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Die deutsche Wirtschaftsleistung legte um fast zwei Prozent zu.
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Die deutsche Wirtschaftsleistung legte um fast zwei Prozent zu.

Ausblick

Was bringt das Jahr 2017?

  • VonStephan Kaufmann
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Das alte Jahr ist wirtschaftlich gut gelaufen. Können sich die Deutschen auf weiter sinkende Arbeitslosigkeit und Lohnsteigerungen freuen?

Das Jahr 2016 ist fast vorüber und gut gelaufen, zumindest wirtschaftlich. Um fast zwei Prozent legte die deutsche Wirtschaftsleistung zu, das war der stärkste Wert seit 2011. Getragen wurde das Wachstum vor allem vom Konsum: Die Haushalte konnten dank niedriger Arbeitslosigkeit, geringer Inflation und steigender Löhne mehr ausgeben. Auch der Staat erhöhte seine Ausgaben, insbesondere für ins Land kommende Flüchtlinge. Exporte und Investitionen dagegen enttäuschten. Was bringt 2017 für die Deutschen? Wohin gehen die Preise? Sinkt die Arbeitslosigkeit weiter? Kann man auf Lohnsteigerungen hoffen? Wir werten die Prognosen der Banken und Wirtschaftsforschungsinstitute aus.

Arbeitslosigkeit Der Arbeitsmarkt feiert einen Rekord nach dem anderen. 2016 gab es mit rund 43,5 Millionen Menschen so viele Beschäftigte wie noch nie. Die Arbeitslosenrate fiel auf 6,1 Prozent. Laut Prognosen dürfte die Beschäftigung weiter leicht steigen, denn die Firmen haben viele Stellen zu besetzen. Gleichzeitig erhöht die vermehrte Zuwanderung auch das Angebot an Arbeitskräften. Die Arbeitslosenquote geht daher voraussichtlich nicht weiter zurück, sondern stagniert bei sechs Prozent.

Preise In den vergangenen Jahren konnten sich die Verbraucher freuen: Das durchschnittliche Preisniveau in Deutschland stieg kaum. Vor allem dank gesunkener Energiepreise lag die Teuerungsrate 2016 knapp über null Prozent. Doch inzwischen hat sich Erdöl wieder deutlich verteuert, was insbesondere Anfang 2017 auf die Inflationsrate durchschlägt. Insgesamt wird sie auf 1,4 bis 1,6 Prozent klettern – was immer noch nicht viel ist.

Einkommen Auch im neuen Jahr legen die Löhne zu, voraussichtlich sogar stärker als 2016. Gestützt wird dies unter anderem durch den leicht steigenden Mindestlohn und die geringere Arbeitslosigkeit, die die Verhandlungsposition der Gewerkschaften festigt. Gleichzeitig aber lässt die höhere Inflation weniger von den Lohnzuwächsen übrig. Die Deutsche Bank etwa rechnet mit einem Lohnplus von rund 2,5 Prozent. Abzüglich einer Inflationsrate von 1,6 Prozent bliebe ein realer Zuwachs von 0,9 Prozent – weniger als 2016. Daneben wird die Rente zur Jahresmitte deutlich angehoben. Zusätzliche Leistungen für Geflüchtete tragen dazu bei, dass die monetären Sozialleistungen laut Forschungsinstitut DIW um 4,3 (2016: 2,7) Prozent steigen.

Einkaufen Sinkende Arbeitslosigkeit, höhere Einkommen, geringe Inflation, niedrige Zinsen – all dies machte den Konsum der privaten Haushalte 2016 zum Konjunkturmotor. Das wird laut Prognosen auch im neuen Jahr so bleiben, allerdings in abgeschwächter Form. Nachdem der private Verbrauch im alten Jahr fast zwei Prozent zulegte, wird es in den nächsten zwölf Monaten wohl nur knapp über ein Prozent sein. Denn die Inflation steigt, der Beschäftigungsaufbau verlangsamt sich.

Staatskonsum Insbesondere Ausgaben für Geflüchtete sorgten 2016 für einen Anstieg des staatlichen Konsums, der die Konjunktur stützte. Gleichzeitig schloss der Bundeshaushalt mit einem Milliardenüberschuss ab. Beides wird sich – abgeschwächt – auch 2017 wiederholen. Das Wirtschaftsforschungsinstitut RWI erwartet einen Überschuss der öffentlichen Haushalte von neun Milliarden Euro 2017 nach 16 Milliarden 2016.

Exporte Die Weltwirtschaft soll sich 2017 zwar weiter erholen, insbesondere in großen Schwellenländern wie Brasilien und Russland geht es wieder aufwärts. Auch die Konjunktur in den USA dürfte stärker werden. Allein die anhaltende Schwäche in Europa dämpft die deutschen Exporte. Nach einem – für deutsche Verhältnisse – mageren Wachstum von etwa zwei bis drei Prozent wird für 2017 ein ähnlicher Wert erwartet. Nichtsdestotrotz erwirtschaftet Deutschland auch im neuen Jahr einen riesigen Überschuss im Geschäft mit dem Ausland – schätzungsweise rund 270 Milliarden Euro.

Investitionen Bereits im Jahr 2016 enttäuschten die Investitionen. Trotz rekordniedriger Zinsen und steigender Auslastung der Produktionskapazitäten steckten deutsche Unternehmen kaum mehr Geld in Ausrüstungen und Maschinen. Ein Grund hierfür war die schwache Weltwirtschaft und ihre Auswirkung auf den deutschen Export, ein anderer die geopolitischen Risiken und Unsicherheiten – einer davon war der britische Beschluss zum EU-Austritt. 2017 verschwinden diese politischen Risiken nicht: In Frankreich, den Niederlanden und Deutschland wird gewählt, vielleicht auch in Italien. Noch ist unsicher, welchen Kurs der neue US-Präsident Donald Trump einschlagen wird. Und das Thema „Brexit“ bleibt der Welt erhalten. Das magere Exportwachstum dürfte das Seine dazu beitragen, dass die Investitionen im neuen Jahr kaum zulegen oder sogar sinken.

Wirtschaftswachstum Das Wirtschaftswachstum geht deutlich zurück: Von 1,8 bis 1,9 Prozent im alten Jahr auf 1,1 bis 1,4 Prozent im neuen. Doch die Zahlen täuschen – der Abschwung ist gar nicht so scharf, wie es scheint. Denn der größte Teil des Rückgangs geht darauf zurück, dass 2017 weniger Arbeitstage hat als 2016: Im alten Jahr waren es – je nach Bundesland – zwischen 250 und 254 Tage, im neuen werden es 247 bis 251. Der Effekt: Das RWI rechnet mit einem Wachstum von 1,8 Prozent 2016 und 1,2 Prozent 2017, von diesem Rückgang von 0,6 Prozentpunkten gingen 0,4 auf das Konto des Arbeitstageeffekts.

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