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Börsianer in Frankfurt waren nicht erfreut über die Abfuhr für den Brexit-Vertrag.

Dax

Brexit: Anleger reagieren entspannt

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Nach dem Aus für ein geregeltes Brexit-Abkommen gibt es kaum Bewegung an der Frankfurter Börse. Der Dax legt sogar leicht zu.

Keine Aufregung an der Börse, die Kurse bewegen sich am Mittwoch kaum. Aber natürlich sind Börsianer wie Banker am Finanzplatz Frankfurt nicht erfreut über die deutliche Abfuhr für den Brexit-Vertrag und die Premierministerin Theresa May im britischen Parlament. Von einem „harten Warnschuss“ spricht Andreas Krautschein, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes. „Die Ablehnung erhöht die Unsicherheit wieder deutlich“, sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer der Lobby-Initiative Frankfurt Main Finance. Commerz-Ökonom Peter Dixon rechnet mit der Verschiebung des Brexit-Termins und schließt eine neue Volksabstimmung nicht aus. Stefan Winter, Chef des Verbandes der Auslandsbanken ist enttäuscht, sieht die Institute aber auf die Situation vorbereitet. „Hope for the Best, plan for the worst – Hoffe auf das Beste und plane für den schlimmsten Fall“. Ein harter Brexit sie immer Planungsmaxime gewesen. Er fordert aber von der EU „pragmatische Übergangslösungen“.

Der Deutsche Aktienindex Dax legt am Mittwoch sogar leicht zu. Deutsche Bank und Commerzbank legten gegen den Trend um mehr als frei und zwei Prozent zu – auch wegen des Brexit-Votums, vor allem weil es wieder mal Spekulationsgespinste gibt. „Das Ergebnis hatte die Börse erwartet, wir haben den alten Zustand“, kommentiert Börsenhändler Carsten Sommerfeld von Tradegate die Lage. Man wisse nicht was die Briten wollten, auch die selbst wüssten es nicht.

Keine Geschäfte in der EU

Banken und Finanzdienstleister können nach dem Austritt Großbritanniens von London aus keine Geschäfte in der EU betreiben. Ihnen fehlt dann der notwendige EU-Passport. Frankfurt, davon waren heimische Banker und Beobachter der Finanzszene schon im vergangenen Jahr überzeugt, profitiere deshalb bereits vom Brexit.

Das lesen manche einfach daran ab, dass sich an fast jeder Ecke neue Büro-Türme entstehen, oft in Verbindung mit Appartements. 45 Banken haben bei der Finanzaufsicht BaFin und der Europäischen Zentralbank (EZB) um eine Lizenz für EU-Geschäfte von Frankfurt aus nachgefragt. Oder für die Ausweitung ihrer Tätigkeit am Main, sagt Felix Hufeld, Präsident der Finanzaufsicht BaFin. Es sind wohl vor allem amerikanische und japanische Geldhäuser. „Mindestens 5400“ neue Arbeitsplätze erwartet Wirtschaftsdezernent Markus Frank durch die Verlagerung von Aktivitäten von Banken und Finanzdienstleistern von der Themse an den Main.

Von 10 000 spricht sogar Frankfurt Main Finance. Bei den Auslandsbanken ist man zurückhaltend. Verbandschef Winter schätzt den Brexit-Zulauf auf etwa 5000 Jobs, in ganz Deutschland. Harte Zahlen gibt es nicht. Es mag zwar bei vielen Instituten Umzugspläne geben, aber nicht alle betroffenen Beschäftigten wollen nach Frankfurt kommen. Die Wechselbereitschaft sei gering. „Die maximale Akzeptanzquote liegt bei etwa 30 Prozent“, sagt Winter. Immer noch betrachten in London ansässige Banker Frankfurt offensichtlich als provinziell.

Andererseits berichten Immobilienfirmen von Rekordinvestitionen in Gewerbeimmobilien im vergangenen Jahr in Frankfurt. 61,5 Milliarden Euro seien es gewesen, sagt Piotr Bienkowski, Chef von BNP Paribas Real Estate Deutschland. Die Spitzenmiete ist auf rund 40 Euro pro Quadratmeter gestiegen. Auch bei Wohnungen boomt es. Teils möblierte Einheiten werden zu stolzen Quadratmeterpreisen von 6000 Euro angeboten. Freilich: Der Brexit sei nur ein Faktor, sagen Experten. Sie rechnen allerdings mit gebremsten Käufen von Gewerbe- und Büro-Immobilien in diesem Jahr. Nicht wegen der Brexit-Unsicherheit. Sondern weil interessante und lukrative Objekte fehlen.

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