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Die Königsmacher von Red Bull

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Von: Felix Lill

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Chalerm Yoovidhya zeigt sich kaum in der Öffentlichkeit. Eine seltene Ausnahme: 2016 besuchte der Milliardär mit seiner Entourage ein Rennen der Formel 1 in Australien.
Chalerm Yoovidhya zeigt sich kaum in der Öffentlichkeit. Eine seltene Ausnahme: 2016 besuchte der Milliardär mit seiner Entourage ein Rennen der Formel 1 in Australien. © Imago

Red Bull hat seine Wurzeln in Thailand. Wie auch der kürzlich verstorbene Dietrich Mateschitz ist die dortige Eigentümer-Familie Yoovidhya umstritten: Es geht um Macht, Geld und Totschlag.

Die alten Geschichten kochen jetzt wieder hoch. Zum Beispiel, dass der als Hallodri verschriene Enkel einen Polizisten auf dem Gewissen habe, aber nie eine Strafe absitzen musste. Und dass sein Davonkommen natürlich mit seinem Nachnamen zusammenhänge: Wer Yoovidhya heißt, bekäme eben nicht die volle Härte des Gesetzes spüren. Ein Yoovidhya befolge keine allzu müßigen Regeln, er stellt sie höchstens für andere auf. Wie auch dieser Tage in der Frage der Red-Bull-Nachfolge.

Seit dem Tod des Österreichers Dietrich Mateschitz, der aus der Marke Red Bull einen weltweit führenden Getränke- und Marketingkonzern machte, ist in Thailand ein anderer Name in aller Munde: Yoovidhya. Diese Familie ist beim weltweit erfolgreichsten Energydrinkhersteller nämlich noch etwas einflussreicher als die Familie Mateschitz. Die Yoovidhyas halten 51 Prozent der Anteile und reden nun ein Wort bei der Frage mit, wer Red Bull künftig auf österreichischer Seite anführen wird.

Daheim sind die Yoovidhyas noch kontroverser als es Dietrich Mateschitz war, der in den letzten Jahren vor allem durch den Raum auffiel, den er Verschwörungstheoretikern und Rechtsextremen auf seinen Medienplattformen bot. Familie Yoovidhya dürfte die zweitreichste des südostasiatischen Landes mit rund 70 Millionen Menschen sein, gilt als politisch hervorragend vernetzt und dient kritischen Stimmen auch deshalb als eines der schillerndsten Sinnbilder eines korrupten politischen Systems.

Red Bull: Milliarden-Erbe auf der Flucht

„Red-Bull-Erbe auch zehn Jahre später noch auf freiem Fuß“, titelte im September etwa die „Bangkok Post“ und fügte hinzu: „Ein verschrotteter Ferrari, ein toter Polizist und ein Multimilliarden-Dollar-Erbe auf der Flucht – ein Jahrzehnt später ist Thailand kein Stück weiter, einen der notorischsten Fluchtfälle zu lösen.“ Der im Text beschriebene Vorayuth Yoovidhya ist der Enkel des 2012 verstorbenen Chaleo Yoovidhya, der den Red-Bull-Vorläufer Krating Daeng erfunden hatte, in den 1980er Jahren mit Mateschitz Red Bull gründete und einst auch dem thailändischen Senat angehörte.

Der Umsatz von Red Bull seit 2000.
Der Umsatz von Red Bull seit 2000. © Statista/Red Bull/FR

Chaleo Yoovidhyas auf den Spitznamen „Boss“ getaufter Enkel ist einer der berüchtigtsten Promis Thailands, machte immer wieder mit seinem Jetset-Leben und Fotos von teuren Partys und Formel-1-Kursen Schlagzeilen. Als er 2012 in einen tödlichen Unfall verwickelt war, bei dem sein Sportwagen zu Schrott wurde und ein Polizist starb, hätte er vermutlich ins Gefängnis gehen müssen. Jahrelang wich „Boss“ aber Befragungen durch die Polizei aus. 2020 gaben die Behörden dann ihre Bemühungen auf und stellten die Untersuchungen ein – auch weil der Gesuchte längst geflohen war.

