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Kein Bringservice mehr - das ADAC-Magazin müssen sich die Mitglieder jetzt abholen.

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Der Briefkasten bleibt leer

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Die „ADAC Motorwelt“ wird nicht mehr zugestellt. Stattdessen müssen sich die Clubmitglieder ihre Zeitschrift, die nur noch vier Mal im Jahr erscheint, jetzt bei Edeka oder Netto abholen.

Mit zuletzt 13,6 Millionen Exemplaren war sie das auflagenstärkste Magazin in Europa. Diesen Status behält die „ADAC Motorwelt“ zumindest vorerst bei, auch wenn ihre Auflage nun auf fünf Millionen schrumpft. Zudem gibt es die Club-Zeitschrift ab kommendem Donnerstag nicht mehr monatlich sondern nur noch vierteljährlich. Noch wichtiger und ein Experiment mit ungewissem Ausgang ist, dass die Briefkästen von Mitgliedern neuerdings leer bleiben. Wer seine „Motorwelt“ haben will, muss zur nächsten Filiale eines Edeka- oder Nettomarkts oder eine ADAC-Geschäftsstelle. Dort können sich die gut 21,2 Millionen ADAC-Mitglieder ihr Exemplar gegen Vorlage ihres Mitgliedsausweises kostenlos abholen. Die Frage ist: Wer tut das?

Die nächste von bundesweit über 9100 Abholstation kann man online auf der ADAC-Seite ausfindig machen. In einer Großstadt liegt die oft nur ein paar hundert Meter von der Wohnung entfernt. Auf dem Land sieht es da schon anders aus. Weiter als bis zum Briefkasten wird der Weg in jedem Fall. Aber zumindest kann man künftig davon ausgehen, dass derjenige, der die „ADAC Motorwelt“ selbst holt, sie auch liest. Bei der Postkastenzustellung war das sehr zweifelhaft. In dieser nun vergangenen Ära ist mindestens ein Viertel der Hefte ungelesen im Altpapier gelandet, schätzen Experten.

„Dadurch, dass ADAC-Clubmitglieder ihr Heft künftig aktiv abholen, nehmen sie auch Inhalte noch bewusster wahr“, meint der Geschäftsführer der Burda-Tochter BCN Burkhard Graßmann. Im Impressum der neuen „Motorwelt“ ist zwar ADAC-Kommunikationschef Martin Kunz weiter als verantwortlicher Chefredakteur ausgewiesen. Gemacht wird die neue Club-Zeitschrift aber größtenteils nicht mehr vom ADAC sondern dem Burda-Verlag als neuem redaktionellen Dienstleister.

Denn der ADAC muss sparen. Nach dem Skandal um den abgeschafften Autopreis Gelber Engel musste sich der Verein mit angeschlossenem Wirtschaftsimperium zwangsreformieren, um Steuervorteile wenigstens größtenteils zu erhalten. Aber die dreigeteilte neue Struktur mit Verein, kommerzieller Holding und Stiftung ist teurer als die alte. Zudem kostet die Digitalisierung des ADAC, der sich von der reinen Autofahrerlobby zum per App und Internet erreichbaren Mobilitätsdienstleister wandeln will, viel Geld. Die letzten Jahre hat der ADAC Verluste geschrieben. Deshalb steigen nun ab Frühjahr erstmals seit sechs Jahren die Beiträge wieder. Eine neue Premiummitgliedschaft für 139 Euro pro Jahr wird eingeführt. Beim Personal wurden 200 Stellen abgebaut. Als Schlusspunkt der Sanierung wird nun die „ADAC Motorwelt“ reformiert.

Reduzierte Auflage, Vertrieb per Eigenabholung und ausgelagerte Redaktion sparen unter dem Strich eine zweistellige Millionensumme, was ab diesem Jahr zusammen mit Personalkostenabbau und Beitragserhöhung beim ADAC wieder anhaltend für schwarze Zahlen sorgen soll. Als reine Sparmaßnahme will der Club die neue „Motorwelt“ aber nicht verstanden wissen.

„Die „ADAC Motorwelt“ ist neben ADAC.de das wichtigste Instrument in unserer Kommunikation mit unseren 21 Millionen Mitgliedern und jetzt ein echtes Premium-Magazin“, findet Kunz. Er verweist auf 100 Seiten Umfang pro Ausgabe, hochwertigere Aufmachung und ein breiteres Themenspektrum. Die vier Quartalshefte bekommen saisonalen Zuschnitt. So widmet sich die Frühlingsausgabe 2020 einem Sizilien-Urlaub sowie neuen und auch elektrischen Fahrradmodellen. Ein längerer Beitrag, der auch in einem käuflichen Magazin stehen könnte, beschreibt eine Mobilität der Zukunft, bei der sich nicht mehr alles um das Auto dreht. Schauspieler Elyas M’Barek und Regisseur Simon Verhoeven dürfen über die Freude am Fahren eines Porsches aber auch eines Drahtesels philosophieren. Dazu kommen die bekannten Auto- oder Reifentests. Ins Heft eingelegt ist ein 22-seitiges Regional-Supplement, das die ADAC-Regionalclubs verantworten.

Wie dieses Gesamtpaket bei den Mitgliedern ankommt und wie viele Hefte am Ende bei Edeka und Netto liegen bleiben, bleibt abzuwarten. Unkomplizierter wäre es wohl, die neue Motorwelt gleich als E-Paper per Eingabe der Mitgliedsnummer aus dem Internet zu fischen. Ganz Traditionelle können sich ihre Club-Zeitschrift auch wie bisher auf Papier in den eigenen Briefkasten bestellen. Das kostet aber zehn Euro pro Jahr.

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