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Wo wohnen? Die Frage beschäftigt viele Menschen. afp

Immobilienmarkt

Boom beim Eigenheim bleibt

  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
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Mehr Menschen wollen sich ein Haus kaufen, dadurch steigen laut einer Untersuchung allerdings auch die Preise deutlich - trotz coronabedingtem Konjunktureinbruch.

Auf dem Immobilienmarkt tut sich was: „Wir sind der Auffassung, dass die Corona-Pandemie hier einen zusätzlichen und offenbar auch nachhaltigen Nachfrageschub – bei gleichzeitig beschränktem Angebot – erzeugt hat“, sagt Bernd Leutner, Chef des Forschungs- und Beratungsunternehmens F+B. Er und seine Leute haben errechnet, dass Ein-und Zweifamilienhäuser im dritten Quartal noch einmal teurer geworden sind, und zwar im Bundes-Durchschnitt um 8,6 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres. Zugleich ist die Zeit der exorbitant steigenden Mieten offenbar vorbei.

Der Boom bei den Eigenheimen ist in mehrfacher Hinsicht erstaunlich: Sie haben über mehr als zehn Jahre ohnehin schon konstant an Wert gewonnen. Das wurde zunächst mit dem ebenso konstanten Wirtschaftswachstum bei historisch niedrigen Zinsen erklärt. Immobilienfachleute mutmaßten, dass mit dem coronabedingten Konjunktureinbruch der Boom zu Ende gehen wird. Das Gegenteil trat ein. Als Erklärung dafür werden die Hilfsmaßnahmen des Staates genannt.

Bemerkenswert ist auch, dass sich Eigentumswohnungen laut F+B binnen zwölf Monaten „lediglich“ um 5,5 Prozent verteuert haben. Dabei haben sie sich in der Langfristbetrachtung stets schneller verteuert als Eigenheime. Teure Eigentumswohnungen werden vor allem in großen Städten offeriert. Und deren Attraktivität hat wegen Corona offenbar nachgelassen.

Dazu passt, dass auch laut der Internetplattform Immobilienscout24 im Frühjahr die Suchanfragen nach Eigenheimen zeitweise um 50 Prozent über den Werten des Vorjahres lagen; schwerpunktmäßig wurde in den Speckgürteln der großen Städte gesucht. Für viele Fachleute ist mittlerweile erwiesen, dass Corona Arbeits- und Lebensweisen dauerhaft verändert: Homeoffice wird für viele zur Normalität. Berufstätige müssen seltener zum Arbeitsplatz pendeln. „Fällt der Weg ins Büro weg, bedeutet dies auch weniger Nachteile, wenn man in der Peripherie wohnt“, so Claus Michelsen, Immobilienexperte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

Gegenläufige Tendenzen lassen sich bei Mietwohnungen erkennen. „Nach einer nunmehr zweijährigen Stagnationsphase sinken die Neuvertragsmieten im Vergleich der Quartale Q3/2020 zu Q2/2020 um 0,9 Prozent“, so die F+B-Experten, die unter anderem Kommunen bei der Berechnung von Mietspiegeln beraten. „Im Bundesdurchschnitt gehören damit exorbitante Mietensteigerungen endgültig der Vergangenheit an“, so Leuschner. In 28 der 50 teuersten Städte ging es nach unten. Ohne staatliche Unterstützungsmaßnahmen für die Konjunktur hätte es nach F+B-Einschätzung noch stärkere Rückgänge gegeben. Mit einem Minus von 1,6 Prozent im Quartalsvergleich verzeichnete München deutliche Abschläge. Trotzdem ist die bayerische Hauptstadt noch immer das mit Abstand teuerste Pflaster hierzulande – 16 Euro pro Quadratmeter und Monat für eine 75 Quadratmeter große Standardwohnung. In Frankfurt (zwölf Euro) gab es zwar einen leichten Anstieg, er fiel aber erheblich moderater aus als in den vergangenen zwei Jahren. Das zeigt: Gerade in den teuren Städten sind offenbar auch für Besserverdiener Schmerzgrenzen beim Mietpreis erreicht. Eine schwächere Nachfrage wegen Corona dürfte zusätzlich für Abschläge sorgen.

Am deutlichsten nach unten geht es in Berlin trotz eines recht niedrigen Durchschnitts von 8,50 Euro: Minus 3,1 Prozent zum Vorquartal und minus 5,3 Prozent zum Vorjahresquartal hat F+B errechnet. Dies sei, so die Immo-Experten, „als Auswirkung des Mietendeckels in seiner ersten Stufe zu interpretieren“. Mietobergrenzen wurden eingeführt. Am Montag wurde die zweite Stufe gezündet: Jetzt kann auch noch die Absenkung von monatlichen Zahlungen durchgesetzt werden, sofern sich diese als „überhöht“ definieren lassen. Der Berliner Senat geht davon aus, dass dies bei rund 340 000 Wohnungen der Fall sein dürfte. F+B kommt sogar auf 512 000.

In Bezug auf das geplante Gesetz zur Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen will Bundesbauminister Horst Seehofer (CSU) derweil eine Aufweichung erreichen. Derzeit ist vorgesehen, dass die Bundesländer in Gegenden mit knappem Wohnraum die Umwandlung für fünf Jahre verbieten können.

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