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Bundesbankchef Nagel mahnt raschen Kurswechsel bei EZB-Kollegen an: „Müssen bei Zinsen rechtzeitig handeln“

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Joachim Nagel, Präsident der Bundesbank.
Angesichts der hohen Inflation bringt Bundesbankpräsident Joachim Nagel eine Zinswende im Euroraum noch in diesem Jahr ins Spiel.  © picture alliance / dpa

Im Kampf gegen die steigende Inflation drängt der neue Bundesbankchef Joachim Nagel auf einen raschen Kurswechsel durch die EZB.

Frankfurt/Berlin - Angesichts der hohen Inflation bringt Bundesbankpräsident Joachim Nagel eine Zinswende im Euroraum noch in diesem Jahr ins Spiel. Im ersten Interview seit seinem Amtsantritt im Januar plädierte er dafür, dass die Europäische Zentralbank (EZB) rasch gegensteuert*.

Zinspolitik: Bundesbankchef warnt vor zu spätem Handeln

„Wenn sich das Bild bis März nicht ändern sollte, werde ich mich dafür aussprechen, die Geldpolitik zu normalisieren“, sagte Nagel der Wochenzeitung Die Zeit. Zunächst müssten dann die Anleihenkäufe aufhören. „Der erste Schritt ist, die Nettoankäufe von Anleihen im Laufe des Jahres 2022 zu beenden. Dann könnten die Zinsen noch in diesem Jahr steigen.“ Nagel warnte davor, zu lange mit der geldpolitischen Normalisierung zu warten: „Nach meiner Einschätzung sind die ökonomischen Kosten deutlich höher, wenn wir zu spät handeln, als wenn wir frühzeitig handeln.“

Darauf angesprochen sagte EZB-Direktorin Isabel Schnabel am Mittwoch in einer Frage- und Antwort-Runde auf Twitter: „Wir müssen beide Gefahren minimieren - zu spät zu handeln und zu frühzeitig zu handeln“. Überzogene Inflationserwartungen könnten allerdings eine Zinswende erfordern.

Schnabel versicherte, die EZB nehme die Sorgen über steigende Preise sehr ernst. Die EU-Bürger könnten darauf bauen, dass die Zentralbank alle Hebel in Bewegung setzen werde, damit das Inflationsziel mittelfristig erreicht werde. Sollte die EZB zu dem Urteil gelangen, dass die Teuerung auf mittlere Sicht über der Zielmarke verharren werde, würden die Instrumente je nach Bedarf angepasst.

EZB: Zinswende gegen Jahresende?

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte vergangene Woche nach der jüngsten Zinssitzung ihre frühere Einschätzung nicht mehr wiederholt, wonach eine Zinswende 2022 sehr unwahrscheinlich sei. Die Währungshüter beließen den geldpolitischen Schlüsselsatz auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Banken müssen zudem weiterhin Strafzinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der EZB parken. Der sogenannte Einlagesatz bleibt bei minus 0,5 Prozent. Insidern zufolge wollten einige Währungshüter auf der Sitzung bereits Schritte zur Eindämmung der Inflation einleiten.

An den Börsen waren nach Lagardes Bemerkungen die Zinsspekulationen ins Kraut geschossen. Die EZB-Chefin hatte daraufhin am Montag versucht, die Inflationssorgen etwas zu dämpfen. Es gebe keine Signale, dass sich die Teuerung auf mittlere Sicht hartnäckig und deutlich über der EZB-Zielmarke von zwei Prozent festsetzen werde, was eine nennenswerte Straffung der Geldpolitik erfordern würde*. Die EZB hat seit 2011 über die Zinsschraube die Kreditkosten nicht mehr verteuert. Auch der niederländische Notenbankchef Klaas Knot hatte jüngst eine Zinswende noch in diesem Jahr ins Gespräch gebracht. Er rechnet mit einer Erhöhung „um das vierte Quartal herum“, wobei wohl eine Anhebung um einen Viertel Punkt angezeigt sei. (rtr)

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