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Frank Werneke ist seit 2003 stellvertretender Verdi-Chef und für Finanzen und Mitglieder zuständig.

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Bsirskes Erbe

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Frank Werneke soll neuer Verdi-Chef werden.

Die Gewerkschaft vertritt Krankenpfleger, Flugbegleiter, Journalisten, Briefzusteller, Fachverkäufer, Müllmänner und Bankangestellte. Sie repräsentiert rund 1000 Berufe, hat 13 Fachbereiche, rund zwei Millionen Mitglieder und einen Vorsitzenden, der Frank Bsirske heißt. So war das von jeher, seit 2001, als die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi aus dem Zusammenschluss der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG), der Postgewerkschaft (DPG), der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV), der IG Medien und der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) hervorging. Und so bleibt es auch noch bis zum nächsten Herbst.

Dann aber, auf dem Verdi-Bundeskongress im September 2019, wird Bsirske mit 67 Jahren nicht erneut antreten. Für die zweitgrößte deutsche Gewerkschaft bedeutet der Rückzug des Gründungsvorsitzenden zweifellos eine Zäsur.

Der wahrscheinliche Nachfolger, den die Verdi-Findungskommission in dieser Woche vorgeschlagen hat, heißt Frank Werneke, 51, Verdi-Vize seit Anfang 2003. Anders als der mitunter bärbeißige, stets konfliktbereite Bsirske ist Werneke der Öffentlichkeit bisher kaum bekannt. Das mag zum einen an seinen wenig publikumswirksamen Zuständigkeiten liegen – für den Fachbereich Medien, für die Finanzen und Vermögensverwaltung von Verdi sowie für Mitgliederwerbung.

Zum anderen dürfte die eher zurückhaltende Art des gebürtigen Bielefelders, der 1985 in seiner Heimatstadt eine Lehre zum Verpackungsmittelmechaniker abschloss, seinen geringen Bekanntheitsgrad begründen.

Für Werneke sprechen seine guten Kontakte in Politik und Wirtschaft sowie langjährige Erfahrungen in Tarifverhandlungen und als Bsirskes Stellvertreter. Er kennt die Gewerkschaft gut und das ist wichtig, denn die Mitglieder kommen aus vielen verschiedenen Berufszweigen und Branchen und ziehen beileibe nicht immer an einem Strang. Immerhin konnte der langjährige Streit mit der IG Metall, in dem es um Tarifzuständigkeiten und letztlich um Mitglieder ging, 2016 beigelegt werden. Dessen ungeachtet: Einen einfachen Job erbt Werneke nicht.

Formell ist das allerdings noch nicht entschieden. Zunächst wird sich der ehrenamtliche Gewerkschaftsrat im November mit dem Vorschlag der Findungskommission befassen. Die Zustimmung des Gremiums gilt aber als gewiss. Wird Werneke nominiert, stellt er sich auf dem Gewerkschaftstag im September 2019 in Leipzig den Delegierten zur Wahl. Als gleichberechtigte Stellvertreter werden die bisherigen Fachbereichsleiter Christine Behle (Verkehr) und Andrea Kocsis (Post) kandidieren. Gegenbewerber sind nicht in Sicht.

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