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Tanja Rückert sieht sich nicht als Gallionsfigur bei Bosch.

Bosch

Chefin von zu Hause aus

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Bosch gilt als Männerbetrieb. Tanja Rückert amtiert dort  als erste Bereichschefin.

Die Managerin mit der auffälligen Perlenkette um den Hals strahlt Zufriedenheit aus. Tanja Rückert hat einen Arbeitsplatz, mit dem sich Beruf und Familie gut vereinbaren lassen. Das darf in ihrem Fall als bemerkenswert gelten. „Home Office geht auch in meiner Funktion“, findet die Chefin der in Grasbrunn bei München ansässigen Bosch Gebäudetechnik. Einen Tag pro Woche managt sie in der Regel vom Heimarbeitsplatz in Heidelberg aus, wo die Mutter zweier Kinder mit Familie lebt. Seit August hat der bekennende Familienmensch das Sagen über zwei Milliarden Euro Jahresumsatz und 9000 Beschäftigte. Die gebürtige Fränkin ist damit einzige Bosch-Managerin auf dieser Ebene der Hierarchie. „Noch“, betont die 49-Jährige.

Ihre 16 Prozent Frauenanteil in Führungsetagen wollen die Stuttgarter bis 2020 auf ein Fünftel hieven. Als Galionsfigur sieht sich Rückert dabei nicht. „Ich habe nicht den Eindruck, dass ich für Frauen hier das Eis brechen muss“, sagt sie nach knapp sechs Monaten im Unternehmen. Bei Bosch habe sie beeindruckt, dass Firmenwerte dort nicht nur in Broschüren stehen sondern gelebt werden. Gleichstellung von Frauen gehöre dazu.

„Dennoch ist es nie leicht, ein Unternehmen nach 20 Jahren zu verlassen“, gesteht die verbindlich und unprätentiös wirkende Frau mit den blonden Haaren ein. So lange und damit fast ihr ganzes Berufsleben hat sie vor ihrem Wechsel zum Familienkonzern Bosch nämlich beim Dax-Konzern SAP gemanagt, wo die promovierte Chemikerin, die in Regensburg, Würzburg und dem britischen Swansea studiert hat, zuletzt unter anderem für das Internet der Dinge zuständig war. „Dort hatte ich aber nie die Dinge“, erklärt sie. Die hat sie nun bei Bosch in Form von Feuer- und Rauchmeldern oder Sicherheitskameras. Genau wegen dieser Digitalexpertise hat Bosch sie abgeworben. Auch Gebäudetechnik wird im Zuge der Industrie 4.0 rasant vernetzt und mit künstlicher Intelligenz (KI) aufgepeppt.

„Ich kann nun mit Hardware umsetzen, was man sich im Software-Himmel ausdenkt“, sagt sie schmunzelnd zu einem Beweggrund ihres Wechsels. Dinge vernetzen und die Probleme von Kunden lösen, auch durch Einbindung von Partnerprodukten, lautet ihre Strategie auf einen einfachen Nenner gebracht. Unter Partnerprodukten versteht die Managerin unter anderem die Produkte von Bosch-Konkurrenten.

„Das Wort Konkurrenz hat sich weitgehend überlebt“, betont sie. Vernetzte Internetplattformen für Sicherheitstechnik wie die Bosch Gebäudetechnik sie in ihrem Start-up-Unternehmen Sast entwickelt, müssten systemoffen und herstellerübergreifend sein. Heutige Kunden hätten kein Interesse an Insellösungen. Dieses Denken sei noch nicht überall in der Gebäudetechnikbranche angekommen. Wer es verinnerliche, könne Trends setzen und sich zum Gewinner machen, ist Rückert überzeugt. „Bei Bosch herrscht eine große Offenheit für solche Offenheit“, sagt sie.

Sie schätze jedenfalls die Gestaltungsmöglichkeiten, die ihr neuer Job mit sich bringt. „Zusammen mit dem Team kann ich eine Menge bewegen“, sagt die Managerin selbstbewusst. Als vorteilhaft empfindet sie dabei, dass man bei Bosch als nicht börsennotiertem Konzern anders als bei ihrem vorigen Arbeitgeber nicht so sehr von Quartal zu Quartal denken muss. Das schafft Freiheitsgrade und Raum für langfristige Strategien.

Die Bosch Gebäudetechnik, die sie nun führt, sei im Kern noch ein Hardware-Unternehmen, sagt Rückert. Aber das Bekenntnis zur Digitalisierung der Produkte sei ernst gemeint und Bosch als Gesamtkonzern dabei auch schon weiter als mancher Konkurrent, erklärt sie mit Verweis auf mittlerweile 25 000 Software-Ingenieure im Haus. Für das, was bei der Gebäudetechnik noch fehlt, fühlt sie sich zuständig. „Das fügt sich wie ein Puzzle zusammen.“ Eine Revolution habe die Bosch Gebäudetechnik nicht nötig, lautet Rückerts Zwischenbilanz nach knapp sechs Monaten im Grasbrunn. Sie sei bereits gut aufgestellt. „Aber ich bin nicht gekommen, um das Geschäft exakt so fortzuführen, wie es ist.“ Man darf also gespannt sein.

Ossa

Vernetzte Gebäudetechnik benötigt für alle Anbieter offene Internetplattformen. Dazu hat Bosch Ende vorigen Jahres die herstellerübergreifende Open Security & Safety Alliance (Ossa) mitgegründet, der fünf Wettbewerber angehören. Ziel ist die gemeinsame Entwicklung digitaler Standards für das Internet der Dinge und eines branchenspezifischen Betriebssystems dafür. Ossa ist offen für Hersteller von Hard- und Software, Planer, Berater und Nutzer aus dem Bereich Sicherheitstechnologie. 

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