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Ein Patient erhält mit Produkten von B. Braun eine Infusionstherapie.

B. Braun

Unangenehme Überraschung

Die Geschäfte des Medizintechnikherstellers B. Braun liefen 2018 gut. Produkte wie Implantate oder Infusionssysteme waren gefragt. Doch ungünstige Wechselkurse verhagelten den Gewinn.

Erstmals mehr als sieben Milliarden Euro Konzernumsatz – mit dieser Zahl wäre Heinz-Walter Große gern in den Ruhestand gegangen. Doch Wechselkursveränderungen haben dem scheidenden Vorstandschef des nordhessischen Medizintechnik- und Pharmaherstellers B. Braun Melsungen AG einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das Wachstum fiel bescheiden aus, der Gewinn blieb sogar hinter dem Vorjahresniveau zurück.

Im vergangenen Jahr setzten die Nordhessen knapp 6,91 Milliarden Euro um, das waren 1,8 Prozent mehr als 2017. Zu konstanten Wechselkursen gerechnet sieht das Plus mit 5,3 Prozent deutlich besser aus. Fast die Hälfte des Konzernumsatzes brachte die Sparte für Krankenhausbedarf ein, gefolgt von der Chirurgietochter Aesculap, der Dialyse-sparte Avitum und dem Geschäft mit Produkten für Arztpraxen und Pflegebedarf. Alle Sparten legten zu. Am dynamischsten entwickelte sich jedoch das Dialysegeschäft.

„Was uns nicht gefällt, ist das Ergebnis“, sagte Große am Freitag bei der Bilanzvorlage. Mit mehr als 100 Millionen Euro schlugen die Währungsverschiebungen auf das Ergebnis durch. Die Inbetriebnahme neuer Fertigungen und steigende regulatorische Anforderungen, etwa die neue europäische Medizinprodukteverordnung, kosteten den Hersteller von Implantaten, Chirurgiebesteck, Infusionssystemen oder Wundversorgungsprodukten zusätzlich Geld. Die Folge: Der Überschuss knickte um 20,2 Prozent auf 328,4 Millionen Euro ein.

Nicht börsennotiert und allein in Familienhand stemmt B. Braun Melsungen Investitionen mit eigenem Geld und dem der Banken. Die Finanzschulden stiegen im vergangenen Jahr netto um zehn Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Die Eigenkapitalquote blieb bei etwas über 40 Prozent. Die Investitionen waren mit knapp 922 Millionen Euro mehr als doppelt so hoch wie die Abschreibungen. In Forschung und Entwicklung flossen laut Geschäftsbericht weitere 318 Millionen Euro. B. Braun, Arbeitgeber für fast 64 000 Menschen, baut weltweit seine Fertigung aus und spart den Heimatmarkt nicht aus: In Wilsdruff bei Dresden eröffnete die nach eigenen Angaben modernste Fabrik für Dialysefilter. Der Löwenanteil des Umsatzes stammt aus Ländern, in denen der Konzern selbst produziert.

Auf einen harten Brexit sei man vorbereitet, sagte Finanzchefin Annette Beller mit Blick auf das Großbritanniengeschäft. B. Braun habe sich bei dortigen Lieferanten auf Vorrat eingedeckt. Britische Kunden des Konzerns reagieren genauso: Der Umsatz mit ihnen stieg zuletzt um zehn Prozent.

Die designierte Vorstandsvorsitzende Anna Maria Braun behält trotz Brexits, abflauender Konjunktur und Währungsschwankungen die Ruhe. Der Gesundheitsmarkt sei relativ stabil, sagte die 39-Jährige, die im Vorstand das Asien-Pazifik-Geschäft verantwortet und Große zum 1. April ablösen wird. Für das laufende Jahr stellt sie ein Umsatzwachstum von fünf bis sieben Prozent bei konstanten Wechselkursen in Aussicht und peilt einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von mehr als einer Milliarde Euro an. Die Investitionen sollen sich in etwa auf Vorjahresniveau bewegen.

Die Tochter des früheren Konzernchefs und jetzigen Aufsichtsratsvorsitzenden Ludwig Georg Braun wird das Unternehmen in sechster Generation führen. Auch sie hat sich das Wachstum aus eigener Kraft auf die Fahnen geschrieben: „Wir wollen ein Familienunternehmen bleiben.“

Von Barbara Will

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