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Bundesbank warnt vor unterschätzten Risiken

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Von: Nina Luttmer

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Die Banken seien zu optimistisch, mahnt die Bundesbank. Trotz drohender Insolvenzen hätten die Geldhäuser ihren Puffer kaum ausgebaut.

Ein Mal im Jahr veröffentlicht die Deutsche Bundesbank ihren Finanzstabilitätsbericht, in dem sie die Lage und Aussichten des deutschen Finanzsektors bewertet. Dabei widmet sie den Schwachstellen der Banken und Versicherer naturgemäß stets viel Raum - denn eben diese könnten ja die Finanzstabilität bedrohen. Im diesjährigen Bericht, den die Bundesbank am Donnerstag vorstellte, schienen die mahnenden Sätze jedoch noch einmal deutlich eindringlicher gefasst als sonst.

„Die realwirtschaftlichen Risiken haben deutlich zugenommen“, sagte Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch anlässlich der Vorstellung des Berichts - und: Das deutsche Finanzsystem sei sehr verwundbar. „Das heißt, wir müssen jetzt wirklich Sorge tragen, dass aus den Verwundbarkeiten, die wir schon gesehen haben, keine Verletzungen werden, die dann später nur sehr schwer zu heilen sind“, so Buch.

Auffällig oft weist die Bundesbank in ihrem Bericht darauf hin, dass die deutschen Kreditinstitute die Gefahren, denen sie angesichts einer möglichen Rezession ausgesetzt sind, womöglich unterschätzten - und zu nachlässig agierten. Während der globalen Finanzkrise und der Corona-Pandemie sei das deutsche Finanzsystem weitgehend von Verlusten verschont geblieben - nicht zuletzt wegen der umfangreichen staatlichen Unterstützungsmaßnahmen. „Dadurch besteht nun die Gefahr, dass Risiken systematisch unterschätzt werden und Marktteilnehmer ihre Risikoeinschätzung in Abschwung- und Krisenphasen nur unzureichend anpassen“, heißt es im Bericht. Einfacher gesprochen: Da es in den vergangenen Jahren ja nie so schlimm gekommen ist wie befürchtet und auch der Staat oft helfend eingegriffen hat, könnte die Finanzbranche davon ausgehen, dass es auch diesmal alles glimpflich abläuft - und sich auf keine schlimmeren Szenarien vorbereiten.

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen werde im kommenden Jahr aber zunehmen, prognostizieren die Bundesbanker:innen. „Kreditausfälle werden ein ständiger Begleiter 2023 sein“, sagte der für Banken und Finanzaufsicht zuständige Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling. Und erklärte mit Blick auf die Kreditinstitute: „Es wundert uns, dass so wenig zusätzliche Risikovorsorge aufgebaut wird.“ Die Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite sei sogar leicht gesunken, obgleich die Gefahren stiegen.

„Der Anteil relativ riskanter Unternehmen im Kreditportfolio der Banken ist hoch“, heißt es zudem im Finanzstabilitätsbericht. Unternehmen mit relativ hoher Verschuldung seien in den Kreditportfolios der Banken überdurchschnittlich stark vertreten. Trotz aller negativen Wirtschaftsaussichten vergeben die Banken aber weiterhin in großem Stil Kredite. Das Neugeschäftsvolumen an Unternehmen erreichte im Juni 2022 den höchsten Stand seit Beginn der Zeitreihe der Bundesbank im Jahr 2003 und bewegte sich im September immer noch auf einem sehr hohen Niveau. „Es gibt keine Kreditklemme“, sagte Bundesbank-Vizechefin Buch - was für die wirtschaftliche Entwicklung zunächst einmal positiv ist.

Ebenfalls positiv bewertet die Bundesbank, dass die deutschen Institute auf Geheiß der Finanzaufsicht Bafin seit diesem Jahr einen antizyklischen Kapitalpuffer sowie einen Kapitalpuffer für Risiken im Wohnimmobilienbereich vorhalten müssen. Das gibt den Instituten in schwierigen Zeiten auf der Kapitalseite Spielraum.

Ob der vielen Risiken mahnt die Bundesbank die Finanzhäuser aber in dem Bericht wiederholt, nur sehr zurückhaltend Gewinne an Aktionärinnen und Aktionäre auszuschütten und das Geld besser für schlechte Zeiten zu thesaurieren. Das allerdings dürfte den Instituten schwer fallen: Viele deutsche Finanzhäuser haben in den vergangenen Jahren angesichts massiver interner Probleme und Umstrukturierungen nur wenig ausgeschüttet und stehen nun unter Druck, ihre Anteilseignerinner und -eigner endlich wieder zu beteiligen. Bislang, betonte Wuermeling, könne die Bundesbank aber nicht erkennen, dass die Institute ihre Ausschüttungen im Verhältnis zur Bilanzsumme stark ausweiten wollten.

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