peking hat seinen Kurs in der Kohlepolitik revidiert. Zahlreiche neue Kraftwerke gehen ans Netz. Auch andere Staaten setzen noch auf den fossilen Energieträger.

China als Retter des Weltklimas? Drei Jahre lang sah es so aus. 2013 bis 2016 konnte man glauben, der globale Ausstoß des Treibhausgases hätte den Peak erreicht – das Plateau, ab dem die mehr als 150 Jahre lang fast nur nach oben zeigende Kurve wieder nach unten geht. Vor allem Chinas restriktive Politik beim Neubau von Kohle-Kraftwerken hatte dazu beigetragen. Klimaexperten sendeten Signale der Hoffnung. Doch bereits 2017 stieg der CO2-Ausstoß wieder, da Chinas Wirtschaft stark wuchs. Und nun zeigt sich: Peking hat seinen Kurs in der Kohlepolitik erneut geändert – die Kohle kommt wieder.

Das Land ist Obereinheizer der Welt. China stößt rund 28 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen aus, gefolgt von den USA mit 16 Prozent. Entsprechend groß ist sein Einfluss auf das Gesamtbudget. In den vergangenen zwei Jahren verfolgte die Zentralregierung in Peking das Ziel, den rasanten Zubau von Kohlekraftwerken einzudämmen. Vor allem zwei Gründe gab es dafür. Wegen einer Wirtschaftsflaute waren Überkapazitäten in Strommarkt entstanden, zudem hatte die Luftverschmutzung in vielen dichtbesiedelten Regionen des Landes gerade auch wegen der Kohle-Energie extrem hohe Werte erreicht.

Chinas Regierung gab im Frühjahr 2016 eine Anweisung an die Provinzen heraus, die Kohlekapazitäten zu begrenzen, und 2017 Jahr stoppte sie die Arbeiten an 100 im Bau befindlichen Kraftwerken – ein spektakulärer Schritt.

Inzwischen ist diese Entscheidung offenbar revidiert. Viele gestoppte Projekte wurden ohne große Ankündigung wieder aufgenommen, wie die Publikation „China Dialogue“ meldet. Neue Anlagen mit einer Gesamtleistung von 47 000 Megawatt erzeugen danach entweder bereits Strom oder gehen bald in Betrieb – das entspricht etwa der gesamten deutschen Kohlekapazität.

Peking war unter Druck gekommen, die Restriktionen zu lockern. Erstens trat Stromknappheit in mehreren Regionen auf. Zweitens drängten Kraftwerksbetreiber darauf, ihre fast fertiggestellten Anlagen ans Netz nehmen zu dürfen – denn sie bringen keine Einnahmen, während die Kredite laufen.

Ironischerweise dürfte der Kurswechsel Pekings der Branche zusätzliche Probleme bringen. Derzeit macht die Hälfte der Kraftwerke Verluste, weil die Anlagen wegen der in vielen Regionen fortbestehenden Überkapazitäten insgesamt nur schlecht ausgelastet sind und die Kohlepreise erhöht wurden. Nun neue Kapazitäten aufzubauen, um nur wenige Stunden Spitzenlast abzudecken, werde die Kosten zusätzlich erhöhen, warnen chinesische Energieexperten. Und Greenpeace schätzt, dass Peking im Kohlesektor wieder restriktiver werden wird, wenn der Aufschwung an Kraft verliert.

Daran, dass der dringend erwartete globale CO2-Peak sich verschiebt, ändert das nichts – zumal andere Länder mit viel Kohlekraft – wie die Türkei, Pakistan oder Indonesien – den Ausbau dieser klimaschädlichsten Energieform ebenfalls weiter vorantreiben. China ist zwar inzwischen unangefochten weltweit Anführer beim Ausbau der erneuerbaren Energien. So sollen bis 2030 rund 20 Prozent der Energieerzeugung nicht-fossil erfolgen. Doch die neue Entwicklung zeigt: Die Kohle ist noch längst nicht abgemeldet – im Inland genauso wenig wie im Ausland, wo chinesische Konzerne vor allem auch in Entwicklungsländern viele Kraftwerke bauen.

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