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Da war noch alles gut: Unicredit-Boss Alessandro Profumo freute sich mit HVB-Chef Dieter Rampl 2005 über die Fusion.
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Da war noch alles gut: Unicredit-Boss Alessandro Profumo freute sich mit HVB-Chef Dieter Rampl 2005 über die Fusion.

Banken

Branche vor Stellenabbau

Mehrere zehntausend Arbeitsplätze sind durch Fusionen in Gefahr. Die "Hypo" streicht allein in Deutschland 2000 Jobs.

Von THOMAS MAGENHEIM UND BERND SALZMANN

München/Frankfurt. Die italienische Großbank Unicredit und ihre Münchner Tochter Hypo-Vereinsbank (HVB) bauen in den nächsten Jahren 9000 Stellen ab. Zugleich werden in Osteuropa in noch stärkerem Umfang Jobs aufgebaut, um dort die Geschäfte anzukurbeln und in den reifen Märkten Westeuropas die Kosten zu senken, kündigte Unicredit-Chef Alessandro Profumo an.

Rund zwei Drittel der Stellen sollen in Italien gestrichen werden, wo die römische Capitalia-Bank in den Konzern integriert wird. Etwa 800 Arbeitsplätze sehen österreichische Arbeitnehmer in Gefahr. Damit droht der HVB in Deutschland, wo die Geschäfte eher mau laufen, ein Abbau von gut 2000 Stellen. Das deckt sich mit den Befürchtungen der heimischen Belegschaft.

Neue Abbauwelle in München

Genau wollen weder Unicredit noch HVB sagen, was auf das deutsche Personal zukommt, das zuletzt noch knapp 25 000 Frauen und Männer zählte. Das sind rund 2500 Stellen weniger als bei Übernahme der HVB durch Unicredit im Jahr 2005.

Nun droht die nächste Abbauwelle, fürchtet die Arbeitnehmerseite. Betriebsräte haben sich wegen des bevorstehenden Kahlschlags am Donnerstag zu einer Krisensitzung getroffen. Für kommenden Montag ruft die Personalvertretung zu einer Protestaktion vor der Münchner HVB-Zentrale auf. Sie will dann auch über die konkreten Abbaupläne für Deutschland informiert werden.

Die HVB ist unter Unicredit schon radikal umgebaut worden, weswegen Kleinaktionäre mit den Italienern vor Gericht im Dauerstreit liegen. In den wachsenden osteuropäischen Märkten will die viertgrößte Bank Europas bis Ende 2010 dagegen 1300 Filialen neu eröffnen und 11 500 Stellen aufbauen. Weil die Löhne dort deutlich niedriger sind als im Westen, sollen ganze Verwaltungseinheiten, etwa in der Datenbearbeitung, vor allem nach Polen verlagert werden. Ziel des Unicredit-Chefs ist es, die Rentabilität des Gesamtkonzerns binnen drei Jahren dadurch um bis zu ein Viertel zu steigern.

Der Jobabbau bei der Hypo-Vereinsbank markiert womöglich nur den Beginn eines drastischen Stellenabbaus in der Branche. Denn das Thema Fusionen ist in den Chefetagen wieder weit nach oben auf der Tagesordnung gerückt. Und Zusammenschlüsse kosten Jobs. "Das Fusionskarussell beginnt sich wieder zu drehen", sagt Dirk Müller-Tronnier, Partner bei Ernst & Young. Nach einer Umfrage der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft bei 121 Banken erwarten 87 Prozent der befragten Führungskräfte, "dass es zu einer deutlichen Konsolidierung im deutschen Bankensektor kommen wird".

Gegenwehr der Gewerkschaft

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) fordert bereits präventiv den "Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen". Denn im Fall einer Großfusion sieht Verdi "zirka 20 000 Arbeitsplätze als gefährdet an".

Zu solch einem Zusammenschluss könnte es schneller kommen als viele denken. Schließlich gelten Dresdner Bank, Citibank und Postbank als Übernahmekandidaten. Der Mutterkonzern Deutsche Post leitete am Dienstag den Verkaufsprozess für Deutschlands kundenstärkste Retailbank ein.

Fusionsgelüste werden aber auch im Genossenschaftslager und bei den öffentlichen Banken gehegt. Die beiden Zentralinstitute der Volks- und Raiffeisenbanken, DZ und WGZ, teilten ebenfalls am Mittwoch überraschend mit, dass sie einen neuen Anlauf zu einer Fusion nehmen. Im Landesbankenlager wird schon seit Monaten gegrübelt, wer mit wem am besten zusammenpassen würde.

Noch völlig unklar ist, ob ausländische Banken am deutschen Markt Geschäft zukaufen können. Das Interesse ist auf jeden Fall da. Allein bei der Postbank stehen Santander, Lloyds, Fortis und andere Schlange.

Welche Folgen der Verkauf einer deutschen Bank an ausländische Konkurrenten haben kann, zeigt die HVB. Auf Rückendeckung durch erfahrene deutsche Manager kann die heimische Belegschaft dort kaum noch zählen. Viele Spitzenbanker haben bei der Übernahme durch Unicredit oder in den drei Jahren danach das Haus verlassen. Der derzeitige HVB-Chef Wolfgang Sprißler geht Anfang 2009 als einer der letzten Topbanker aus den Zeiten der Eigenständigkeit. Ein 2005 vereinbartes Kündigungsverbot läuft Ende 2008 aus.

Im Gesamtkonzern beschäftigt Unicredit derzeit 180 000 Frauen und Männer. Davon arbeiten 100 000 Menschen in Westeuropa, also für Unicredit Italien, Deutschland und Österreich. Am Ende der jetzt beschlossenen Operation soll das Personal auf Ost- und Westeuropa etwa gleich verteilt sein.

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