1. Startseite
  2. Wirtschaft

Bürgergeld ersetzt Hartz IV: So viel Geld ist für Lebensmittel vorgesehen

Erstellt:

Von: Constantin Hoppe

Kommentare

Tafeln unter Druck
Eine gesunde Ernährung ist für Menschen die Sozialleistungen beziehen kaum machbar. © Christophe Gateau/dpa

Hartz IV wird durch das Bürgergeld ersetzt. Doch ein Kritikpunkt bleibt bestehen: Eine gesunde Ernährung ist mit den Leistungen nicht vereinbar.

Frankfurt – Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist wichtig – und leider auch teuer. Vor allem für diejenigen, die ohnehin schon jeden Cent umdrehen müssen: Für viele einkommensschwache Menschen in Deutschland, sind die Preise für frische und gesunde Lebensmittel – ganz zu schweigen von Bio-Produkten – mit ihrem monatlichen Budget kaum zu bezahlen. Das betrifft ganz besonders Hartz-4-Empfänger und Empfängerinnen.

Doch Hartz 4 soll schon in wenigen Monaten Geschichte sein. Ab dem 1. Januar 2023 soll es dauerhaft vom sogenannten Bürgergeld ersetzt werden. In diesem Zuge sollen die Regelbedarfe für die Leistungsbeziehenden deutlich erhöht werden. Der Regelsatz des Bürgergeldes für Alleinstehende wird laut dem Kabinettsbeschluss der Bundesregierung vom 14. September 502 Euro betragen. Das entspricht einer Erhöhung der bisherigen Grundsicherung (449 Euro) um 53 Euro monatlich. Doch das bedeutet nicht sofort, dass für die Leistungsbeziehenden auch die Ernährungsfrage leichter wird.

Bürgergeld ersetzt Hartz 4: VDK bemängelt finanzielle Mittel für Leistungsbeziehende

Wie begrenzt die finanziellen Mittel für einkommensschwache Menschen bei Ernährungsfragen sind, zeigt ein Blick auf die vorgesehene Verwendung der Hartz-4-Leistungen: 34,70 Prozent des Regelsatzes sind laut der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (lpb-bw) für Lebensmittel und alkoholfreie Getränke vorgesehen. Das macht monatlich 155,8 Euro oder durchschnittlich 5,12 Euro pro Tag.

Angesichts der aktuellen Preissteigerungen im Lebensmittel-Bereich, wo schon ein Stück Butter fast drei Euro kostet, bleibt da kaum noch Spielraum. „Schon vor den Preissteigerungen reichten die fünf Euro am Tag, die im Regelsatz für Essen vorgesehen sind, nicht, um sich gesund zu ernähren“, sagt auch Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbandes VdK Deutschland in einer Presseerklärung.

Bürgergeld statt Hartz 4: Für Kinder gibt es drei Euro für die Ernährung

Noch prekäre wird diese Lage, wenn man sich die Zahlen für Kinder anschaut: 285 Euro für Kinder bis sechs Jahre sind im Hartz IV-Regelsatz vorgesehen. Davon fallen monatlich 93,51 Euro (32,81 Prozent) für Lebensmittel an. Das macht 3,07 Euro pro Tag.

Die Berechnungsgrundlagen werden sich auch beim Wechsel zum Bürgergeld nach bisherigen Stand nicht ändern: Das bedeutet, mit den Leistungen in Höhe von 502 Euro für Erwachsene und 318 Euro für Kinder unter sechs Jahren im Monat, steigt die tägliche Summe der Finanzmittel auf 5,73 Euro, beziehungsweise 3,43 Euro. So setzt sich der Regelbedarf für Hartz 4 zusammen:

BereichVorgesehener Anteil
Nahrung, alkoholfreie Getränke155,82 Euro
Freizeit, Unterhaltung, Kultur43,82 Euro
Post und Telekommunikation40,15 Euro
Bekleidung, Schuhe37,26 Euro
Wohnen, Energie, Wohninstandhaltung38,07 Euro
Innenausstattung und Haushaltsgegenstände27,35 Euro
Andere Waren und Dienstleistungen35,77 Euro
Verkehr40,27 Euro
Gesundheitspflege17,14 Euro
Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen11,73 Euro
Bildung1,62 Euro
Gesamt:449 Euro
(Quelle: lpb-bw)

Bürgergeld ersetzt Hartz 4: Beträge reichen nicht für eine gesunde Ernährung

Im globalen Durchschnitt kostete es im Jahr 2019 4,04 US-Dollar (derzeit 4,14 Euro), um eine Person für einen Tag mit einer ausreichend gesunden Nahrung zu versorgen. Doch aktuell liegt die Inflation in Deutschland auf dem höchsten Wert seit 28 Jahren. Die Preise für Lebensmittel und alkoholfreie Getränke sind laut der Verbraucherzentrale 2021 bis August 2022 um 16,6 Prozent gestiegen.

Eine Studie des paritätischen Wohlfahrtverbandes errechnete bereits im Jahr 2020 eine Mindestsumme für eine gesunde Ernährung, die für Männer 30 Prozent und für Frauen etwa neun Prozent über dem aktuellen Hartz-4-Betrag liegt. Die Teuerungen, liegen demnach deutlich über der Erhöhung durch den Wechsel zum Bürgergeld.

Gesundheits- und Ernährungsexperten fordern deshalb schon seit längerem, die Hartz-4-Regelbedarfe aus Ernährungssicht neu zu ermitteln. Eine gesunde Ernährung dürfe demnach kein Luxus sein. Der Sozialverband Deutschland forderte unter anderem deshalb auch eine Erhöhung des Regelsatzes auf 650 Euro für Erwachsene. (con)

Auch interessant

Kommentare