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Bosch drohen enorme Schadensersatzsummen

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Von: Frank-Thomas Wenzel

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Es stinkt zum Himmel: Die Profite der Autoindustrie gehen auch auf Gesundheitskosten der Bürger.
Es stinkt zum Himmel: Die Profite der Autoindustrie gehen auch auf Gesundheitskosten der Bürger. © afp

Womöglich spielt der Zulieferer Bosch eine zentrale Rolle beim Abgasskandal um VW. Er soll über viele Jahre an den Manipulationen beteiligt gewesen sein.

Der Abgasskandal weitet sich aus. In den Fokus rückt jetzt der Zulieferer Bosch, der womöglich bei den Betrügereien von Volkswagen eine zentrale Rolle spielen könnte. Auch für die gesamte Autobranche gibt es keine guten Nachrichten: Umweltschützer präsentierten am Mittwoch weitere Messergebnisse von nagelneuen Diesel-Pkw. Und die zeigen, dass viele Hersteller bei der Motorsteuerung nach wie vor tricksen und die Autos viel zu viel giftiges Stickoxid (NOX) ausstoßen.

Der weltgrößte Zulieferer Bosch ist führend bei der Software zur Motorsteuerung. Besonders eng war und ist dabei die Kooperation mit Volkswagen bei Dieselfahrzeugen. Seit 2001 soll Bosch mit den Wolfsburgern an Programmen gearbeitet haben, die dafür sorgen, dass nicht nur die Verbrennung des Treibstoffs optimiert wird. Denn dabei spielt auch die Abgasreinigung eine wichtige Rolle. Da ist es nur ein kleiner Schritt, Programme einzubauen, die dafür sorgen, dass die Abgasreinigung im Normalbetrieb weitgehend abgeschaltet wird und nur auf dem Prüfstand vorschriftsmäßig funktioniert. Aus der Klageschrift einer US-Anwaltskanzlei, die geprellte Autokäufer vertritt, geht hervor, dass Bosch über Jahre an den Manipulationen beteiligt gewesen sein soll und dass die Weiterentwicklung der Software nur mit Zustimmung von Bosch möglich war.

Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, müsste neben Volkswagen auch Bosch in den USA Schadenersatzsummen zahlen. Zumal laut Medienberichten aus den Unterlagen hervorgeht, dass es den Managern schon 2008 bewusst war, dass es sich um eine illegale Abschaltfunktion handelt. Dies würde auch einen riesigen Reputationsschaden für den renommierten Zulieferer nach sich ziehen.

Bosch äußert sich zu den Vorwürfen mit dem Verweis auf laufende Verfahren nicht. Doch am Wochenende berichteten Agenturen, dass das Management die Belegschaft auf Negativschlagzeilen eingestellt hat. Schon vor Monaten hatte das Unternehmen eingeräumt, die fragliche Motorsteuerung entwickelt zu haben. Immer wieder wurde aber auch darauf verwiesen, dass Volkswagen die Verantwortung für das Gesamtsystem und damit auch für die Manipulationen bei den Abgastests trage.

Unabhängig davon stellt sich die Frage, ob Bosch auch anderen Autobauern beim Tricksen geholfen hat. Der Konzern liefert Motorsteuerungen für fast alle Hersteller. Bislang ist darüber nichts bekannt. Gleichwohl zeigen neue Ergebnisse von Abgasnachmessungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH), dass so gut wie alle namhaften Autobauer bei ihren Neufahrzeugen Grenzwerte für giftiges Stickoxid bei Dieselautos massiv überschreiten.

36 Autos mit Dieselmotor und drei mit Benzin respektive Benzin-Hybridantrieb wurden überprüft. Alles Autos, die bei offiziellen Tests auf dem Prüfstand die Grenzwerte für die aktuelle Abgasnorm Euro 6 einhalten. Die Umwelthilfe hat die Abgase mit mobilen Messapparaturen auf der Straße getestet. Heraus kam, dass 33 Diesel-Pkw die Vorgaben vielfach deutlich überschritten haben – bis zum mehr als Neunfachen beim Ford Mondeo.

Die Spanne der Überschreitungen ist breit. Das zeigt, dass die Autobauer unterschiedliche Methoden beim Herunterfahren der Abgasreinigung anwenden. Aber das Ergebnis ist im Prinzip immer das Gleiche: Stickoxide werden beim Fahren auf der Straße in rauen Mengen in die Luft geblasen. Mehrere Autobauer haben längst zugegeben, dass sie mit sogenannten Thermofenstern bei der Motorsteuerung arbeiten. Etwa beim Unterschreiten bestimmter Außentemperaturen oder bei hohen Geschwindigkeiten stellen die Kats, die NOX unschädlich machen, ihre Arbeit weitgehend ein. Dass drei Autos (Mercedes E-Klasse, Audi A3, VW Transporter) auch im Realbetrieb teils deutlich unter den Grenzwerten bleiben, zeigt hingegen: Es gibt eine wirksame und auch bezahlbare Abgasreinigung. Umso problematischer sind deshalb die Verstöße.

Die Umwelthilfe jedenfalls will weiter bei niedrigeren Temperaturen testen. Dies soll deutlich machen, wie die Thermofenster bei den Emissionen wirken. In diesem Zusammenhang wirft DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch dem Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) Rechtsbeugung vor. Denn sein Haus hat beim Porsche Macan zugestanden, dass der Wagen die Stickoxid-Grenzwerte erst bei einer Temperatur oberhalb von fünf Grad einhalten muss. Thermofenster werden damit legalisiert, obwohl sie nach Einschätzung von Experten – etwa dem wissenschaftlichen Dienst des Bundestages – illegale Abschaltvorrichtungen darstellen. Allerdings handelt es sich hier um eine rechtliche Grauzone. Die EU-Bestimmungen erlauben die zeitweise Reduktion der Abgasreinigung zum Schutz des Motors. Genau darauf berufen sich das Ministerium und Autobauer. 

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