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Analyse

Brexit – war da was?

  • VonStephan Kaufmann
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Allen Unkenrufen zum Trotz wächst die britische Wirtschaft auch nach der Entscheidung zum Austritt aus der EU weiter. Ökonomen sehen den Abschwung allerdings nur aufgeschoben.

Eigentlich ist es eine gute Nachricht: Die britische Wirtschaftsleistung ist zwischen Juli und September um 0,5 Prozent gewachsen und damit wesentlich stärker als von Ökonomen erwartet. Doch für die Experten kommt diese frohe Botschaft ungelegen. Denn sie hatten Großbritanniens Ökonomie dunkle Zeiten vorhergesagt – schließlich hatten die Briten Ende Juni für den Ausstieg aus der EU votiert. Nun wackelt die Argumentation jener, die vor einer Katastrophe im Zuge des Brexit warnen.

Am 23. Juni stimmte die britische Bevölkerung knapp gegen einen Verbleib ihres Landes in der EU. Kurz darauf stürzte das britische Pfund ab. Ökonomen prognostizierten daraufhin steigende Importpreise, steigende Inflationsraten und einen schwächeren privaten Konsum. Die allgemeine Unsicherheit werde die Unternehmen dazu bringen, Investitionen aufzuschieben, warnten sie. Die ökonomischen Folgen des Brexit waren das zentrale Argument für einen Verbleib in der EU – auf das die Mehrheit aber nicht hören wollte: „Unser Berufsstand scheint nicht in der Lage zu sein, die Öffentlichkeit zu überzeugen“, klagte Chris Giles von der „Financial Times“.

Im Brexit-Fall herrschte unter Ökonomen eine seltene Einigkeit. Die Bank Barclays sagte eine Stagflation – ökonomische Stagnation plus anziehende Inflation – voraus, die Deutsche Bank sah eine „Phase außergewöhnlicher Unsicherheit“. Die Bank of America prognostizierte, die britische Wirtschaft werde sich „schnell abkühlen“. Sowohl J.P. Morgan wie auch Goldman Sachs kündigten eine kurzfristige Rezession an. Morgan Stanley erwartete für das dritte Quartal dieses Jahres ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent.

Überraschung auf der Insel

Doch nun ist es ein Plus von 0,5 Prozent geworden. „Wir sind von den starken Zahlen überrascht“, kommentierte die Bank Unicredit. Bisher hat der schwächere Pfundkurs nicht zu höheren Preisen auf der Insel geführt. Zwar gab es kurzzeitig einen Aufruhr auf der Insel, als der Lebensmittel-Riese Unilever kräftige Aufschläge für den britischen Lieblings-Brotaufstrich Marmite verlangte. Doch von einer steigenden Inflation, die die Briten ärmer macht, ist derzeit nichts zu sehen.

Dementsprechend läuft der private Konsum gut, die Briten gehen weiter einkaufen. Details zum britischen Wirtschaftswachstum im dritten Quartal sind zwar noch nicht bekannt. Klar ist aber schon, dass der inländische Dienstleistungssektor die Konjunktur anschiebt, insbesondere die Bereiche Lagerhaltung, Transport und Kommunikation: Der Einzelhandel legte kräftig zu, ebenso das Hotel- und Gaststättengewerbe. Kinos und TV-Produktion verbuchten sogar ein Plus von 16,4 Prozent. Die Stimmungsindikatoren bei den Dienstleistern wie in der Industrie sind zuletzt wieder auf Werte wie zur Zeit vor dem Brexit-Referendum gestiegen.

Doch das überzeugt die Ökonomen nicht. Sie sehen den Abschwung nur aufgeschoben. Credit Suisse erwartet eine deutliche Abschwächung im vierten Quartal. Auch die Volkswirte der Allianz sehen ein baldiges Ende der britischen „Flitterwochen“. Das schwache Pfund werde die Inflation in die Höhe treiben und dadurch die Konsumenten belasten. Britische Unternehmen würden 2017 ihre Investitions- und Einstellungspläne deutlich zurückschrauben, so die Allianz. Wie es längerfristig weitergehe, sei jedoch offen. Dies „hängt stark vom Ergebnis der komplexen Verhandlungen mit der EU ab, die Jahre in Anspruch nehmen dürften“.

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