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Hochbetrieb an der New York Stock Exchange (NYSE): Aktienhandel ist ein schnelllebiges Geschäft.
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Hochbetrieb an der New York Stock Exchange (NYSE): Aktienhandel ist ein schnelllebiges Geschäft.

Buchautor Michael Ritzau

Wer braucht einen Fondsmanager?

Niemand, meint Buchautor Michael Ritzau, denn entscheidend für den Erfolg einer Geldanlage sind ihre laufenden Kosten.

Von Michael Ritzau

Auch Nobelpreisträger beschäftigen sich manchmal mit simplen Grundrechenarten. Kurz nachdem ihm der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften 1990 verliehen wurde, war es bei William F. Sharpe so weit: Genervt durch die ständigen Behauptungen der Fondsindustrie, gute Fonds könnten ihre Benchmark leicht schlagen, publizierte er 1991 den Artikel „The Arithmetic of Active Management“ (Die Arithmetik des aktiven Managements). Darin heißt es: „Es ist mathematisch unausweichlich, dass aktives gemanagtes Geld im Schnitt schlechtere Renditen als passiv gemanagtes liefern muss.“

Sharpe weist in seinem Artikel ausdrücklich darauf hin, dass keine höhere Mathematik erforderlich ist, um diese Aussage zu treffen. Die einzige Annahme, die er für diese weitreichende Aussage machen muss, ist in der Tat keine Annahme, sondern ein Fakt: Die Kosten und Gebühren des aktiven Anlagemanagements sind höher als die des passiven Indexinvestments, bei dem Anleger schlicht auf die Entwicklung eines Aktienindex wie zum Beispiel dem Dax setzen.

Wie haben nun die aktiv gemanagten Fonds in den letzten Jahren abgeschnitten? Die Ratingagentur Morningstar hat Daten dazu Anfang 2015 veröffentlicht. Nur 11,8 Prozent der weltweit investierenden Aktienfondsmanager waren 2014 besser als ihre Benchmark, also der vergleichbare Aktienindex. Knapp sechs Prozent verlor zum Beispiel der durchschnittliche weltweit anlegende Aktienfonds auf den Aktienindex MSCI World.

Schlimmer noch: Der Durchschnitt der aktiv gemanagten Fonds ist in jedem einzelnen der fünf betrachteten Jahre deutlich schlechter als die Benchmark. Der Rückstand der Fonds auf den Index ist gewaltig: Im Schnitt haben die aktiven Fonds sage und schreibe 4,31 Prozent pro Jahr auf ihre Benchmark verloren.

Das ist nicht mehr allein mit den hohen Gebühren zu erklären. Die hochbezahlten Fondsmanager haben es fertiggebracht, durch eine schlechte Aktienauswahl, schlechtes Timing beziehungsweise hohe Handelskosten innerhalb der Fonds noch weiter hinter ihre Benchmark zurückzufallen. Doch wie viel Verlust haben sie zusätzlich zu ihren veröffentlichten laufenden Kosten verursacht? Laut Morningstar lagen die durchschnittlichen laufenden Kosten für Aktienfonds zwischen 2011 und 2014 konstant bei 1,85 Prozent.

Also haben die Fondsmanager durch ihr „professionelles Management“ zusätzlich jährliche Verluste von satten 2,46 Prozent pro Jahr produziert. Welch ein ungeheures Versagen des gesamten Konzepts verbirgt sich in diesen Zahlen! Diese deprimierend schlechten Werte sind zudem äußerst repräsentativ. Die untersuchte Morningstar-Kategorie umfasst über 1500 Fonds (Stand: April 2016) und ist vermutlich die vom Anlagevolumen und der Zahl der Fonds wichtigste Aktienfondskategorie überhaupt. Und bei Renten- und Mischfonds sehen die Zahlen nicht besser aus.

