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Bundesbankpräsident Jens Weidmann geht vorzeitig.
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Bundesbankpräsident Jens Weidmann geht vorzeitig.

Bundesbank

Bundesbank: Wer Präsident Jens Weidmann folgen könnte

  • VonRolf Obertreis
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Die Suche nach einem neuen Präsidenten der Bundesbank läuft. Frauen haben bei der Nachfolge von Jens Weidmann nur geringe Chancen.

Das Bedauern ist groß, zum Teil auch das Unverständnis. Wenn deutsche Notenbankerinnen und Notenbanker immer vorzeitig den Hut nehmen würden, sei das kein gutes Zeichen, sagt ein Frankfurter Großbanker. Bundesbankpräsident Jens Weidmann hatte am 20. Oktober angekündigt, sein Amt zum Jahresende aus persönlichen Gründen niederzulegen, mehr als fünf Jahre vor dem Ende seines Vertrags. Noch ist unklar, wer ihm folgen soll.

Die neue Bundesregierung muss eine Kandidatin oder einen Kandidaten vorschlagen, dann entscheidet der Vorstand der Bundesbank. Die Financial Times will erfahren haben, dass Ex-Bundesbanker und Ex-KfW-Vorstandsmitglied Joachim Nagel die besten Chancen hat. Das SPD-Mitglied sei der bevorzugte Kandidat des designierten Bundeskanzlers Olaf Scholz (SPD). Ein Sprecher lehnt einen Kommentar ab. Klar ist nur: Zum 1. Januar wird es noch keinen Nachfolger von Weidmann geben können.

Bundesbank: Eine lange Liste vorzeitiger Abschiede

Die Reihe der deutschen Notenbanker, die vorzeitig gegangen sind, ist lang: Jürgen Stark, Ex-Chef-Ökonom der Europäischen Zentralbank (EZB), Sabine Lautenschläger, Direktoriumsmitglied der EZB, Axel Weber, Vorgänger von Weidmann bei der Bundesbank, Ex-Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl, der im Streit über die deutsch-deutsche Währungsunion seinen Hut nahm. Und jetzt Weidmann, der, vermuten viele, aus Verärgerung über die in seinen Augen zu lockere Geldpolitik der EZB geht.

Wer soll ihm folgen? Soll es ein „Falke“ sein, der ähnlich wie Weidmann für eine striktere Geldpolitik eintritt? Oder jemand, der den lockeren Kurs der EZB unterstützt, also eine „Taube“? Oder jemand, der dazwischen steht? Die FDP setzt auf eine Person in der Tradition Weidmanns, eine Anwältin oder einen Anwalt einer stabilitätsorientierten Geldpolitik in Europa. Ähnlich sehen es Ökonomen in Frankfurt wie Michael Holstein, Chef-Volkswirt der DZ Bank. Deutschland solle im EZB-Rat mit einer Position vertreten sein wie bisher. „Es wäre nicht gut, wenn jemand käme, der das Lager wechselt.“ Die Grünen wollen wohl eher jemanden, der zwischen beiden Polen steht. Co-Chef Robert Habeck wünscht sich eine Notenbank auf Höhe der Zeit. Die SPD dürfte für einen großzügigeren Kurs votieren.

Schafft es eine Frau an die Bundesbank-Spitze?

Viele wünschen sich eine Frau an der Spitze der Bundesbank. Allerdings ist die Liste der möglichen männlichen Kandidaten länger. In Frankfurter Finanzkreisen könnte man sich Joachim Nagel gut als Nachfolger Weidmanns vorstellen, so wie es angeblich auch Scholz im Sinn hat. Nagel saß sechs Jahre im Vorstand der Bundesbank. 2017 wechselte der 55-Jährige in den Vorstand der KfW. Anfang 2020 ging der promovierte Volkswirt überraschend nach Basel zur Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), der Notenbank der Notenbanken. Dort leitet er das Bankenressort. SPD-Mitglied Nagel gilt als versierter Notenbanker, der eher auf der Linie von Weidmann liegt.

Zwei weitere Namen kommen aus dem Bundesfinanzministerium. Der eine ist Staatssekretär Jörg Kukies. Der frühere 53-jährige Investmentbanker der US-Großbank Goldman Sachs dürfte seinen Job unter dem neuen Finanzminister Christian Lindner verlieren. Gehandelt wird auch Jakob von Weizsäcker, Chef-Volkswirt im Finanzministerium. Aber seine Berufung gilt als unwahrscheinlich.

Bundesbank-Nachfolge: Viele Namen, keine Klarheit

Mit Blick auf die Frauen fällt der Name der Vize-Präsidentin Claudia Buch. Die will das nicht kommentieren. Die 55-jährige Ökonomin sitzt seit 2014 im Vorstand der Bundesbank und kümmert sich vor allem um Fragen der Finanzstabilität.

Höher gehandelt wird Isabel Schnabel. Sie gehört seit Anfang 2020 dem Direktorium der EZB an und verteidigt deren Kurs, wird aber auch als offen für die Argumente der Falken eingeschätzt. Und sie plädiert klarer als Weidmann für ein Engagement der EZB in Sachen Klimaschutz etwa über den Kauf grüner Anleihen. Allerdings soll Schnabel mittlerweile aus dem Rennen sein.

Noch im Rennen ist dagegen Sabine Mauderer, die seit 2018 dem Vorstand der Bundesbank angehört. Die frühere Vorständin der Förderbank KfW kümmert sich intensiv um grüne Finanzen, weshalb sie angeblich für die Grünen interessant sein könnte. Auch über Veronika Grimm wird gesprochen. Die Wirtschaftsprofessorin der Universität Nürnberg-Erlangen zählt zu den Wirtschaftsweisen, ist seit 2020 Mitglied im Sachverständigenrat.

Nach Ansicht von Beobachter:innen wie DZ-Bank-Ökonom Holstein wird die Besetzung der Bundesbankspitze Teil eines Personalpakets sein. Unbesetzt ist derzeit auch die Spitze des Sachverständigenrates. Und sollte Schnabel für die Aufgabe an der Spitze der Bundesbank vorgeschlagen werden, würde eine Deutsche oder ein Deutscher ihre Stelle bei der EZB übernehmen. Da wird dann auf den Frankfurter Geld-Professor Volker Wieland verwiesen.

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