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Arzt-Patient-Gespräch im Offenbacher Klinikum (Archiv).

Mangel an Ärzten, Pflegern und Medizintechnikern

Branche mit Schwindsucht

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Eine Studie warnt vor Mangel an Facharbeitern in der Gesundheitswirtschaft im Rhein-Main-Gebiet. Als Gegenmaßnahmen werden unter anderem Sprach-Crash-Kurse für aus dem Ausland angeworbene Kräfte erwogen.

Bis zu 120.000 Arbeitskräfte fehlen der Gesundheitswirtschaft in den nächsten 20 Jahren im Rhein-Main-Gebiet. Mangeln wird es vor allem an Ärzten, Pflegekräften und Medizintechniker. Nachzulesen ist das in einer am Donnerstag in Frankfurt vorgestellten Studie. „Wir brauchen eine konzertierte Aktion, um Fachkräfte zu gewinnen und zu binden“, forderte Florian Gerster, Vorsitzender der Initiative Gesundheitswirtschaft Rhein-Main.

Der Verein, die Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt sowie die Wirtschaftsinitiative Frankfurt/Rhein-Main sind Auftraggeber der Studie, die den „Worst-Case“, den schlimmsten Fall, annimmt und als Warnsignal verstanden werden soll.

Damit es nicht so weit kommt, bietet die Initiative Lösungen an, für die sie jetzt bei den Entscheidungsträgern in Wirtschaft und Politik werben will: Eine leichtere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, längere Arbeitszeiten mit höherer Vergütung, neue Berufsbilder sowie ein Modellprojekt für die Kombination von ambulanter und stationärer Versorgung sind die Stichwörter.

Sprach-Crash-Kurse für aus dem Ausland angeworbene Kräfte sollen dafür sorgen, dass sie sich hier wohlfühlen und bleiben. Detlef Hans Franke, Vorstandsmitglied der Initiative: „Zwei Drittel kehren derzeit wieder zurück in die Heimat.“

Doch es geht nicht nur um Berufe im weißen Kittel. Wilhelm Bender stellte die wichtige Rolle der Pharmaindustrie in der Region heraus. Der Vorsitzende der Wirtschaftsinitiative macht sich für ein „House of Pharma“ stark, unter dessen Dach die Industrie gemeinsam entwickeln und forschen soll. Die von Dennis Ostwald vorgestellte Zukunfts-Studie bezieht sich auf die sich über drei Bundesländer erstreckende Region zwischen Darmstadt und Gießen, Aschaffenburg und Ingelheim.

Den größten Handlungsbedarf sieht der Geschäftsführer des Darmstädter WifOR-Instituts bei den Nicht-Akademikern. „Wir brauchen mehr junge Leute, die sich für eine Ausbildung entscheiden“, sagt er. Dies müsse gelingen, bevor im Jahr 2020 der demografische Wandel auch in Rhein-Main ankomme.

Ostwald plädiert ebenfalls für längere Arbeitszeiten – sowohl bezogen auf die Woche als auch das Arbeitsleben. Dazu müsse es Tätigkeiten geben, die auch Ältere verrichten können. Sparpotenzial sieht er bei der Bürokratie. Dort würden noch zu wenige moderne Technologien eingesetzt.

Wie IHK-Hauptgeschäftsführer Matthias Gräßle hält auch Ostwald die Aufwertung des Berufs für notwendig. Denn: „Die Gesundheitswirtschaft steht in Konkurrenz zu vielen anderen attraktiven Branchen.“
Eine merkliche Aufstockung der Entlohnung hingegen hält Gerster nicht für notwendig. „Ich glaube, dass der Markt das regeln wird.“ Wohl aber müsse es für die Pflegekräfte in einer Klinik bessere Möglichkeiten des beruflichen Aufstiegs geben.

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