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Viele nutzen die Zeit jetzt, um alles Mögliche auszusortieren - auch alte Fummel. Das führt zu einer regelrechten Altkleiderflut (Symboldbild).

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Corona-Krise führt zu Altkleider-Flut: Die Verwerter senden einen Hilferuf

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Viele nutzen die Zeit jetzt, um alles Mögliche auszusortieren - das führt zu einer regelrechten Altkleiderflut. Die Verwerter senden einen Hilferuf.

Die Irgendwann-passt-sie-wieder-Jeans liegt schon seit vier Jahren rum, das gelbe T-Shirt macht viel zu blass, die Trainingsjacke war schon immer zu kurz? Jetzt, da Zeit genug da ist, weil alle möglichst zu Hause bleiben sollen, könnte es eigentlich eine schöne Sache sein, auszumisten, Platz im Kleiderschrank zu schaffen, nur noch Lieblingsteile hängen zu lassen und den Rest zu spenden. Doch gibt es in diesen Corona-Zeiten ein Problem.

Nicht nur die privaten Mülltonnen sind proppevoll, weil zu Hause zum Beispiel mehr gekocht wird. Mittlerweile quellen auch die Altkleider-Container über. Und der Dachverband Fairwertung, ein Netzwerk gemeinnütziger Altkleidersammler, schickt einen Hilferuf an alle. Sprecher Thomas Ahlmann fordert die Bürger auf, Kleiderspenden vorerst zu Hause einzulagern und sie nicht einfach vor Secondhandladen oder vollen Altkleidercontainern zu deponieren.

Seconhand-Läden sind geschlossen

Die Textilsammlung läuft in Corona-Zeiten nicht rund. Das habe mehrere Gründe, so Ahlmann weiter. Mindestens bis zum 19. April bleiben Secondhand-Läden geschlossen. Die Nachfrage bricht ein. Und die sonst im Frühling üblichen Straßensammlungen sind alle abgesagt worden. So stopften noch mehr Leute als sonst schon ihre ausrangierten Klamotten in die Container.

„Dabei landet schon in normalem Zeiten pro Jahr etwa eine Million Tonnen Kleider in den Containern, was den Ladungen einer Lkw-Schlange von Kiel bis Innsbruck entspricht“, sagt Ahlmann. Die Sammler seien „bemüht, die Container weiterhin regelmäßig zu leeren“. Nur kämen auch sie an ihre Grenzen.

Nachfrage ist eingebrochen

Fahrer fehlen, weil sie zu Hause in Quarantäne bleiben müssen. Ohnehin kann die Ware nicht wie gewohnt vertrieben werden. Die Sortierbetriebe, in denen die gut erhaltenen Stücke von jenen getrennt werden, bei den die Nähte aufgegangen sind oder der Stoff gerissen ist, machen Kurzarbeit oder sind ganz geschlossen. Und selbst, wenn sie ihren Job weiter machen können, werden sie die sortierte Ware kaum noch los.

Das Gros der Altkleider wird sonst in Osteuropa oder in afrikanischen Ländern weiterverkauft. Doch die Nachfrage ist weltweit eingebrochen, der Markt liegt danieder. Was also passiert mit der Jeans, die aus dem Kleiderschrank verbannt wird? Ahlmann sagt, die Branche bemühe sich derzeit, Lagerflächen zu finden. Doch die seien aktuell besonders teuer, denn auch viele andere Waren würden jetzt auf Halde gelegt. „Im Extremfall müssen die Altkleider in die Müllverbrennung, das wäre schade.“

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