Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Viele Immobilien sind inzwischen überbewertet, meint die Bundesbank.
+
Viele Immobilien sind inzwischen überbewertet, meint die Bundesbank.

Finanzstabilitätsbericht

Bundesbank warnt vor Risiken

  • Nina Luttmer
    VonNina Luttmer
    schließen

Vor allem der überhitzte Immobilienmarkt könnte die Stabilität des Finanzsystems gefährden, meint die Bundesbank. Sie fordert höhere Kapitalpuffer für Banken.

Die Deutsche Bundesbank hat vor einer wachsenden Verwundbarkeit des deutschen Finanzsystems – sprich vor allem der Banken, Sparkassen und Versicherer – gewarnt. Insbesondere über die Lage auf dem Wohnimmobilienmarkt sei die Bundesbank „zunehmend besorgt“, sagte die Vizepräsidentin der Behörde, Claudia Buch, am Donnerstag bei der Vorstellung des jährlich erscheinenden Finanzstabilitätsberichts.

Die bestehenden Preisübertreibungen bei Wohnimmobilien hätten sich im Jahr 2020 weiter erhöht, heißt es in dem Bericht. Sie lägen bei geschätzten zehn bis 30 Prozent – und zwar nicht mehr nur in Ballungsräumen, sondern auch in ländlicheren Regionen. Zudem glaubten 88 Prozent der befragten privaten Haushalte, dass die Preise weiter steigen werden. „Die Auswirkungen von Preiskorrekturen könnten unterschätzt werden“, warnte Buch – und zwar nicht nur von den Kreditnehmer:innen, sondern auch von den kreditgebenden Finanzinstituten.

Die haben die Vergabe von Wohnungsbaukrediten weiter ausgebaut, der Kreditbestand in diesem Segment wuchs 2020 um 6,5 Prozent. Gleichzeitig ist laut dem Bundesbankbericht die Verschuldung privater Haushalte im Verhältnis zum Einkommen seit Ende 2018 kontinuierlich gestiegen. „Es würde die Finanzstabilität gefährden, wenn am Immobilienmarkt eine destabilisierende Dynamik einsetzt, bei der steigende Kreditvolumina und Preise mit einer geringeren Schuldentragfähigkeit der Kreditnehmer einhergingen“, so die Warnung im Bericht.

Ein Hinweis auf eine solche gefährliche Entwicklung könnten gelockerte Kreditvergabestandards der Kreditinstitute sein – die die Bundesbank bislang aber noch nicht erkennen kann.

Mehr schwache Unternehmen im Portfolio

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hatte jüngst in ihrem Finanzstabilitätsbericht vor zunehmenden Risiken auf Immobilienmärkten gewarnt. Die Bundesbank plädiert nun dafür, die sogenannten antizyklischen Kapitalpuffer der Banken wieder zu erhöhen, wie es einige europäische Länder bereits getan haben. Dieser Puffer war im Jahr 2019 auf 0,25 Prozent angesetzt worden, im Zuge der Pandemie hatte ihn die Aufsicht zum 1. April vergangenen Jahres aber wieder auf null Prozent gesenkt. Dieser zusätzliche Kapitalpuffer soll die Widerstandsfähigkeit von Banken in Krisenzeiten erhöhen. „Jetzt ist die richtige Zeit für Prävention gegen Risiken“, begründete Buch die geforderte Erhöhung. Dabei hat die Bundesbank aber nicht nur die aus dem Immobilienmarkt resultierenden Risiken im Blick.

Als weitere potenzielle Gefahr nennt sie im Bericht die Tatsache, dass die Banken vermehrt Kredite an eher schwächere Unternehmen in ihren Portfolios hätten – und die damit einhergehenden Risiken und die eigentlich erforderliche Risikovorsorge womöglich unterschätzten.

Gefährlich werden könnte laut Bundesbank auch das Zinsänderungsrisiko, das vor allem kleine und mittelgroße Kreditinstitute in Deutschland betrifft. Sollte die Inflation sich als dauerhaft hoch erweisen oder noch anziehen, werden die Zinsen vermutlich steigen. „Bei Banken würden in der kurzen Frist die Finanzierungskosten stärker steigen als die Zinseinnahmen“, heißt es. Zumal viele deutsche Banken ihre Kredite mit langen Laufzeiten vergeben und somit nicht zügig reagieren können.

Versicherungsunternehmen könnten zwar von höheren Zinsen profitieren. Denn ihnen fällt es derzeit schwer, „ausreichende Renditen zu erzielen, um Verpflichtungen aus den teils hohen Zinsgarantien gegenüber Versicherungsnehmern“ zu erfüllen. Ein sehr starker Anstieg wäre jedoch „kurzfristig mit Liquiditätsrisiken verbunden, da Versicherungsnehmer aufgrund attraktiverer Alternativanlagen verstärkt ihre Verträge kündigen könnten“, heißt es im Bericht.

„Das Finanzsystem hat während der Pandemie gut funktioniert.“

Bundesbank-Vizepräsidentin Buch betonte, dass der deutsche Bankensektor mit einer nur begrenzten konjunkturellen Erholung – statt des bislang erwarteten ordentlichen Aufschwungs – gut umgehen könne. Die Versorgung der Realwirtschaft mit Krediten würde in dem Fall nicht leiden. Anders dagegen wäre es, wenn die Erholung ausbleiben oder ein Einbruch kommen sollte. Dann seien negative Rückkopplungen zwischen Banken und Realwirtschaft möglich. Auch deswegen sei die Wiedereinführung des antizyklischen Kapitalpuffers nötig.

Mit Blick auf die Vergangenheit hält die Bundesbank aber fest: „Das Finanzsystem hat während der Pandemie gut funktioniert.“ Staatliche Stabilisierungsmaßnahmen hätten die Realwirtschaft und damit indirekt das Finanzsystem geschützt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare