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Sabine Lautenschläger ist künftig  als Vizepräsidentin der Bundesbank für die Bankenaufsicht zuständig.
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Sabine Lautenschläger ist künftig als Vizepräsidentin der Bundesbank für die Bankenaufsicht zuständig.

Bundesbank

Mit Charme und großer Hartnäckigkeit

Sabine Lautenschläger kann eine Bilderbuchkarriere in der Bankenaufsicht vorweisen. Nun folgte ihr bisheriger Höhepunkt: Die Juristin ist neue Vizepräsidentin der Bundesbank. Laute Töne braucht Lautenschläger dafür nicht.

Von Anna Sleegers

Der Kontrast könnte kaum größer sein. Bei der feierlichen Verabschiedung ihres Vorgängers drohte man Sabine Lautenschläger, die seit Mittwoch Vizepräsidentin der Deutschen Bundesbank ist, glatt zu übersehen. Die kleine Frau mit den kurz geschnittenen Haaren und der kantigen Kunststoffbrille schien fast zu verschwinden neben dem hochgewachsenen Franz-Christoph Zeitler mit seinem schlohweißen Haarkranz. Während sich der Bayer mit einer launigen Rede von seinem Amt als Vizepräsident der Deutschen Bundesbank in den Ruhestand verabschiedete, hielt sie sich im Hintergrund.

Eine Frage der Etikette, als Neue auf einer Verabschiedung nicht das Wort an sich zu reißen? Vielleicht. Fest steht jedoch, dass Lautenschläger in der Frankfurter Institution erst noch heimisch werden muss. Denn die Juristin ist nicht nur privat fest verwurzelt im Rheinland. Als Exekutivdirektorin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht – kurz Bafin – galt sie als führender Kopf einer bei der Beaufsichtigung von Banken konkurrierenden Behörde.

"Klassische Rollenverteilung – nur umgekehrt"

Als Lautenschläger 1995 dort anheuerte, legte die damals 31-Jährige eine Blitzkarriere hin. Nach vier Monaten bei der Behörde bekam sie die Chance, die Pressestelle der Behörde aufzubauen, eine Aufgabe, die sie mit Bravour meisterte. Geholfen hat ihr dabei ein stabiles Familienleben. Während Lautenschläger Karriere machte, stellte ihr Mann seine beruflichen Ambitionen zurück und kümmerte sich um die damals noch kleine Tochter. „Wir haben eine ganz klassische Rollenverteilung – nur umgekehrt“, sagte sie einmal.

Lautenschläger wird offenbar als verlässlicher Partner geschätzt. Als die Behörde mit Jochen Sanio einen neuen Chef bekommt, setzt sich ihre Karriere nahtlos fort. Bald wird sie als Sanios Nachfolgerin gehandelt. Bis heute gilt sie als enge Vertraute des Behördenchefs, der immer wieder mit markigen Statements für Aufsehen sorgt.

Lautenschlägers Sache sind die lauten Töne dagegen nicht. Sie verhandelt mit Charme und Hartnäckigkeit. Mitarbeiter und Verhandlungspartner attestieren ihr genügend Ehrgeiz und fachliche Neugier, um sich innerhalb kürzester Zeit durch Aktenberge zu fressen. Ihre Bilderbuchkarriere in der Bankenaufsicht verdankt sie daher auch einer Eigenschaft, die üblicherweise eher als Karrierebremse für Frauen gilt. Vermutlich liegt ihr Erfolgsrezept darin, sich das Fachwissen nicht nur anzueignen, sondern ihre fundierte Position dann auch souverän und mit dem nötigen Nachdruck zu vertreten.

Gelegenheiten dazu boten sich genügend. Seit sie auf dem Höhepunkt der Finanzkrise die Leitung der Bankenaufsicht übernahm, verhandelte sie mit Vertretern von Bundesregierung, Bundesbank und Kreditwirtschaft auf zahlreichen nächtlichen Krisentreffen über die Zukunft angeschlagener Institute.

Banker loben ihre fachliche Kompetenz. Sie hatten auch gute Gründe, sich mit Lautenschläger gut zu stellen. Als Aufseherin bei der Bafin hatte sie die Macht, Banken zu schließen, wenn ihr Risikomanagement zu wünschen übrig ließ. Und auch so manchem hoffnungsvollen Kandidaten für den Vorstandsposten einer Bank verschlossen sich die Türen, wenn sie an seiner Eignung zweifelte.

Diesen Teil der Macht nimmt sie nicht mit in ihr neues Amt bei der Bundesbank. Läuft etwas schief in der Kreditwirtschaft, ist es Sache der Bafin, durchzugreifen. Die Bundesbank beschränkt sich darauf, gemeinsam mit der Bafin die Bank- und Systemrisiken zu prüfen. Diese Verantwortung liegt Lautenschläger besonders am Herzen, nachdem die Finanzkrise offenbarte, wie leichtfertig viele Institute mit den durch die Deregulierung geschaffenen Spielräumen umgingen.

Nun hat sie die Macht, das Rad wieder ein Stück weit zurückzudrehen. Denn wenn die Notenbanker der Welt im Baseler Ausschuss und bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich neue Spielregeln für die Kreditwirtschaft entwickeln, hat das Wort der Vizepräsidentin der Deutschen Bundesbank Gewicht.

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