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Brotlose Film-Kunst

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Sollen Gewinn liefern: Bob (l.) und Harvey (r.) Weinstein bei einem Pressegespräch im Jahr 2006.
Sollen Gewinn liefern: Bob (l.) und Harvey (r.) Weinstein bei einem Pressegespräch im Jahr 2006. © rtr

Unabhängige Film-Produktionsfirmen geraten massiv unter Druck, weil Aktionäre ihnen das Vertrauen entziehen. Selbst die legendären Hollywood-Produzenten Bob und Harvey Weinstein, bekannt durch Filme wie "The King's Speech", bekommen das zu spüren.

Von Sebastian Moll

Bob und Harvey Weinstein dürften in diesem Jahr das Chanukkah-Fest nicht so entspannt genossen haben, wie das vielleicht sonst der Fall war. Vermutlich haben die beiden Ur-Väter des Independent Films ständig nervös auf ihre Smartphones geschaut, um die aktuellen Kassenzahlen des neuen Tarantino-Films „The Hateful Eight“ abzurufen, der kurz vor Weihnachten in den USA seinen limitierten Kino-Start feierte.

Die Zeichen standen nicht gut für die jüngste Produktion der Weinsteins, die schon seit Tarantinos Debüt „Reservoir Dogs“ 1992 mit dem Hollywood-Außenseiter zusammenarbeiten. Die Kritiken waren teils verheerend, Tarantinos Zoff mit Disney über die Vertriebspraktiken für den neuen Star-Wars-Film sowie der angekündigte Boykott der Polizeigewerkschaften hatten die Premiere überschattet. Und so atmeten die Weinsteins wohl erleichtert auf, als die ersten Zahlen durchkamen.

Das Epos über einen Kopfgeldjäger im Wilden Westen war überall ausverkauft, er spielte mehr als 5,3 Millionen Dollar am ersten Wochenende ein. Doch die tieferen Probleme der legendären Weinstein-Firma, die einst Oscars sammelte wie Briefmarken, sind auch damit nicht gelöst.

„Unsere Aktionäre“, klagte jüngst Harvey Weinstein in einem Interview mit der „New York Times“, „verlangen auf der Stelle ein monetäres Ereignis“. Im Klartext: Die Weinstein Company muss Dividende produzieren, die sie aber gegenwärtig einfach nicht erwirtschaftet.

Ein Teil der Sorgen der Weinsteins entstammt den Problemen, mit denen die gesamte Branche zu kämpfen hat. Unabhängige Film-Produktionsfirmen, die keine geplanten Blockbuster mit Riesenbudgets produzieren, sind durch das sich rapide verändernde Geschäfts- und Vertriebsmodell von Video-Produkten massiv unter Druck. So haben im vergangenen Jahr gleich fünf namhafte Indie-Firmen bankrott angemeldet oder mussten verkaufen.

Künftig mehr Massenware?

Die Weinsteins sind groß genug, dass sie mit Filmen wie dem neuen Tarantino oder in der Vergangenheit etwa mit dem Oscar-Gewinner „The King’s Speech“ auch im Hollywood-Spiel um die großen Kassenzahlen mitspielen können. Die Identität der Weinstein Brüder ist aber nach wie vor das wahre Independent-Kino mit Produktionen wie der Lesben-Romanze „Carol“, die in diesem Jahr für die Golden Globes nominiert wurde. Solche Filme lohnen sich jedoch, wenn überhaupt, dann nur sehr langfristig. Zu langfristig für die ungeduldigen Investoren.

So überlegen die Weinsteins nun, in Zukunft, mehr Geld in größere Produktionen zu investieren und die kleineren, die Kritik- und Jurylieblinge, wegfallen zu lassen. Das kündigte jedenfalls Bob Weinstein, der ruhigere und eher geschäftsorientierte der beiden Brüder an. Wie Harvey Weinstein, der kreative Kopf des Unternehmens, darüber denkt, war allerdings nicht zu erfahren.

Für den ohnehin kämpfenden unabhängigen Sektor wäre das ein weiterer Schlag. Harvey Weinsteins Gespür für Themen und Talente ist legendär. Ohne ihn hätte es Tarantino nicht gegeben und auch nicht Steven Soderbergh, nicht den Stummfilm-Erfolg „The Artist“ und auch nicht John Madden.

Hoffnung macht bei all dem wenigstens, dass Weinstein nicht zum ersten Mal in der Klemme steckt. „Weinstein lässt Houdini aussehen wie einen Anfänger“, sagt Barry Avrich, der 2011 einen Dokumentarfilm über die Weinsteins gedreht hat. „Er wird seinen außergewöhnlichen Talentpool dazu benutzen, um sich neu zu finanzieren. Das hat er schon immer getan. Er hat neun Leben.“

Ob das so einfach wird wie 2009, als Weinstein die Firma schon einmal vor dem sicher scheinenden Bankrott gerettet hat, bleibt abzuwarten. Tröstlich ist unabhängig vom Ausgang jedoch, dass es noch Film-Mogule wie Harvey Weinstein gibt, die Risiken für ihre künstlerische Vision auf sich nehmen. Der Film-Landschaft kann man jedenfalls nur wünschen, dass er auch diesmal wieder auf die Füße fällt und das Feld nicht gänzlich der vorhersehbaren Massenware überlässt.

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