Carsharing

Wie Sixt gegen Uber, BMW und Daimler antreten will

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Wenn es um Mobilitätsdienste der Zukunft geht, fallen Namen wie Uber, BMW und Daimler. Nun steigt auch der Familienkonzern Sixt in den Ring.

Es hat Züge eines Hypes. Auf knapp 400 Milliarden Euro schätzt die Beraterfirma PwC bis 2030 allein in Europa das Marktvolumen für Mobilitätsdienste. Im März oder April geht voraussichtlich der US-Fahrenvermittler Lyft an die Börse, bald danach wohl der große Rivale Uber. Lyft wurde zuletzt mit rund 15 Milliarden Dollar bewertet. Bei Uber sind es gut 70 Milliarden Dollar. In Deutschland haben die Konkurrenten BMW und Daimler soeben eine Allianz für Mobilitätsdienste geschmiedet. Ernsthaft mitmischen will auch ein Mittelständler aus Pullach bei München, dem es nicht gerade an Selbstbewusstsein mangelt. Es ist der Autovermieter Sixt, der den Mobilitätsmarkt weltweit aufmischen will.

Als Sixt-Pläne dazu publik geworden sind, hat die Aktie um zeitweise ein Zehntel zugelegt. Börsianer nehmen den von der eigenwilligen Gründerfamilie Sixt kontrollierten Mittelständler ernst, obwohl er mit nicht einmal vier Milliarden Euro Marktkapitalisierung ein wahrer David unter den Goliaths ist, die sich zum Erobern der Mobilitätsmärkte rüsten.

„Wir müssen keine Milliardenverluste ausweisen, um ein Angebot zu schaffen, denn das haben wir schon“, ätzt Großaktionär und Firmenchef Erich Sixt. Er spielt damit auf die Summe an, die BMW und Daimler in den Aufbau ihrer Mobilitätsdienste stecken wollen sowie operative Milliardendefizite von Uber. Sixt dagegen sieht sich als weltweit profitabelster Autovermieter und will das trotz Einstieg in Carsharing und Fahrdienste auch bleiben.

Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Denn Sixt kann wie kein Konkurrent Synergieeffekte nutzen. Per kostengünstiger Nachrüstung lasse sich die 240 000 Wagen umfassende Mietwagenflotte Carsharing-fähig machen, sagen die Pullacher. Derzeit würden täglich hunderte Mietwagen als Carsharing-Autos dual einsetzbar gemacht. Anders als bestehende Carsharing-Anbieter könne Sixt so auch profitabel in mittlere und kleine Städten vordringen.

David gegen die Goliaths

Sixt Share heißt das neue Angebot, das in Berlin startet. Es ist ein Comeback, nachdem der nun mit Daimler kooperierende Ex-Partner BMW die Pullacher aus der gemeinsamen Carsharing-Tochter Drive Now herausgekauft hat. Im kommenden Quartal werde Sixt Share in weiteren drei deutschen Großstädten angeboten und Ende 2019 in ersten europäischen Metropolen, sagt Firmenjunior Alexander Sixt. Mittelfristig ist ein Ausrollen auf gut 500 deutsche Standorte und über 2200 Städte weltweit geplant.

Beim Anbieten von Fahrdiensten wiederum ist dem für aggressive Werbung bekannten Familienkonzern ein Clou gelungen. Für dieses unter Sixt Ride firmierende Geschäft wurden weltweit gut 1500 Partner in 250 Großstädten gewonnen, unter denen Lyft hervorsticht und das deutsche Taxigewerbe ebenfalls als strategisch kluger Schachzug gelten darf. Aus dem Stand hat Sixt damit Zugriff auf über eine Million Fahrer.

Digital verknüpft sind Mietgeschäft, Fahrdienste und Carsharing ab sofort über eine einzige App, die Sixt selbst entwickelt hat. Über sie kann global gebucht und bargeldlos bezahlt werden. An einer solchen App arbeiten die Carsharing-Partner BMW und Daimler erst noch, merkt Sixt senior bissig an. Einen Zeitplan für diese App und damit einen echten gemeinsamen Marktauftritt hat das Premiumduo noch nicht. Die neue Sixt-App sei die erste weltweit, die Kunden über alle Mobilitätsvarianten hinweg vernetzt, sagen die Pullacher. Sixt One nennen sie ihre Plattform, die offen für weitere Mobilitätsdienstleister oder auch Autobauer sei. „Wir reichen allen Anbietern moderner Mobilität die Hand“, wirbt Sixt.

Auch falls Autobauer das ausschlagen, komme man zurecht, versichert Sixt. Die eigenen 20 Millionen Mietkunden seien ein Pfund, mit dem man beim Carsharing und Fahrdiensten wuchern könne. Bei Ersterem tritt Sixt mit Kampfpreisen ab 19 Cent je Kilometer an, wobei die mit der Nachfrage steigen. Marktüblich sind derzeit 30 Cent. Während Daimler und BMW nur ihre eigenen Marken bieten können, verfüge Sixt über mehr als 400 Modelle von 20 Autobauern. „Wir stellen Autos hin, andere stellen Autos her“, sagt Alexander Sixt. Die Welt werde besser, wenn weniger Menschen ein eigenes Auto hätten, merkt er angesichts global sieben Milliarden Staustunden jährlich an.

Sein 74-jähriger Vater betont strategische Vorteile. „Carsharing und Autovermieten werden zusammenwachsen“, sagt er voraus. Ob man ein Auto nur wenige Minuten oder mehrere Wochen mieten will, sei bei Sixt nun ein fließender Übergang, den derzeit kein Wettbewerber bieten kann. David sieht sich in der Poleposition.

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