Analyse zur Deutschen Telekom

Die breite Brust von René Obermann

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Richtig rosig sieht es für den Konzern mit dem markanten Magenta nicht aus. Aber: Für Chef René Obermann gibt es viel Lob für sein offensives Krisenmanagement in der Spitzelaffäre. Immerhin. Von Frank-Thomas Wenzel

Preiskämpfe in Großbritannien, harte Konkurrenz in den USA. Im Deutschlandgeschäft die aggressiven Kabelnetzbetreiber im Nacken und ein Regulierer, die der Telekom ständig reingrätscht. Die Gewinnwarnung in der vorigen Woche. Richtig rosig sieht es für den Konzern mit dem markanten Margenta nicht aus.

Dennoch gab´s auf der Hauptversammlung wohlwollenden Applaus für Konzernchef René Obermann. Wie das geht? Viele Wortbeiträge auf der Versammlung standen unter dem Motto: Es hätte alles noch viel schlimmer kommen können. Viel Lob gab es für Obermann für sein offensives Krisenmanagement in der Spitzelaffäre. Er hat Fehler eingeräumt und den Datenschutz massiv gestärkt.

Der Aktienkurs hat in den vergangenen zwölf Monaten wahrlich keinen Höhenflug hingelegt. Aber das Papier steht immer noch erheblich günstiger da, als viele andere Titel. Und es gibt eine üppige Dividende von 78 Cent pro Aktie. Das entspricht auf Basis des aktuellen Aktienkurses einer Rendite von fast zehn Prozent.

Doch ausgerechnet die Ausschüttung sorgte bei Aktionärsschützern für Kritik. Das ist bemerkenswert, da Aktionärsschützer eigentlich gar nicht genug Dividende kriegen können. "Die Telekom hat die Dividende nicht verdient", betonte aber Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Die Telekom schüttet rund 3,4 Milliarden Euro aus.

Wollte Heuschrecke Blackstone die üppige Dividende?

Der Konzernüberschuss betrug im vorigen Jahr 1,5 Milliarden Euro. Eine überhöhte Dividende kann an die Substanz von Unternehmen gehen, in jedem Fall steht weniger Geld für Investitionen zur Verfügung. Labryga vermutet, dass da ein "Großaktionär in seinen Rüpeljahren" dahinter steckt, er meinte den Bund, der als größter Aktionär knapp ein Drittel der Anteile hält. Es könne allerdings auch sein, dass der "Schwanz mit dem Hund wendelt" und die Heuschrecke Blackstone für ihren 4,4-Prozent-Anteil eine üppige Dividende verlangt.

Höttges und Obermann machten es gleich mehrfach deutlich: Es soll auch in diesem Jahr eine "attraktive Dividende" geben, obwohl dem "schweren Jahr 2008" (Obermann) ein noch schwereres folgen kann. Die weltweite Wirtschaftskrise beutelt auch die Telekom. Die größte Baustelle dürfte derzeit die Tochter in Großbritannien sein. Höttges kündigte an, dass bei T-Mobile UK eine wuchtige Abschreibung von etwa 1,8 Milliarden Euro notwendig wird.

In Großbritannien gibt es in der Mobilfunkbranche enorme Überkapazitäten, das bedingt Preiskämpfe, die wiederum geringe Margen bringen. Obermann betonte, er wolle die Tochter "neu ausrichten". Spekulationen, dass die Bonner sich von der Insel zurückziehen werden, wurden indes durch Höttges genährt. Der Finanzchef hält in UK "eine Konsolidierung" für nötig, und dabei dürfe keine Denkverbote geben.

Kosten senken, Netze ausbauen und neue Smartphones anbieten - damit will der Vorstand das andere Sorgenkind, T-Mobile USA flott, machen. Klaus Kaldemorgen von der Deutsche-Bank-Fondstocher DWS ist dennoch skeptisch. Er befürchtet, dass T-Mobile USA "zwischen Premium- und Billiganbietern" eingeklemmt werden könne.

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