Stylisch soll es sein: Brillenträger legen Wert auf die Optik.
+
Stylisch soll es sein: Brillenträger legen Wert auf die Optik.

Optiker

Brillen für alte Augen

  • Thomas Magenheim-Hörmann
    vonThomas Magenheim-Hörmann
    schließen

Deutschlands Augenoptik-Industrie wächst kräftig. Ihr nützt, dass die Kundschaft modebewusster und älter wird

Die heimischen Hersteller von Brillengläsern sind begeistert: „2019 ist deutlich besser als erwartet gelaufen“, jubelt der Chef des deutschen Branchenverbands Spectaris, Josef May. Um gut fünf Prozent auf 4,7 Milliarden Euro seien die Umsätze der augenoptischen Industrie Deutschlands gestiegen. Nur ein halb so starkes Wachstum war erwartet worden. „Der Trend, Brillen aus modischen Gründen zu kaufen, nimmt zu“, erklärt May am Rande der Branchenleitmesse Opti in München den unverhofften Zuwachs. Die Branche steigert ihre Umsätze seit 2011.

Die Bundesbürger werden immer älter. Und ältere Menschen brauchen vermehrt Brillen. Vor allem aber wächst das Auslandsgeschäft. Die Exportumsätze der Branche haben 2019 um fast sieben Prozent zugelegt. Brillengläser made in Germany werden jenseits deutscher Grenzen nun fast im gleichen Umfang wie im Inland verkauft. Hier spielt das globale Bevölkerungswachstum und der zunehmende Wohlstand der Branche in die Hände. Dadurch können sich mehr und mehr Menschen eine Brille leisten.

Durchwachsen sieht es im Handel bei den Optikergeschäften aus. Zwar mehren sich im Jahresvergleich auch hier die Stimmen derer, die steigende Umsätze vermelden, freut sich der Chef des Zentralverbands der Augenoptiker (ZVA), Thomas Truckenbrod. Rund 60 Prozent der Filialen hätten in einer Umfrage soeben von besseren Geschäften berichtet. Voriges Jahr seien es nur knapp mehr als die Hälfte gewesen. Zum zunehmenden Problem werden aber Betriebsübergänge, wenn Besitzer von Optikerbetrieben ins Rentenalter kommen.

Etwas mehr als ein Zehntel aller Betriebe plane in der nächsten Zeit einen solchen Übergang, weiß Truckenbrod. Das sind immerhin rund 1200 Geschäfte bundesweit. Erst bei 41 Prozent davon steht ein Nachfolger fest. Rechnerisch über 700 Optikergeschäfte suchen in Deutschland also noch einen solchen. Wird der nicht gefunden, muss der Betrieb schließen.

Die flächendeckende Versorgung sei deshalb nicht gefährdet, beruhigt Truckenbrod. Denn es würden auch immer wieder neue Filialen aufgemacht. Unter dem Strich habe sich deren Zahl bundesweit 2019 dennoch um rund 100 auf etwa 12 000 Standorte reduziert. Dazu passt, dass gegenüber dem ZVA mehr als jeder zweite Betrieb über Fachkräftemangel klagt. Der Verband hofft, dass diese Klagen demnächst abflauen. Mit mehr als 7000 Lehrlingen und steigender Tendenz seien die Aussichten auf Berufsnachwuchs bei Optikern besser als in manch anderen Bereichen, betont Truckenbrod. Insgesamt beschäftigt die Branche hierzulande relativ konstant knapp 70 000 Mitarbeiter, fünf Siebtel davon im Handel, zwei Siebtel auf Herstellerseite.

An mangelnden Geschäftsperspektiven leiden Optiker auch weiterhin nicht. Von den gut 42 Millionen Brillenträgern, die es in Deutschland gibt, habe beispielsweise jeder Vierte keine Sonnenbrille oder getönte Gläser, sagt May. Derart ungeschützt könnten UV-Strahlen rasch die Netzhaut schädigen bis hin zur Blindheit, warnt er. Bei richtiger Beratung berge allein das enormes Zusatzpotential für die Branche. Dazu komme schon wegen dauerhaft niedriger Zinsen eine allgemein gestiegene Ausgabenbereitschaft.

Kommentare