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Bislang verbindet - neben Fähren - nur der Eurotunnel England und Frankreich.

Megaprojekt

Brücke über den Ärmelkanal

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Großbritanniens Außenminister Johnson träumt von einer Verbindung über das Meer.

Ausgerechnet die Brexit-Galionsfigur Boris Johnson möchte gern zum Brückenbauer werden. Am Rande der britisch-französischen Regierungskonsultationen schlug Londons Außenminister am Donnerstag Abend eine Straßenverbindung über den Ärmelkanal vor. Dass zwei der größten Volkswirtschaften der Welt lediglich durch zwei Eisenbahngleise verbunden seien, bezeichnete Johnson als „verrückt“.

An seiner engsten Stelle zwischen Calais und Dover ist der Ärmelkanal 34 Kilometer breit. Der bestehende Eisenbahntunnel zwischen Folkestone und Coquelles ist insgesamt 50 Kilometer lang, wobei 38 Kilometer bis zu 40 Meter unter dem Meer liegen. Ähnlich lange Brücken gibt es anderswo auch. Allerdings queren sie nicht die meistbefahrene Schifffahrtsstraße der Welt, durch die 400 bis 500 Schiffe pro Tag passieren, die Fähren zwischen England und Frankreich nicht eingerechnet.

Die Lobbygruppe Shipping UK beurteilte das Bauprojekt am Freitag mit vornehmer Zurückhaltung als „problembehaftet“. Der Liverpooler Architekturprofessor Alan Dunlop gab der Brücke wenig Chancen: „Es wäre einfacher und billiger, Frankreich näher zu rücken.“ Hingegen begeisterten sich Ingenieure wie Dave Parker vom Fachmagazin „New Civil Engineer“ an der Vorstellung von zwei Brücken zu zwei künstlichen Inseln sowie einem Straßentunnel dazwischen.

Johnson gilt als Freund gewaltiger Bauprojekte. Während seiner Amtszeit als Londoner Bürgermeister redete er einem neuen Großflughafen auf einer künstlichen Insel in der Themse-Mündung („Boris-Insel“) ebenso das Wort wie einer Gartenbrücke über die Themse mitten in London. Beide Ideen scheiterten.

Politische Beobachter wie „Times“-Kolumnist Matt Chorley verdächtigten den Außenminister, er sei weniger Brückenbauer als politischer Nebelkerzenwerfer. Tatsächlich nahm die Ärmelkanal-Brücke in der Berichterstattung der britischen Medien größeren Raum ein als die eindeutige Absage Macrons an ein viel wichtigeres britisches Projekt. London will zwar den harten Brexit samt Austritt aus Binnenmarkt und Zollunion durchsetzen, wünscht sich aber einen privilegierten Zugang des Finanzzentrums City of London zum Binnenmarkt.

Das komme nicht in Frage, sagte der Präsident bei seinem Besuch in der Militärakademie Sandhurst: „Wer Zugang zum Binnenmarkt haben will, muss ins Budget einzahlen und die europäische Rechtsprechung anerkennen.“ Genau dies schließt Premierministerin Theresa May bisher aus.

In vielen anderen Bereichen betonten beide Länder ihre enge Verbundenheit. May sagte einen Beitrag von 44,5 Millionen Pfund (50,4 Millionen Euro) für die Grenzsicherung im Hafen Calais zu. Dort haben sich immer wieder Flüchtlingen versammelt, um auf illegalem Weg nach Großbritannien zu kommen. Die Anwesenheit der Geheimdienstchefs beider Seiten verwies auf die enge Zusammenarbeit in der Terrorbekämpfung. Diesem Ziel dient auch die Entsendung britischer Chinook-Hubschrauber für die von Frankreich angeführte Militäroperation in Mali. Umgekehrt will sich die zweitwichtigste Militärmacht Europas am britischen Nato-Einsatz in Estland beteiligen.

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