Finanzstabilitätsbericht

Bundesbank warnt vor wachsenden Risiken

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Die Bundesbank warnt vor wachsenden Risiken im Finanzsystem.

Ein Mal im Jahr veröffentlicht die Bundesbank den Finanzstabilitätsbericht, in dem sie Einschätzungen dazu gibt, wie gut das deutsche Finanzsystem für mögliche Krisen gerüstet ist. In diesem Jahr sind die Botschaften des Berichts alles andere als beruhigend. „Die Verwundbarkeiten haben sich im vergangenen Jahr weiter verstärkt“, sagte die für Finanzstabilität zuständige Bundesbank-Vorständin Claudia Buch am Mittwoch vor Journalisten. Auf die Frage, ob sie entspannt oder besorgt auf das deutsche Finanzwesen blicke, antwortete sie: „Wir sind nicht total entspannt. Wir sehen zyklische Risiken.“ Der für Bankenaufsicht zuständige Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling ergänzte: „Wir sind auf alles vorbereitet“.

Appell an die Banken

Hintergrund ist, dass die deutsche Wirtschaft sich im längsten Aufschwung seit der Wiedervereinigung befindet. Die Sorge der Bundesbank, die in Deutschland in Arbeitsteilung mit der Bafin und der Europäischen Zentralbank die Finanzinstitute beaufsichtigt, ist, dass Banken und Versicherungen zu optimistische Zukunftsannahmen machen und die Gefahren – Zinsänderungs-, Kredit- und Immobilienrisiken – systematisch unterschätzen. Dabei überwögen inzwischen die konjunkturellen Abwärtsrisiken.

Der Frühwarnindikator der Bundesbank, der auf mögliche bevorstehende Finanzkrisen hinweist, ist seit Ende 2015 deutlich gestiegen, heißt es in dem Stabilitätsbericht. Hauptgrund dafür ist die Entwicklung am deutschen Immobilienmarkt. Die Bundesbank schätzt, dass im vergangenen Jahr Wohnimmobilien in städtischen Gebieten um 15 bis 30 Prozent überbewertet wurden.

Im Fall einer Wirtschaftskrise bestehe somit die Gefahr, dass der Wert der Kreditsicherheiten überschätzt werde. Der Erlös der Immobilien würde womöglich nicht ausreichen, um Verluste aus Kreditausfällen auszugleichen. Das würde deutsche Banken stark treffen, da rund 51 Prozent der gesamten Bankkredite auf Wohnungsbaukredite entfallen.

Zudem vergäben die Banken immer mehr Immobilienkredite mit einer Zinsbindung von länger als zehn Jahren, so die Bundesbank. Das sei zwar schön für die Schuldner, aber im Falle steigender Zinsen problematisch für die Banken. Außerdem gebe es Hinweise darauf, dass die Finanzinstitute ihre Vergabestandards für Kredite zuletzt gelockert haben.

Bundesbank-Vorständin Buch wies mehrfach darauf hin, dass die deutsche Bankenaufsicht – anders als andere europäische Aufseher – zu wenig Daten über den Immobilienmarkt von den Banken bekommt. Grund ist eine Gesetzeslücke, die der Bundestag bislang nicht schließen will. 
Aufmerksam beäugt die Bundesbank auch die sich beschleunigende Kreditvergabe deutscher Banken an inländische Unternehmen. Überproportional zugenommen hat dabei die Kreditvergabe an riskantere Unternehmen.

Die Banken hätten in den vergangenen Jahren zwar Eigenkapitalpuffer aufgebaut, heißt es in dem Finanzstabilitätsbericht. Diese würden aber im Fall einer Krise möglicherweise nicht ausreichen. Beide Bundesbank-Vorstände appellierten an die Institute, mehr Eigenkapital aufzubauen. Wuermeling drohte den Instituten aber recht unverhohlen: „Wir fordern alle auf, zu handeln. Wir können das aber auch über antizyklische Kapitalpuffer verordnen“, sagte er. Die Bafin kann allen deutschen Finanzhäusern diesen Puffer von bis zu 2,5 Prozent mehr Eigenkapital auferlegen. 

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