Carsharing

Carsharing: BMW und Daimler fahren langsam an

  • Thomas Magenheim-Hörmann
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Die gemeinsamen Mobilitätsdienste der Autohersteller suchen noch Partner und organisieren sich neu.

Bei den gemeinsamen Mobilitätsdiensten der Premiumhersteller Daimler und BMW läuft es offenbar nicht wirklich rund. Erst hatte es seit dem gemeinsamen Startschuss im Februar neun Monate bis Mitte November gedauert, bis im Carsharing aus Car2Go (Daimler) und Drive Now (BMW) Kunden endlich eine gemeinsame App präsentiert werden konnte. Nun suchen Daimler und BMW nicht nur nach Partnern und Investoren für ihre Mobilitätsdienste, wie eine Firmensprecherin bestätigte. Von den bislang 27 weltweit im Carsharing bedienten Städten würden demnächst zudem diejenigen ausgemustert, in denen sich das Teilen von Autos nicht profitabel betreiben lasse. Welche das sind oder wie viele Städte aus dem Angebot gestrichen werden, bleibt noch geheim.

Auch organisatorisch ändert sich einiges, bei den unter dem Begriff Your Now seit Februar vereinten Mobilitätsaktivitäten. Zum Jahreswechsel werde eine neue Holding aktiv, die alle Mobilitätsdienste unter ein Dach stellt, erklärten beide Premiumpartner. Bessere Kontrolle und Profitabilität seien das Ziel, ergänzte eine Sprecherin. Aus operativ fünf werden drei Einheiten gemacht. Das sind Free Now für Fahrdienste und -vermittlungen aller Art, Share Now als Carsharing-Tochter und Park Now & Charge Now als Anbieter für elektrische Ladeinfrastruktur sowie innerstädtischen Parkraum. Free Now ist der neue Name für die frühere Daimler-App Mytaxi. In ihr aufgehen soll 2020 nun der Fahrtenvermittler Free Now.

Über alle Mobilitätsdienste hinweg bedienen Daimler und BMW aktuell rund 90 Millionen Kunden weltweit. Gegenüber Anfang 2019 sei das eine Steigerung um 44 Prozent, heißt es. Dieses Wachstum geht aber offenbar mehr oder weniger ausschließlich auf Free Now zurück. 2019 steuere auf die Vermittlung von weltweit fast 300 Millionen Fahrten zu, was 120 Prozent Wachstum entspricht, bilanzieren Daimler und BMW. Damit erreiche der Plattformumsatz, also der Wert vermittelter Fahrten 2019 voraussichtlich 2,4 Milliarden Euro, sagte Free-Now-Chef Marc Berg der Nachrichtenagentur Bloomberg. Auch 2020 plant er mit einer Verdoppelung des Geschäfts mit Fahrtenvermittlung, das in etwa der Hälfte der weltweit 130 bedienten Städte bereits profitabel sei.

Anders sieht es beim Carsharing mittels Share Now aus. Hier stehen künftig Städte im Mittelpunkt, die langfristig profitables Wachstum versprechen, weshalb derzeit in diesem Bereich eine Neustrukturierung geprüft wird. Aussortiert würden nicht primär kleinere Städte, ergänzte eine Sprecherin. Entscheidendes Kriterium seien vielmehr innerstädtische Parkmöglichkeiten für Carsharing-Autos. Seit Anfang 2019 haben Daimler und BMW mit ihren operativ lange noch getrennt aktiven Carsharing-Töchtern nach eigenen Angaben gut eine Million Neukunden gewonnen. Wie viele sie damit aktuell insgesamt haben, bleibt offen, weil die Bereinigung um fusionsbedingt doppelt gezählte Kunden noch andauert.

Mit dem neuen Jahr würden mit Blick auf alle gemeinsamen Mobilitätsdienste die Weichen für die nächste Ausbaustufe gestellt, erklärten Daimler und BMW. Dabei würden Partnerschaften immer wichtiger.

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