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Stockende Aufarbeitung der Vergangenheit: Die Deutsche Bank sucht einen neuen Leiter für ihren Integritätsausschuss.
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Stockende Aufarbeitung der Vergangenheit: Die Deutsche Bank sucht einen neuen Leiter für ihren Integritätsausschuss.

Deutsche Bank

Der Chefaufklärer gibt auf

  • Markus Sievers
    VonMarkus Sievers
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Deutsche-Bank-Aufsichtsrat drängt Wirtschaftsanwalt zum Rückzug. Wirtschaftsanwalt Thoma wurde dem Kontrollgremium offenbar zu unbequem.

Für den Aufsichtsrat sollte er die Skandale der Deutschen Bank aufarbeiten. Doch drei Jahre nach seiner Berufung gibt Georg Thoma als Chefaufklärer des Konzerns resigniert und auf Drängen seiner Kollegen auf. Der Wirtschaftsanwalt tritt nach Angaben der Bank mit sofortiger Wirkung als Leiter des Integritätsausschusses zurück. Dieses Gremium soll für den Aufsichtsrat die zahlreichen Skandale und Rechtsverstöße aufarbeiten. Zudem scheidet Thoma Ende Mai auch aus dem Aufsichtsrat aus.

Der Rückzug hatte sich abgezeichnet, nachdem mehrere Mitglieder des Aufsichtsrates dem prominenten Juristen Übereifer bei der Aufklärung der Verstöße vorgeworfen hatten. Unter anderem Betriebsratschef Alfred Herling beanstandete Thomas Verhalten öffentlich als überzogen. Aber nicht nur die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat, dem obersten Kontrollgremium des Konzerns, gingen auf Distanz zu Thoma. Auch die Kapitalvertreter entzogen ihm Vertrauen. Im Umfeld des Aufsichtsrats hieß, bei einer Telefonkonferenz am Donnerstag hätten sich 19 der 20 Mitglieder für ein Ausscheiden Thomas ausgesprochen. Damit blieb dem 71-Jährigen im Grunde nichts anderes übrig, als den Rücktritt einzureichen.

Kritik an dem Vorfall übte Klaus Nieding von der Aktionärsvereinigung DSW. „Es ist ein Unding, dass sich der Aufsichtsrat über das Maß der Aufsicht nicht mehr einig ist.“ Zugleich nannte es Nieding aber richtig, dass Thoma nach den schweren Auseinandersetzungen mit seinen Aufsichtsratskollegen das Unternehmen verlässt.

Für das um Aufarbeitung diverser Skandale bemühte größte deutsche Geldhaus ist der Fall Thoma brisant. Wohl auch deshalb versicherte die Deutsche Bank umgehend, sie werde in der Aufklärung der Affären nicht nachlassen. „Der Aufsichtsrat ist fest entschlossen, mögliche Verfehlungen auch künftig konsequent aufzuarbeiten und daraus die Lehren für die Zukunft zu ziehen“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Paul Achleitner. Auch sein Stellvertreter Herling betonte für die Arbeitnehmerseite: „Wir werden auch künftig sämtliche Untersuchungen gründlich und unabhängig von der Position der betroffenen Personen führen.“

Thoma wird zur Last gelegt, die Untersuchungen zu den Gesetzesverstößen und Skandalen unnötig in die Länge zu ziehen und den Aufwand ohne sachlichen Grund immer höher zu treiben. In Konflikt geriet er auch mit Aufsichtsratschef Achleitner, dessen Krisenmanagement in der Affäre um die Zinsmanipulationen von der britischen Finanzaufsicht beanstandet worden war. Die Vorwürfe mangelnder Kooperation wollte Thoma mit einer eigenen Überprüfung klären lassen, was aber im Integritätsausschuss auf Widerstand stieß. Thoma lehnte eine Stellungnahme zu den Vorgängen ab. Seine Nachfolge an der Spitze des Integritätsausschusses übernimmt zunächst die US-Juristin Louise Parent, die ebenfalls im Aufsichtsrat sitzt.

Dass sie eine so einheitliche Front gegen den bekannten und erfahrenen Juristen bildeten, begründen die übrigen Kontrolleure der Deutschen Bank vor allem mit persönlichen Schwächen. Von Selbstherrlichkeit und einem rüden Umgangston, der keinen Widerspruch dulde, war die Rede. Thoma habe eine Zusammenarbeit unmöglich gemacht, weil er es mit Alleingängen übertrieben habe, hieß es. Dabei sei es ihm auch darum gegangen, sich selbst vor möglichen Haftungsansprüchen zu schützen.

Von „juristischer Selbstverwirklichung“ hatte Betriebsratschef Herling gesprochen. Auch Aufsichtsrat Henning Kagermann, der die Aktionäre vertritt, hatte aus seinem Unmut kaum einen Hehl gemacht. „Bei aller Sorgfalt, die wir haben walten lassen, ist es uns wichtig, dass die Deutsche Bank dieses Kapitel endlich abschließt und mit voller Kraft wieder in die Zukunft schaut“, sagte der frühere SAP-Konzernchef.

Mit anderen Worten: Thoma wühlte wohl zu sehr in der Vergangenheit und stand dem gewünschten Neuanfang im Wege. Aus dem Umfeld von Thoma dagegen verlautete, er sei fassungslos über die auch noch öffentlich ausgeführten Attacken gegen seine Person. Er sehe darin ein Zeichen, dass die Ewiggestrigen in der Bank noch immer das Sagen hätten.

Unbestritten ist die Expertise von Thoma, der nun offenbar zu unbequem wurde. Lange wirkte er als führender deutscher Repräsentant für die US-Kanzlei Shearman & Sterling und beriet dort unter anderem die Treuhand bei der Privatisierung der DDR-Planwirtschaft. Dabei lernte er Paul Achleitner näher kennen, der in den 90er Jahren für die US-Bank Goldman Sachs ebenfalls mit der Treuhand zusammen arbeitete und Thoma 2013 als Chefaufklärer zur Deutschen Bank holte. Der Branchenprimus hat zwar gerade einen juristischen Erfolg in den Verfahren um die Kirch-Pleite erzielt. Doch noch immer ist sie in zahlreiche Rechtsstreitigkeiten verwickelt. So sollen in Russland mit ihrer Hilfe Kunden Schwarzgeld gewaschen haben, wobei das Institut auch gegen Sanktionen der US-Regierungen verstoßen haben könnte. Auch die Affären um die Manipulationen von Zinssätzen und Devisen und wegen krummer Hypothekengeschäfte in den USA sind nicht ausgestanden.

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