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Proteste gegen den Bau des AKW Hinkley Point C in Großbritannien. Foto: Imago Images
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Proteste gegen den Bau des AKW Hinkley Point C in Großbritannien.

AKW Hinkley Point C

Britischer Meiler kostet mehr

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Die Fertigstellung des AKW Hinkley Point C verzögert sich um ein weiteres halbes Jahr - das schmälert die erwartete Rendite. Die Renaissance der Atomkraft ist teuer erkauft.

Das AKW-Projekt Hinkley Point C soll die Renaissance der Atomkraft in Großbritannien einläuten und den ambitionierten Klimaschutz-Kurs der Londoner Regierung unterstützen. Doch nun gibt es dort erneut Probleme. Der französische staatliche Stromkonzern EDF, der die Reaktor-Doppelanlage des „EPR“-Typs mit einem chinesischen Partner baut, gab bekannt: Der Fertigstellung verzögert sich weiter und die Kosten steigen erneut. Als Grund nennt er die Folgen der Corona-Pandemie.

Der Beschluss zum Bau des neuen AKW in Englands Südwesten mit einer Leistung von 3200 Megawatt fiel 2016. Damals wurden die Kosten auf umgerechnet 21,5 Milliarden Euro geschätzt, inzwischen, nach mehreren Anpassungen, taxiert EDF das Projekt auf 27 Milliarden Euro. Die Fertigstellung, zuletzt für Ende 2025 geplant, wird nun für Sommer 2026 erwartet.

Corona ist dabei für die sechs Monate Verzögerung verantwortlich. Konkret: Wegen der Abstandsregeln zur Vermeidung von Infektionen kann immer nur eine begrenzte Zahl von Arbeitern gleichzeitig auf der Baustelle sein. „Zehn Monate nach ihrem Beginn sind wir immer noch mit der vollen Wucht der Pandemie konfrontiert“, sagte der Geschäftsführer von Hinkley Point C, Stuart Crooks.

Der Bau wird damit fast doppelt so viel kosten wie bei den ersten Planungen 2008 geschätzt und die Stromerzeugung fast ein Jahrzehnt später beginnen als damals geplant. Der Starttermin sollte ursprünglich 2017 sein. Das Projekt kann trotz der hohen Kosten nur realisiert werden, weil der britische Staat für 35 Jahre Laufzeit eine Einspeisevergütung von umgerechnet 10,5 Cent pro Kilowattstunde garantiert, die deutlich höher als die Vergütung etwa für Offshore-Windkraft liegt.

Die EDF betonte nun, die aktuelle Verteuerung werde von dem Konzern getragen und nicht zu Lasten der britischen Verbraucher:innen gehen. Laut dem Unternehmen sinkt die geplante Rendite von zu Baubeginn geplanten neun auf gut sieben Prozent.

Fraglich ist, ob die Kostenerhöhungen die letzten bis zur Fertigstellung sind. Die Erfahrungen mit den beiden ersten EPR-Anlagen in Frankreich und Finnland sprechen dagegen. Beim französischen AKW Flamanville stiegen die Kosten von geplanten 3,3 Milliarden Euro bereits auf über zwölf Milliarden, und das Projekt ist zehn Jahre im Zeitverzug. Am finnischen Standort Olkiluoto sieht es ganz ähnlich aus. Besser lief es in China, hier sind seit 2019 zwei EPR am Netz, die Bauzeit wurde „nur“ um fünf Jahre überschritten, und die Mehrkosten war geringer. Beim Bau federführend waren hier allerdings die Chinesen.

Ob Großbritannien das neue Mekka der Atomkraft wird, bleibt fraglich. So begrub der japanische Hitachi-Konzern 2020 wegen fehlender Investoren die Pläne für den Neubau von zwei Reaktoren in Wales.

„Risiko für Private zu hoch“

Unklar sind die Aussichten für ein weiteres AKW-Projekt in der Grafschaft Suffolk, über das die Regierung in London mit der EDF verhandelt. Ungelöstes Problem hierbei: Angeblich ist wegen des großen Protestes von Abgeordneten sowie Verbraucher- und Umweltgruppen eine Neuauflage der Finanzierung wie bei Hinkley Point C ausgeschlossen. Doch ohne Subventionen ist der Bau nicht denkbar.

Der Energieexperte Norbert Allnoch vom IWR-Institut in Münster sieht den Ausstieg von Hitachi und die Kostensteigerungen als Beleg dafür, dass Privatunternehmen kaum mehr in der Lage sind, ein Atomkraftwerk am Markt zu finanzieren und zu bauen. Das Risiko sei für private Investoren angesichts langer Bauzeiten und hoher Preiskonkurrenz durch erneuerbare Energien und Erdgas einfach zu hoch. „Ohne die prestigeträchtige Beteiligung staatlicher Unternehmen oder die Gewährung anderweitiger Staatsgarantien würde weltweit wohl kein einziges neues Atomkraftwerk mehr ans Netz gehen“, sagt er.

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