Die „Finanztest“-Redaktion und viele andere Fondstippgeber aber wischen solche Daten einfach mit dem Hinweis darauf weg, dass sie nur die wenigen „Perlen“ unter den aktiven Fonds herausfiltern. Dumm nur: Wenn die „Perlen“ sich als Zufallsgewinner herausstellen, haben sie genau die gleiche Perspektive wie jeder Durchschnittsfonds – nämlich vom Index abgehängt zu werden. Deshalb wird die Zahl der Fonds, die von ihrer Benchmark geschlagen werden, umso größer, je längere Zeiträume man betrachtet. Bei global investierenden Aktienfonds waren nach einer S&P-Untersuchung Dow Jones Indizes über die zehn Jahre von 2006 bis 2015 noch ganze zwei Prozent besser als der Index.

Es gibt eine Fülle von wissenschaftlichen Studien, die die Fragestellung untersuchen, ob gute Fondsresultate in der Vergangenheit Vorhersagekraft für die Zukunft haben. Etliche Studien finden zwar eine gewisse Dauerhaftigkeit der Wertentwicklung von Fonds. Allerdings ist eine stabile Wertentwicklung laut den meisten Untersuchungen nur über begrenzte Zeiträume und hauptsächlich bei den Fonds mit der allerschlechtesten Wertentwicklung zu beobachten (Loser bleiben Loser). Sofern sie bei den besten Fonds überhaupt gefunden wird, ist sie auf wenige Prozent der Fonds beschränkt und wird meist durch deren Kosten wieder zunichtegemacht.

James L. Davis schrieb 2001: „Sogar die Fonds mit der besten Performance behalten ihre überlegene Leistung nicht für längere Zeiträume bei.“ Robert Bauer berichtete 2006: „Hinweise auf dauerhaft überdurchschnittliche Fonds sind nicht vorhanden.“ Nobelpreisträger Eugene Fama resümierte 2009: „Die besten drei Prozent der Fonds holen gerade mal ihre Kosten wieder herein.“ Und A. Reynolds kam 2014 zu dem Ergebnis: „(Fonds)-Ratings bieten wenig in Bezug auf ihre Vorhersagekraft. Niemand weiß, was die Zukunft bringt.“

Alle Studien betonen das durch den Zufall verursachte enorme „Rauschen“ in den Daten der Fondsperformance. Es ist praktisch unmöglich, die Fondsmanager, die den Index aufgrund ihres Könnens schlagen, von ihren Kollegen zu unterscheiden, die einfach nur Glück hatten. Und von denen gibt es viele: Nach Angaben von Morningstar sind in Deutschland knapp 29 000 Fonds für Privatanleger zugelassen. Nimmt man nach dem Zufallsprinzip an, die Fonds hätten in jedem Jahr eine 50-prozentige Chance ihren Vergleichsindex zu schlagen, dann erwarten wir eine Zahl von 906 Fonds, die nur durch Glück den Index fünf Jahre hintereinander schlagen sollten.

Auch die britische Finanzaufsicht FSA untersuchte schon im August 2000 die Dauerhaftigkeit in der Wertentwicklung bei aktiv gemanagten Investmentfonds. Zusammenfassend kommt sie zu diesem Ergebnis: „Anleger können ihre Chance, einen Fonds mit zukünftig guter Wertentwicklung zu finden, nicht erhöhen, indem sie einen wählen, der sich in der Vergangenheit gut entwickelt hat.“

Bedeutet das, es gibt keine Kriterien zur Fondsauswahl? Nein – es gibt etwas, das Vorhersagekraft hat: William Sharpe nannte es im Gespräch mit mir: „Das Einzige, was mit einiger Zuverlässigkeit vorhersagt, welche Investmentfonds in der Zukunft am besten abschneiden werden, sind ihre laufenden Kosten!“

Leider erfordert das Provisionssystem von Banken und Sparkassen den Verkauf teurer Produkte. Für den Bereich Fonds heißt das, man bekommt regelmäßig teure aktiv gemanagte Fonds empfohlen. Der informierte Anleger fällt nicht darauf herein. Es gibt mit den Indexfonds hervorragende kostengünstige Alternativen.

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