Proteste in Thailand gegen Red Bull

In dem südostasiatischen Land, das seit Jahren immer wieder großen Straßenprotesten ausgesetzt ist, bei denen mehr Demokratie und Gerechtigkeit gefordert werden, sorgte der Fall für große Aufregung. In sozialen Medien verbreitete sich der Hashtag “#BoycottRedBull.“ Die Wirtschaftszeitung „Nikkei Asia“ bezeichnete Red Bulls Entwicklung als „vom thailändischen Stolz zum Symbol für Ungleichheit.“ Eine Umfrage der Firma „Super Poll“ ergab im Jahr 2020, dass 91 Prozent der Menschen in Thailand der heimischen Justiz nicht mehr trauen, 82 Prozent den Fall um den „Boss“ als internationale Blamage sehen.

Zwar wurden die Ermittlungen gegen den jungen Yoovidyha nach großem Aufschrei wieder aufgenommen, scheinen aber kaum voranzugehen. Und es ist längst nicht dieser eine Extremfall, der den Menschen sauer aufstößt. Als 2016 die „Panama Papers“ enthüllten, wie Superreiche aus aller Welt Schlupflöcher zur Steuervermeidung nutzen, fand sich auch der Name Yoovidhya in den Dokumenten. Der Clan nutzt demnach seit Jahrzehnten Offshore-Firmen, um Steuern zu sparen und dann Privatjets und Luxusimmobilien zu kaufen, mehrere davon in London. „Die Familie ist nicht nur in Thailand sehr mächtig, sondern auch weltweit“, sagte Pavin Chachavalpongpun, ein Politikprofessor der Universität Kyoto, zuletzt gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Chachavalpongpun weiß, wovon er spricht: Seit Jahren gehört er zu den profiliertesten Kritikern des thailändischen Establishments rund um den König. Nachdem er diesen kritisiert hatte, musste er das Land verlassen, woraufhin er in Japan landete.

Red Bull: Familie mit Milliardenvermögen in Thailand

Die Yoovidhya-Sippe hat zwar nicht annähernd den Status des Königshauses, verfügt aber über viel Einfluss. Mit Geld, so heißt es, lassen sich nicht nur Waren kaufen, sondern auch Narrenfreiheit. Das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ schätzt das Vermögen der Yoovidhyas auf 27 Milliarden Dollar. Laut einer Studie der Bank Credit Suisse besitzt das reichste Prozent der Bevölkerung in Thailand rund 50 Prozent des Vermögens im Land. Thailand ist auch deshalb so sozial ungleich, weil sich immer wieder das mit dem König und der Oberschicht verbandelte Militär an die Macht geputscht hat.

Davon profitieren auch die Yoovidhyas, deren Familienmitglieder neben Thailand auch in London viel Zeit verbringen. Von dort ist es nicht mehr weit nach Fuschl am See, wo die Red Bull GmbH ihren Sitz hat. Und dort dürften dieser Tage heiße Diskussionen über die Nachfolge des verstorbenen Dietrich Mateschitz geführt werden. Dessen 30-jähriger Sohn Mark, der die Red-Bull-Stiftung Wings for Life für die Heilung von Querschnittslähmung mitleitet, gilt als Kandidat. Aber die thailändische Seite lehnt ihn offenbar wegen mangelnder Erfahrung ab.

Wie geht es bei Red Bull weiter?

Aus Thailand leitet seit Jahren der 72-jährige Chalerm Yoovidhya die Geschäfte von Red Bull. Der wie sein langjähriger Partner Dietrich Mateschitz medienscheue Gründersohn ist seit den Panama Papers nicht nur als internationaler Geldverschieber verschrien. Bekannt ist er außerdem für seine Weinproduktion mit Siam Winery sowie als Importeur von Ferraris. Bei Letzterem wiederum unken die überwiegend jungen Demokratieaktivist:innen in Thailand, dass Chalerm Yoovidhya mit dem Luxus-Importgeschäft vor allem seinem Sohn keinen Gefallen getan hat. Als Vorayuth „Boss“ Yoovidhya 2012 mit dem Polizisten zusammenkrachte, hatte sein Ferrari offenbar eine Geschwindigkeit von 170 Stundenkilometern drauf.

Der noch immer ungeklärte Unfall dürfte allerdings eine Sache klargestellt haben: Sollte der dem Vernehmen nach wesentlich vorsichtigere Chalerm Yoovidhya eines Tages seinen Platz im Red- Bull-Vorstand räumen, wird Vorayuth aus seinem Spitznamen kaum eine Jobbeschreibung machen. Nach dessen Unfall distanzierte sich das Unternehmen vom ihm. Alles andere würde in Thailand nur zu weiteren Protesten führen. (Felix Lill)

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