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Buffalo setzt künftig völlig auf den Vertrieb über den Fachhandel.

Schuhverkauf

Buffalo Boots schließt alle Läden

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Die Kult-Schuhmarke Buffalo Boots der neunziger Jahre setzt künftig voll auf den Vertrieb im Fachhandel.

Frankfurt, Dreieich und Berlin, das sind die letzten drei überlebenden Ladengeschäfte der Schuhmarke Buffalo Boots. Aber nur noch für wenige Wochen, derzeit gibt es hier bis zu 70 Prozent Preisnachlass im Räumungsverkauf. Alle anderen Läden der in den 1980er und 90er-Jahren mit Kultstatus versehenen Marke sind bereits geschlossen. Die klobigen Plateau-Sohlen der Buffalo-Schuhe fehlten in den letzten fünf Jahren des vorigen Jahrhunderts auf kaum einem Techno-Rave und wurden auch von Prominenten wie den Spice Girls getragen. Techno-DJ-Legende Sven Väth soll mit dem Buffalo-Gründer Michael Conradi befreundet sein.

Schon 2017 fing das Ladensterben an und hat sich seither fortgesetzt. Dabei, so scheint es, steht die Marke vor einem Revival. Ein Widerspruch? Nein, Buffalo setzt künftig völlig auf den Vertrieb über den Fachhandel. Lediglich der Online-Shop bleibt erhalten, offenbar aber eher aus Gründen der Marktforschung. So lassen sich die wenigen Auskünfte deuten, die von dem Unternehmen zu erhalten sind.

Partner für den Einzelhandel

Seit Ende 2017 habe man „die Stärkung der Marke und die Neupositionierung des Geschäftes“ erfolgreich vorangetrieben und sei mittlerweile außer in Deutschland, Österreich und der Schweiz in 25 weiteren europäischen Ländern sowie in USA, Japan und Russland vertreten. In der Folge sei das Großhandelsgeschäft sehr stark gewachsen, teilt Buffalo in einem Pressestatement mit. „Darauf wollen wir uns zukünftig noch stärker konzentrieren“, so Geschäftsführer Mirko Ostendörfer. „Um die Fachhandelspartner zu stärken und die eigenen Kräfte zu bündeln“ habe man sich entschieden, keine eigenen Läden mehr zu betreiben. „Wir möchten dem Einzelhandel ein guter Partner sein und verzichten daher zukünftig auf eine eigene stationäre Vertriebslinie“, sagt Ostendörfer. Im eigenen Online-Shop, der erhalten bleibt, gehe es künftig vor allem darum, „das Gespür für die Wünsche der Kunden weiterzuentwickeln“, erklärt Ostendörfer.

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Wie viele Stellen durch diese Entscheidung wegfallen und wie viele Arbeitnehmer ihren Job verlieren, das will Buffalo nicht sagen. Auch der Unternehmenssprecher der Deichmann-Gruppe, zu der Buffalo seit 2016 gehört, macht dazu keine Angaben, die Tochtergesellschaft sei eigenständig und organisiere ihre Kommunikation selbstständig, heißt es. Aus dem Buffalo-Geschäftsbericht für 2017 – ein aktuellerer ist noch nicht veröffentlicht – geht hervor, dass in dem Jahr vier der Anfang 2017 noch bestehenden 15 Geschäfte geschlossen wurden. Die Standorte seien unrentabel gewesen, heißt es. Der Personalbestand hat 2017 um 22 Personen abgenommen, von 189 auf 167. Wenn die 22 Beschäftigten alle in den vier geschlossenen Läden gearbeitet haben, ergäbe dies einen Personalschlüssel von 5,5 Menschen pro Laden – und damit gut 60 weitere entfallene Stellen in den Jahren 2018 und 2019 durch Schließung der verbleibenden Läden. Von Buffalo gibt es keine Bestätigung dieser Hochrechnung.

Buffalo verkaufte stets in hochpreisigen Innenstadt-Standorten 

Auch zum aktuellen Geschäftsverlauf macht das Unternehmen, dass 1979 in Wiesbaden gegründet worden war und seinen Geschäftssitz lange im benachbarten Hochheim hatte, nur äußerst spärliche Angaben. „Die Neuausrichtung der Marke ist auf einem guten Weg. Das Geschäft 2018 hat sich positiv entwickelt, und dieser Trend setzt sich auch 2019 fort“, heißt es auf FR-Anfrage bei der 2018 nach Köln umgezogenen Deichmann-Tochter.

Ebenfalls nicht zu erfahren ist, ob die Ladenschließungen auch etwas mit den hohen Mietforderungen zu tun haben. Buffalo hat stets die hochpreisigen Innenstädte als Standort seiner Geschäfte ausgewählt, in Frankfurt zum Beispiel in der Schillerstraße, auf dem Berliner Kurfürstendamm oder in der Hohenzollernstraße in München. Der Geschäftsbericht 2017 weist „künftige Mindestmietzahlungen“ für die am Jahresende noch bestehenden elf Läden von 6,5 Millionen Euro aus – das ist fast ebenso viel wie der Jahresfehlbetrag 2017 von 6,8 Millionen Euro.

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In dem Bericht finden sich noch ein weiterer Grund für den Strategiewechsel hin zum reinen Großhandelsgeschäft: Von den 35,3 Millionen ausgewiesenem Umsatz erzielte Buffalo 20,5 Millionen im Großhandel und weitere zwei Millionen über Lizenzvergabe. Nur 12,7 Millionen stammen aus dem Einzel- und Versandhandel, also nur gut ein Drittel. Bei, zumindest im stationären Handel, sehr viel höheren Kosten.

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