+
Brasiliens staatlicher Ölkonzern Petrobras schlug beim Mindestpreis zu.

Analyse

Versteigerung von riesigen Ölfeldern vor Rio: Brasilien verschätzt sich

  • schließen

Brasilien hoffte auf Milliarden für die Staatskasse. Doch bei der Auktion für die gigantischen Ölfelder südlich von  Rio de Janeiro wollte kaum jemand bieten. 

Brasilien – Die Superlative hätten fast nicht größer sein können. Die „Mega-Versteigerung“ von Ölfeldern in den Tiefen des Meeres mehrere Hundert Kilometer südlich der Stadt Rio de Janeiro sollte den öffentlichen Kassen Brasiliens Milliarden-Einnahmen einbringen und die Entwicklung des brasilianischen Ölsektors beschleunigen. 

Der Bund hoffte, mit dem Verkauf von vier „Pré-Sal“-Gebieten im Santos-Becken 106,5 Milliarden Reais, umgerechnet 23,5 Milliarden Euro, einzunehmen. Wären alle Blöcke vergeben worden, wäre dies nach der Vorstellung der Regierung Brasiliens der höchste Betrag gewesen, der jemals in einer Versteigerungsrunde von Öl-Fördergebieten erzielt wurde.

Wirtschaftswissenschaftler aus Brasilien: "Man weiß, dass es eine Menge Öl gibt"

Was die Versteigerung vermeintlich so besonders machte und die Blöcke so wertvoll, ist die Gewissheit, dass dort bereits Öl gefördert werden kann; Petrobras hat die Gebiete schon erkundet und dort teilweise produziert. „Man weiß, dass es eine Menge Öl gibt, dass man viel Geld verdienen kann und dass deswegen das Risiko nicht so groß ist“, sagte der Wirtschaftswissenschaftler Maurício Canedo von der „Fundação Getúlio Vargas“. 

Ein Gesetz gewährte dem halbstaatlichen Petrobras-Konzern 2010 das Recht, die bis zu fünf Milliarden Barrel Öl aus den Tiefen des Atlantiks unter einer dicken Salzschicht (weshalb die Brasilianer von „Pré-Sal“, vor dem Salz, sprechen) zu fördern. Doch dort dürften sogar bis zu 15 Milliarden Barrel, lagern. Diese Differenz ging nun in die Versteigerung. „Es hat niemals, weder in Brasilien noch in der Welt, etwas von dieser Größenordnung gegeben“, sagte Adriano Pires, Direktor des „Centro Brasileiro de Infraestrutura“ (Cbie).

Ölfeld-Versteigerung bringt Brasilien umgerechnet 15,5 Milliarden Euro ein

Mit Einnahmen von umgerechnet 15,5 Milliarden Euro fiel das Ergebnis der Versteigerung aber weit geringer aus als erwartet. Nur weil Petrobras beim Mindestgebot zuschlug, wurde die Auktion nicht ein völliger Reinfall. Die US-Konzerne Chevron und Exxon Mobil sowie die niederländisch-britische Shell, die sich zur Versteigerung angemeldet hatten, gaben nicht einmal ein Gebot ab. Die britische BP und die französische Total hatten sich schon im Vorfeld nicht interessiert gezeigt. Allein die beiden staatlichen chinesischen Konzerne CNODC und CNOOC erwarben zusammen mit Petrobras Minderheitsbeteiligungen und sicherten sich ein Zugriffsrecht auf den Schatz im Atlantik vor Rio.

Ersteigerung hat „viel zu wünschen übrig gelassen wegen des fehlenden ausländischen Interesses“, schrieb der Analyst André Perfeito von Necton Investimentos in einer Erklärung. Die Hoffnung großer Devisenzuflüsse habe sich nicht erfüllt.

Bei der bis dato jüngsten Ölfeld-Versteigerung in Brasilien blieben Verkäufer aus 

Als die „Agência Nacional de Petróleo“ (ANP, Nationale Ölagentur) bei der bis dato letzten Versteigerung im Oktober Blöcke in der Nähe der Inselgruppe Abrolhos, eine der artenreichsten Regionen im Süden des Atlantischen Ozeans, angeboten hatte, schlug gar niemand zu – aus Angst vor einem Umweltunfall, der das Ende eines Unternehmens bedeuten kann.

Diesmal, so Anwalt Miguel Neto, hatte die Bundesbehörde ANP den Preis wohl zu hoch veranschlagt. Das Ergebnis ist eine Niederlage für die Regierung von Präsident Jair Bolsonaro, die seit ihrem Amtsantritt im Januar eine liberale Agenda verfolgt und die Öl-Produktion in den kommenden zehn Jahren verdoppeln will, sodass Brasilien unter die fünf größten Ölnationen der Welt aufsteigt.

Von Martina Farmbauer

Während Tausende Freiwillige versuchen, die Strände in Brasiliens Nordosten zu reinigen, spielt die Regierung um Jair Bolsonaro die mysteriöse Ölpest herunter – und gibt vor, alles im Griff zu haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare